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TK-Chef gesteht Milliarden-Manipulation der Kassen

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Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, hat zugegeben, dass die gesetzlichen Krankenkassen Diagnosestellungen manipulieren, um Patienten auf dem Papier kränker zu machen als sie tatsächlich sind. „Es ist ein Wettbewerb zwischen den Kassen darüber entstanden, wer es schafft, die Ärzte dazu zu bringen, für die Patienten möglichst viele Diagnosen zu dokumentieren", sagte er in einem Interview, das die Frankfurter Allgemeine Zeitung gestern auf ihrer Website veröffentlichte. So gelänge es den Kassen, mehr Geld aus dem Risikostrukturausgleich zu bekommen. „Die Kassen bezahlen zum Beispiel Prämien von zehn Euro je Fall für Ärzte, wenn sie den Patienten auf dem Papier kränker machen. Sie bitten dabei um „Optimierung" der Codierung", führte Baas weiter aus. Es gebe sogar Verträge mit Ärztevereinigungen, die mehr und schwerwiegendere Diagnosen zum Ziel haben. Baas beziffert den Schaden dieser Praxis auf eine Milliarde Euro seit dem Jahr 2014.

Die stellvertretende Vorsitzende des Interessenverbandes Kommunaler Krankenhäuser, Susann Breßlein, reagierte „mit Unglauben und Fassungslosigkeit" auf Baas‘ Äußerungen. "Wir erwarten, dass dieser ungeheuerliche Verdacht umgehend staatsantwaltschaftlich aufgeklärt wird", so Breßlein. Es scheine, dass die Kassen Beitragsmittel von mehreren hundert Millionen Euro jährlich zweckentfremden, um sich ungerechtfertigte Zahlungen zu sichern. Vor diesem Hintergrund sei es besonders zynisch, dass die Krankenkassen Millionen Euro von den Kliniken zurückhalten, deren Abrechnungen sie ihrerseits anzweifeln.

 

 

Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Klaus Reinhardt, bezeichnete die Äußerungen von Baas heute unterdessen als „wichtig und mutig". Die angesprochenen Manipulationen müssten endlich offen und vorbehaltlos diskutiert werden. „Wenn wir uns – wie zum Beispiel im Zusammenhang mit der Notfallversorgung – über Instrumente intelligenter Patientensteuerung unterhalten, dann müssen endlich auch Fehlanreize wie Schummeleien beim Morbi-RSA auf den Tisch", sagte Reinhardt. Ähnlich wie bei der Patientensteuerung gehe es im Kern auch hier darum, ärztliche und finanzielle Ressourcen möglichst dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht werden. 

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