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AOK-Krankenhausreport

AOK verlangt von Ländern Durchsetzungsstärke

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Die Bundesländer gewähren nach Ansicht von AOK-Chef Martin Litsch zu viele Ausnahmen bei den existierenden Regeln für Mindestmengen. Das sagte der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes am Dienstagvormittag anlässlich der Präsentation des AOK-Krankenhausreports in Berlin und mahnte eine konsequentere Anwendung der vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgelegten Vorgaben an. "Wir akzeptieren zehn Prozent Ausnahmen", sagte Litsch, etwa wenn temporär ein Chefarzt eine neue Abteilung aufbaue. Litsch verglich diesen Wert mit den Niederlanden, wo konsequente Regeln zu Mindestmengen zu einer deutlich niedrigeren Sterblichkeit geführt hätten.

Laut AOK-Daten führten in Deutschland 2014 700 Krankenhäuser rund 12.000 Operationen an der Bauchspeicheldrüse durch. Knapp die Hälfte habe dabei die vom G-BA vorgegebene Mindestmenge von zehn nicht erreicht. Bei den Eingriffen an der Speiseröhre hätten fast drei Viertel der operierenden Kliniken die geforderte Mindestmenge nicht erreicht. "Wir brauchen Transparenz darüber, welche Kliniken Mindestmengen nicht einhalten", verlangte Litsch.

Mindestmengen führten dabei zur Konzentration an Zentren. "Wir brauchen eine deutlich stärkere Arbeitsteilung zwischen den Kliniken", forderte Litsch. Er wünsche sich auch mehr Freiräume für Einzelverträge der Krankenkassen bei bei elektiven Leistungen. Zuvor hatte Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdo), anhand von Zahlen argumentiert, dass es einen wissenschaftlich belegten Zusammenhang gebe zwischen Leistungsmenge und Qualität. Dies untermauerte Hartwig Bauer, ehemaliger Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.

Klauber nannte mehrere Beispiele, unter anderem Schilddrüsenoperationenen. Hier zeige sich, dass bei weniger als 56 Eingriffen die Gefahr einer permanenten Stimmbandlähmung doppelt so hoch sei wie bei Kliniken, die mindestens 182 dieser Eingriffe vornähmen. Chirurgie-Professor Bauer nannte vor allem die Karzinomchirurgie als Beispiel für einen höheren Bedarf an Mindestmengenregeln. Bei Lungenkrebs etwa gebe es anders als in den USA in Deutschland überhaupt keine Vorgaben für Mindestmengen.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) zeigte sich in einer Pressemitteilung offen für weitere Mindestmengenregeln. Hauptgeschäftsführer Georg Baum erklärte aber auch: "Studien des Reports zeigen, dass bei hochkomplexen Leistungen, wie Krebsoperationen an der Speiseröhre, Mindestmengen alleine keine Lösung sind." Notwendig seien interdisziplinäre Teams und den gesamten Behandlungsprozess umfassende organisatorische und strukturelle Rahmenbedingungen. "Die Krankenhäuser sind längst dabei, solche Strukturen in spezialisierten Zentren zu entwickeln", betonte der DKG-Hauptgeschäftsführer. Auch der Gesetzgeber habe mit der Krankenhausreform neue Grundlagen für solche Zentren geschaffen.

"Umso unverständlicher ist, dass die Krankenkassen die Bildung und Förderung von Zentren erschweren bzw. die Anwendung der neuen Fördermöglichkeiten systematisch verweigern. Anders ist die Klage des GKV-Spitzenverbandes gegen die von der Schiedsstelle festgelegten neuen Förderbedingungen für mehr Zentren nicht zu erklären", so der DKG-Hauptgeschäftsführer mit Blick auf die jüngste Klage der Krankenkassen.  

 

 

Autor

Dr. Stephan Balling

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