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Digitale Patientenakte

Auch AOK hält Gematik für „gescheitert“

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Die Krankenkasse AOK sowie die Klinikbetreiber Vivantes, Sana und Ameos starten gemeinsam ein digitales Gesundheitsnetzwerk zum Datenaustausch zwischen Patienten, niedergelassenen Ärzten und Kliniken. Kern ist dabei eine digitale Patientenakte, mit der sich medizinische Informationen und Dokumente jederzeit dezentral bereitstellen und abrufen lassen. Start des Pilotprojekts werde Anfang November in Mecklenburg Vorpommern mit zwei Kliniken der Ameos-Gruppe und dem Arztnetz Haffnet sein, zu dem 45 Mediziner gehörten, erklärte AOK-Projektleiter Christian Klose am Dienstagvormittag bei der Präsentation der Initiative in Berlin. Anfang 2018 starte dann in Berlin mit dem kommunalen Krankenhausverbund Vivantes und dem privaten Klinikkonzern Sana eine zweite Pilotregion.

Ziel sei ein bundesweites Angebot, machte der AOK-Vorstandsvorsitzende Martin Litsch deutlich. „Die Patienten fordern mittlerweile digitale Lösungen“, erklärte er. Die elektronische Patientenakte der AOK solle „anschlussfähig“ an die Gematik und die von dieser entwickelten elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sein. Dazu verwende man die von der Initiative „Integrating the Healthcare Enterprise“ (IHE) entwickelten Standards. Allerdings setzt die AOK keine großen Erwartungen mehr in Gematik und eGK. „Die Entscheidungsstrukturen der Gematik sind gescheitert“, sagte Litsch. Derzeit tragen die Organisationen der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen – Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) – die Gematik.

Litsch dazu: „Wir brauchen ein unabhängiges Institut“, vergleichbar mit der Bundesnetzagentur. Die AOK wolle zwar keine Konkurrenz zur Gematik aufbauen, „aber auch nicht mehr warten“. Bisher sei die eGK lediglich ein „Mitgliedsausweis“. Das Zwei-Schlüssel-Prinzip – Kern der eGK-Sicherheitsagentur beim Datenzugriff – stellte Litsch infrage. Es sei „viel zu komplex“ und daher „nicht mehr notwendig“. Die Idee, dass Arzt und Patient sich an Patiententerminals in Arztpraxen gemeinsam einloggen, sei „nicht mehr zeitgemäß“. Patienten müssten online von zu Hause und mobil Zugriff auf ihre Daten erhalten. Dafür reichten die Regelungen der EU-Datenschutzverordnung aus. Er hoffe, dass das Bundesgesundheitsministerium das Zwei-Schlüssel-Prinzip als deutschen Sonderweg nicht ins Sozialgesetzbuch V schreibe, sagte Litsch.

In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „f&w führen und wirtschaften im Krankenhaus“ fordert Arno Elmer, ehemaliger Geschäftsführer der Gematik: „Die Gematik in der bisherigen Form sollte aufgelöst werden.“ Auch der Verband der Krankenhausdirektoren (VKD) kritisiert in f&w die Gematik und verweist auf Systeme anderer Länder.

Autor

Dr. Stephan Balling

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