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Malteser-Migrationsbericht

Plädoyer gegen bürokratische Integrationshürden

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Der Wirtschaftsweise Lars Feld hat bei der Präsentation des Migrationsberichts der katholischen Hilfsorganisation Malteser die Forderungen nach einer Obergrenze für Flüchtlinge als „Scheindebatte“ bezeichnet. „Ich halte von einer Obergrenze überhaupt nichts“, erklärte Feld, der den Bericht im Auftrag der Malteser, die in Deutschland auch zehn Krankenhäuser mit 2.187 Betten betreiben, erstellte. Schon allein verfassungsrechtlich könne die Zahl der Asylbewerber nicht limitiert werden.

Entscheidend für eine erfolgreiche Bewältigung der Herausforderungen im Zuge der Flüchtlingsbewegung aus dem Nahen Osten und Afrika sei die Integration der Migranten in den Arbeitsmarkt. Hier verwies Feld auf bürokratische Hürden. Insbesondere die Asylverfahren dauerten mit bis zu fünf Jahren zu lange. Im Jahr 2016 sei die Bearbeitungszeit der Anträge im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, 2017 sei nicht mit einer Verkürzung zu rechnen.

Karl Prinz zu Löwenstein, Beauftragter der Malteser, nannte als weiteres Beispiel die Voraussetzung eines polizeilichen Führungszeugnisses für die Ausbildung zum Rettungssanitäter. Dies sei zwar grundsätzlich sinnvoll: Aber: „Wenn man einen Flüchtling als Rettungssanitäter ausbilden will, scheitert man an der Hürde des polizeilichen Führungszeugnisses.“ Dabei suchten die Malteser „händeringend“ nach Auszubildenden für diese Tätigkeit. Zu Löwenstein zufolge gibt es unter den Flüchtlingen genügend geeignete Kandidaten. Nach seinen Angaben haben 44 Prozent der 2.000 hauptamtlichen Mitarbeiter der Malteser derzeit einen Migrationshintergrund, 17 Prozent seien Flüchtlinge.

Feld zeigte sich skeptisch, dass die Flüchtlinge in Deutschland das Fachkräfteproblem lösen könnten. Es sei auch fraglich, ob dieser bereits ein flächendeckendes Problem sei. Richtig spürbar werde dieser erst in zwei bis drei Jahren. Allerdings gebe es einzelne Bereiche, in denen Flüchtlinge dazu beitragen könnten, Engpässe zu lindern. Für die Pflege sagte Feld, dass hier eine höhere Bezahlung die Arbeit attraktiver machen könne und so mehr Menschen für eine Tätigkeit in diesem Feld des Gesundheitswesens zu gewinnen wären.

Die Kosten für die Versorgung der Flüchtlinge in Deutschland bezifferte Feld auf 15 Milliarden Euro im Jahr 2016. Für das laufende Jahr erwartet er geringere Ausgaben. Noch sei lediglich ein geringer Anteil der seit 2015 nach Deutschland gekommenen Personen in den Arbeitsmarkt integriert. Entscheidend für eine gelingende Integration sei der Erwerb von Sprachkenntnissen, ebenso eine klare Rechtslage über den Aufenthaltsstatus. 

Autor

Dr. Stephan Balling

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Foto: GettyImages/Faysal Ahamed

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