250
Passwort vergessen

Detailansicht

Orientierungswert: Dr. Bernd Köppl (BMVZ)

In einem Haifischbecken gedeihen keine Reformideen

  • News des Tages

Das Bild des Haifischbeckens ist allen Beteiligten im deutschen Gesundheitswesen gut vertraut, weil es eine Warnung an alle aussendet: "Spring dort nicht hinein, du hast keine Chance!"

So haben es alle Gesundheitsminister und Gesundheitsministerinnen, gleich welcher Partei, immer durchlebt. Sobald sie weitreichende, und in der Opposition noch „interessante“ Konzepte in Regierungspolitik umsetzen wollten, waren plötzlich die meisten Haifische  dagegen und mobilisierten erfolgreich ihre Truppen. Haben die Minister trotzdem an ihren Reformideen festgehalten, wurden sie entweder abgelöst, abgestraft oder als Verlierer in der eigenen Partei angesehen und fanden sich als Hinterbänkler wieder. Ergebnis: Mit einer Reform-Gesundheitspolitik kann man nur verlieren, und schon gar keine Wahlen gewinnen.

Das Wohl der Patienten zu vertreten, wird dabei von allen Haifischen umso stärker für sich in Anspruch genommen, je direkter der eigene Sektor tangiert ist. Aber warum schaffen die Haifische das, obwohl sie doch untereinander so zerstritten sind und sich am liebsten gegenseitig fressen wollen?

Nach meiner Auffassung liegt es an den gesetzlich immer noch zementierten Mauern zwischen den Versorgungsektoren. Diese Gräben sind eben auch sektorale Schutzbarrieren, die die Haifische der anderen Seite zurückhalten, obwohl sie eventuell die besseren Versorgungskonzepte haben.

Obwohl in den letzten fünfzehn Jahren die Mauern gerade zwischen dem ambulanten und dem stationären Sektor etwas durchlöchert und vorsichtig eine Entwicklung in Richtung Integrationsversorgung eingeschlagen wurde, sind die Schritte noch klein im Verhältnis zu den auf der Hand liegenden Erfordernissen an eine Modernisierung.

So können zum Beispiel die Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) ihren ambulanten Sicherstellungsauftrag in ländlichen Räumen eben nicht mehr nur mit vertragsärztlichen Niederlassungen ausfüllen. Allein dieses gravierende gesundheitliche Versorgungsdefizit wird eine Aufhebung der Sektorengrenzen zwischen ambulanter und stationärer Medizin erzwingen, und damit KVen und Krankenhausgesellschaften in ein gemeinsames Becken ohne Mauern bringen.

Sollten sie dort weiter als Haifische wüten, kommt das Ende der Gemeinsamen Selbstverwaltung sehr schnell. In diesem Fall muss die Politik das Wohl der Patienten­versorgung eben gegen diese Haifische durchsetzen. Wer das nicht will, sollte deshalb beizeiten die Krallen einfahren und im Interesse des Funktionieren des Gesamtsystems gemeinsam nach tragfähigen Kompromissen suchen.

Autor

Dr. Bernd Köppl

Zur Übersicht

Unsere Zeitschriften

f&w

Pflege und Krankenhausrecht

Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich