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Orientierungswert

Freiwillig, anonym und unentgeltlich

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Der dramatische Rückgang der Organspenden ist ein ernüchterndes Signal an die Patienten, die ohne ein neues Organ nicht mehr lange zu leben haben. Derzeit stehen etwa 10.000 Patienten aus Deutschland auf den Wartelisten der Vermittlungsstelle Eurotransplant. Vielen der Wartenden könnte geholfen werden, wenn die Organspende im klinischen Alltag einen größeren Stellenwert bekäme. Der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer (BÄK), Prof. Dr. jur. Hans Lilie, hat erst kürzlich in einem Interview auf das Kernproblem hingewiesen: Die Organspende sei immer „ein anstrengender Zusatzaufwand“, der nicht nur Personalressourcen und technische Struktur erfordere, sondern auch viel emotionale Kraft.

Einfache Lösungen für das Problem gibt es nicht. Wer glaubt, mit der Widerspruchslösung allein schon den Stein der Weisen gefunden zu haben, erliegt einem Irrtum. Es bedarf einer Vielzahl von Maßnahmen, um die Organspendebereitschaft zu stärken und den Beteiligten in den Krankenhäusern mehr Zeit für die Organentnahme und -übertragung einzuräumen. Lilie hat recht, wenn er in diesem Zusammenhang auch eine Neuberechnung der Kosten für die Organentnahme anmahnt und eine wirtschaftlich vertretbare Größenordnung fordert.

Abseits dieser Handlungsnotwendigkeiten bei der postmortalen Organspende gibt es aber auch weitere Möglichkeiten, Patienten zu helfen, die dringend auf ein Organ warten. Die Ständige Kommission Organtransplantation der BÄK hat sich bereits im Jahr 2003 dafür ausgesprochen, die „Entnahme nicht regenerierungsfähiger Organe – über die Zulässigkeit der Lebendorganspende unter nahen Verwandten bzw. Angehörigen hinaus – auch zum Zwecke der unentgeltlichen anonymen Lebendorganspende (pooling) zuzulassen“. Mit der Unentgeltlichkeit und Anonymität des poolings solle sichergestellt werden, dass die Lebendspende bei nicht regenerierungsfähigen Organen auf Umstände beschränkt bleibt, die einen Organhandel ausschließen.

Eine solche Regelung würde Änderungen am Transplantationsgesetz (TPG) erfordern. Bisher ist die Entnahme einer Niere oder des Teils einer Leber nur zulässig zum Zwecke der Übertragung auf Verwandte ersten oder zweiten Grades, Ehegatten, eingetragene Lebenspartner, Verlobte oder andere Personen, die dem Spender in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahestehen (§ 8 Abs. 1 TPG).

Die persönliche Verbundenheit ist auch Voraussetzung für die sogenannte Cross-over-Lebendspende. Bei diesem Verfahren werden die Organe unter den beiden beteiligten (überwiegend: Ehe-)Paaren ausgetauscht, in dem jeweils ein Partner als Spender für das andere Paar und jeweils einer als Empfänger auftritt. Ausgeschlossen nach der derzeitigen Rechtslage ist dagegen der sogenannte Ringtausch mit mehreren Spender- und Empfängerpaaren.

Ich plädiere dafür, in der aktuellen Diskussion über eine Stärkung der Organspende Änderungen am Transplantationsgesetz nicht auszuschließen, die auch eine unentgeltliche anonyme Lebendorganspende an einen unbekannten Empfänger ermöglichen. Die Freiwilligkeit und Unentgeltlichkeit der Spende muss in jedem Fall außer Frage stehen. Andere europäische Länder wie Spanien, die Niederlande und die Schweiz haben dafür entsprechende gesetzliche Regelungen gefunden. Das müsste auch uns gelingen können.

Autor

 Rudolf Henke

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