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Notfallversorgung

Zi-Studie: Ärzteverband sieht nur „begrenzte Aussagekraft“

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Der Marburger Bund kritisiert die gestern veröffentlichte Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zum Thema Notfallversorgung scharf. „Wirtschaftliche Durchschnittsbetrachtungen sind kein geeigneter Maßstab zur Beurteilung der Versorgungsqualität von Notaufnahmen“, sagte der 2. Vorsitzende des Marburger Bundes, Andreas Botzlar. Wer nur durch die Auslastung pro Stunde auf die Bedeutung einer Notaufnahme schließe, blende viele andere Indikatoren aus – insbesondere wie stark erkrankt oder verletzt der Patient sei. Auf diese Weise verlasse man „die Ebene wissenschaftlicher Redlichkeit“, so Botzlar.

Laut der Zi-Studie behandeln Ärzte in deutschen Notaufnahmen derzeit 1,7 Patienten pro Stunde. Die Auslastung in Ländern wie Dänemark oder England liege darüber. Für die Berechnungen griffen die Studienautoren auf die ambulanten Abrechnungsdaten Kassenärztlicher Vereinigungen zurück. Dies sei jedoch kritisch zu betrachten, so der Marburger Bund. „Abrechnungsdaten sind ökonomische Kennziffern, deren Aussagekraft allein schon durch die regionalen Unterschiede, die Größe und das Behandlungsspektrum der Krankenhäuser begrenzt ist“, so Botzlar. Wer wirklich wissen wolle, wie viel Zeit pro Patient aufgewendet werde, müsse sich jeden Einzelfall anschauen.

Als „höchst fragwürdig“ bezeichnete er den Vergleich mit anderen Ländern. „Das vom ZI angeführte Beispiel England mit angeblich durchschnittlich 11 Patienten pro Stunde in den Notaufnahmen ignoriert nicht nur die strukturellen Unterschiede zu deutschen Krankenhäusern und die abweichende statistische Erfassung von Notfällen“, so Botzlar, „sondern auch das weitgehende Fehlen einer vergleichbaren ambulanten vertragsärztlichen Versorgungsebene, wie wir sie in Deutschland kennen.“ Reformen der Notfallversorgung seien dringend geboten, jedoch sei dafür auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten notwendig.

Vor dem Hintergrund des Streits zwischen Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) und Deutscher Krankenhausgesellschaft (DKG) über die Ergebnisse der Studie mahnte der Hartmannbund eine bessere Zusammenarbeit der Akteure in der Selbstverwaltung an. „Ausgerechnet als Begleitmusik möglicherweise anstehender neuer Koalitionsverhandlungen – auch zum Thema Gesundheitspolitik – stellen maßgebliche Vertreter der gemeinsamen Selbstverwaltung eindrucksvoll unter Beweis, dass sie ganz offensichtlich nicht in der Lage sind, aus eigener Kraft Lösungsmodelle für notwendige Reformen zu liefern“, sagte der Vorsitzende des Hartmannbundes, Klaus Reinhardt. Dies stärke nicht nur ganz grundsätzlich diejenigen, die den staatlichen Einfluss auf das Gesundheitswesen erhöhen wollten. Es fordere den Gesetzgeber geradezu auf, das Thema Notfallversorgung ohne Beteiligung dieser Akteure zu regeln, so Reinhardt. Alle Beteiligten sollten sich deshalb auf Grundlage von Modellen wie dem des Sachverständigenrats Gesundheit in die Diskussion einbringen.

Autor

 Hendrik Bensch

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