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Krebs-OPs

Mansky: Weniger Todesfälle durch Zentralisierung

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Zu viele Kliniken führen in Deutschland Krebs-Operationen durch, obwohl sie die erforderliche Mindestzahl von Fällen (Mindestmengen laut Krebsgesellschaft) nicht erreichen, was zu einer höheren Anzahl von Todesfällen führt. Das erklärte Thomas Mansky am Donnerstagmorgen bei der Präsentation des AOK-Qualitätsreports 2018. „In der Medizin fehlt es an Leitplanken, man könnte viel mehr tun, um Todesfälle zu vermeiden“, erklärte der Berliner Professor. Es gebe in Deutschland viel zu viele Kliniken, die komplizierte Krebs-Operationen nur gelegentlich durchführten. „Da ist eine große Anzahl von Kliniken, bei denen die Krankenhausplaner etwas zu tun hätten“, sagte Mansky.

Dass deutsche Krankenhäuser bei einer Reihe von Eingriffen tatsächlich die empfohlene oder vorgeschriebene Mindestmengen reißen, zeigt auch der Bibliomed-Klinik-Stresstest "Mindestmenge", den die f&w- Redaktion gemeinsam mit dem Analyse- und Beratungsunternehmen Mediqon durchgeführt hat. Auf dem Online-Portal BibliomedManager können User selbst eine detaillierte Analyse vornehmen.

Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes erklärte heute: „Gelegenheitschirurgie ist nicht das, was eine Krankenkasse akzeptieren kann für ihre Versicherten, schon gar nicht, wenn der Zusammenhang so eindeutig ist zwischen Menge und Qualität.“ Litsch forderte eine Ausweitung von Mindestmengenregeln in der Onkologie, aber auch bei anderen Indikationen wie der Hüftendoprothetik. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) solle auch Fallzahlen für Lungenkrebs und Brustkrebs regeln. Die Mindestmengen für onkologische Eingriffe an der Speiseröhre und der Bauchspeicheldrüse sollten erhöht werden. 

Litsch appellierte aber auch an das eigene Lager: „Wir müssen als Krankenkassen mehr Druck auf die Krankenhäuser ausüben.“ Es dürfe keine Ausnahmen mehr geben, Leistungen dürften nicht bezahlt werden, wenn ein Krankenhaus die Mindestmenge nicht erfülle. Dazu seien die Krankenkassen rechtlich in der Lage. Litsch kritisierte, dass 20 Prozent der Krankenhäuser weniger als 500 Betten haben. „Wir brauchen zentralisiertere Strukturen, auch mit Blick auf das Personal.“ Der Strukturfonds solle auf 75 Milliarden Euro aufgestockt werden (derzeit eine Milliarde Euro).

Mansky präsentierte Daten zu einem möglichen Rückgang der Sterbefälle in den Jahren 2009 bis 2014 bei verschiedenen Krebsarten:

  • Darmkrebs: 280 Todesfälle weniger bei einer Mindestmenge von 82 Operationen 
  • Blasenkrebs: 32 Todesfälle weniger bei einer Mindestmenge von 31 Operationen  
  • Speiseröhrenkrebs: 65 Todesfälle weniger bei einer Mindestmenge von 22 Operationen
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs: 124 Todesfälle weniger bei einer Mindestmenge von 29 Operationen 
  • Lungenkrebs: 74 Todesfälle weniger bei einer Mindestmenge von 108 Operationen   

Insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern (75 Prozent), Brandenburg (54 Prozent) und Bayern (47 Prozent) werden Manskys Daten zufolge viele Lungenkrebs-Patienten in Kliniken operiert, die weniger als 75 Operationen (Lungenresektion) im Jahr vornehmen. In Berlin dagegen betrifft das nur drei Prozent.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt unterdessen vor „vorschnellen und falschen Interpretationen“. Mindestmengen seien ein auch von den Kliniken längst anerkanntes Instrument der Qualitätssicherung, heißt es in einer Stellungnahme. „Eine einfache Kausalität vom operierenden Krankenhaus zum späteren Todesfall – aus der Interpretation von Abrechnungsdaten ableiten zu wollen und damit den Eindruck vermeidbarer Todesfälle in den Raum zu stellen, ist schlichtweg unseriös.“ Grundsätzlich würden sich aber auch die Krankenhäuser neuen möglichen Vorgaben nicht verweigern. 

Autor

Dr. Stephan Balling

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Foto: GettyImages/Faysal Ahamed

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