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Mindestmengen im Krankenhaus

Huml: „Ausnahmen sind nicht per se schlecht“

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Die Vorgabe von Mindestmengen im Krankenhaus kann ein wirksames Instrument sein – in welchem Bereich es jedoch Vorgaben geben und wie diese ausgestaltet sein sollen, ist strittig. Das zeigte sich bei einer Diskussionsrunde des AOK-Bundesverbandes in Berlin mit Vertretern von Krankenkassen, Krankenhäusern, Patientenvertretern und aus der Politik. So sprach sich beispielsweise Melanie Huml, Bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, grundsätzlich für Vorgaben aus. „Mindestmengen sind sicherlich ein gutes Instrument“, so Huml. Es sei jedoch schwierig, genau festzulegen, ab welcher Menge sie genau gelten sollten. Wenn es durch sie schließlich keine Versorgungsstrukturen vor Ort mehr gebe, könne dies nicht der richtige Weg sein.

Derzeit sind für sieben komplexe Operationen Mindestmengen gesetzlich verankert. Diese würden jedoch überwiegend nicht eingehalten, berichtete Thomas Mansky, Leiter des Fachgebietes Strukturentwicklung und Qualitätsmanagement im Gesundheitswesen der Technischen Universität Berlin. So wurden beispielsweise laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2014 bei Operationen an der Speiseröhre bei 68 Prozent der Kliniken die Mindestmengen nicht erreicht. Zudem würden etwa Länder wie die Niederlande mit höheren Mindestmengen, etwa bei Bauspeicheldrüseneingriffen, eine geringere Sterblichkeit erzielen, so Mansky. „Die Ergebnisse hängen in erheblichem Maße von der Menge der Eingriffe ab“, unterstrich Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes.

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, verwies darauf, dass nur 4,5 Prozent der Kliniken Mindestmengen unterschritten. Er setzt sich dafür ein, dass das Instrument „unverkrampft“ eingesetzt werden soll. Sprich: Es müsse auch Ausnahmen und Korridore für Mindestmengen geben. Denn schließlich komme es auch darauf an, welche Grundstrukturen es in einem Krankenhaus gebe. So seien beispielsweise Krankenhauseinheiten zur Transplantation und Neonatologie „a priori spezialisiert“, hier gebe Experten für den Eingriff. Wenn Krankenhäuser gute Qualität unter Beweise stellen könnten, seien Mindestmengen nicht zwingend notwendig. Sabine Dittmar, stellvertretende Sprecherin der Arbeitsgruppe Gesundheit der SPD-Bundestagsfraktion, stimmte Baum zu. Mindestmenge seien ein Element der Qualitätssicherung neben anderen. Qualität hänge aber eben beispielsweise auch von den Fähigkeiten des OP-Teams oder Operateurs ab.

Der langjährige Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss, Wolf Dietrich Trenner, sprach sich grundsätzlich für Mindestmengen bei Hochrisikoeingriffen sowie elektiven, planbare Eingriffen aus. Hier sei es zumutbar, dass Patienten auch längere Anfahrtswege in Kauf nähmen. „Uns kann es nur um die Qualität für den Patienten gehen“, sagte Trenner in der Diskussion, die von Stefan Deges, dem Geschäftsführer des Bibliomed-Verlags, moderiert wurde. Deswegen solle es auch keine Ausnahmen für Kliniken geben. Auch der AOK-Vorstandsvorsitzende sprach sich gegen Ausnahmen aus. Nur wenn die Regeln einfach seien, würden diese schließlich auch rechtssicher sein. Künftig wolle die AOK konsequenter vorgehen und gegebenenfalls Leistungen nicht mehr zahlen, wenn Einrichtungen Mindestmengen nicht erbringen können.

Staatsministerin Huml warf ein, dass man die regionalen Unterschiede und die Veränderungen in der Krankenhauslandschaft in Deutschland berücksichtigen müsse. Es sei gut, wenn man durch Ausnahmen Möglichkeiten schaffe, wo es sonst keine Versorgungsstruktur gäbe. „Dass man Ausnahmen zulässt, finde ich per se nicht schlecht“, so Huml. Zudem würden mittlerweile auch die Patienten selber immer stärker auf die Qualität achten – und sich genauer darüber informieren, wer Erfahrung bei einem Eingriff habe.

Autor

 Hendrik Bensch

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