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Nachgefragt bei Torsten Rantzsch

Pflegedirektoren fordern Zurückhaltung von Verdi

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Der Verband der Pflegedirektorinnen und Pflegedirektoren der Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen Deutschlands e.V. (VPU) fordert von der Gewerkschaft Verdi ein Ende der Proteste an Krankenhäusern. Torsten Rantzsch, Vorsitzender des Vorstands und Pflegedirektor des Universitätsklinikums Düsseldorf, warnt zudem vor starren Personalvorgaben für Krankenhäuser.

 

Herr Rantzsch, Deutschland hat gewählt. Was erwartet der VPU von der neuen Bundesregierung?

Wir erwarten, dass die Versprechen, die im Wahlkampf gemacht wurden, auch eingelöst werden. Die Große Koalition hat ja viele Dinge in der Pflege angepackt, zum Beispiel die Umwandlung des Versorgungszuschlags in den Pflegezuschlag. Das war eine wichtige Forderung des VPU. Uns geht das aber noch nicht weit genug: Wir fordern eine Nachweispflicht, dass das Geld auch tatsächlich bei der Pflege ankommt. Wichtig ist für uns in der kommenden Legislatur, dass wir auch, aber nicht ausschließlich über die Altenpflege sprechen. Die Debatten kurz vor dem Wahlsonntag haben sich doch stark auf die Pflegeheime oder ambulante Pflegedienste konzentriert.

Auf das Thema Pflege hatte insbesondere die SPD im Wahlkampf gesetzt. Sind Sie enttäuscht, dass die Sozialdemokraten nun keine Regierungsbeteiligung anstreben?

Persönlich: Ja. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass man eine weitere Große Koalition so schnell ausschließt. Man hätte ja zumindest das Gespräch suchen können.

Wie entspannt können Sie Jamaika entgegenblicken? FDP und Grüne bewerten die generalistische Pflegeausbildung eher skeptisch.

Bei diesem Thema bin ich keineswegs entspannt. Mit der Verabschiedung des Gesetzes waren wir nicht zufrieden, eine echte Generalistik gibt es nicht. Damit bleiben wir Schlusslicht in Europa. Viele Fragen zur Umsetzung müssen jetzt noch geklärt werden. 

Viele Krankenhäuser warnen bereits vor verschärften Personalvorgaben. Zu Recht?

Eine starre Personalregelung lehnt der VPU ab, und ein striktes Pflege-Patientenverhältnis halten wir auch nicht für machbar. Denn die Frage ist immer: Was passiert in der Umsetzung? Wenn Pflegekräfte dann ad hoc reagieren und Patienten verlegen müssen, weil es zu einem personellen Ausfall gekommen ist und eine Quote nicht erfüllt werden kann, dann ist dies ein enormer administrativer Aufwand, der nicht zu rechtfertigen ist. Wir brauchen flexible Regelungen, mit denen Kliniken ihr Personal bedarfsgerecht steuern können.

Verdi hat zuletzt neue Proteste an Krankenhäusern angekündigt. Ist die Entlastung von Pflegepersonal aus Ihrer Sicht auch eine Angelegenheit der einzelnen Kliniken?

Nein, die meisten Krankenhäuser sind in einem Arbeitgeberverbund organisiert. Wir sind der Meinung, dass es darüber geregelt werden muss und nicht in einer Einzelhausregel. Ich verstehe den Ansatz von Verdi an dieser Stelle nicht, denn am Ende würde das rund 2.000 Haustarifverträge bedeuten. 

Kritiker werden Verdi angesichts der aktuellen Kampagne eine „Demontage der Pflege“ vor. Wie bewerten Sie diese Aussage?

Ich kann auf der einen Seite verstehen, wenn sich Pflegekräfte Luft machen und die schlechten Arbeitsbedingungen kritisieren. Ja, hier muss etwas geschehen. Auf der anderen Seite weiß ich, wie viele Krankenpflegekräfte und Angehörige anderer Gesundheitspflegeberufe in den Krankenhäusern jeden Tag hoch engagiert ihren Dienst verrichten und die ihnen anvertrauten Patienten professionell versorgen. Es ärgert mich, dass in der öffentlichen Diskussion nur über Defizite und Härtefälle gesprochen und damit ein sehr unausgewogenes Bild über die Situation in der Pflege vermittelt wird. Das wird der Leistung vieler engagierter Kolleginnen und Kollegen nicht gerecht. 

Autor

 Florian Albert

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