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Mindestmengen

Kinderchirurgen wollen Spezialeingriffe in Zentren konzentrieren

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Seltene Erkrankungen und komplexe Fehlbildungen bei Kindern sollen künftig nur noch in spezialisierten kinderchirurgischen Zentren und in Kliniken der Maximalversorgung behandelt werden. Das hat die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGHC) heute bei einer Pressekonferenz in Berlin gefordert. Nach Vorstellungen der DGHC sollten häufige Fälle weiterhin in wohnortnahen kinderchirurgischen Einrichtungen behandelt werden. Bei angeborenen, seltenen Fällen müssten jedoch die Strukturen zentralisiert werden, so Peter Schmittenbecher, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH).

Er machte dies am Beispiel der Gallengangsatresie deutlich. In diesem Falle gebe es pro Jahr lediglich etwa 50 Neuerkrankungen in Deutschland. Diese verteilten sich auf etwa 40 Kliniken. „Das halten wir für keine gute kinderchirurgische Versorgung“, so Schmittenbecher. Damit das nötige Wissen vor Ort vorhanden sei und die Patienten gut nachbetreut werden könnten, sei deshalb eine Zentralisierung notwendig. Nur sehr wenig Krankenhäuser sollten künftig seltene Erkrankungen wie diese behandeln dürfen. Man habe sich bei der DGKCH von der Zurückhaltung gegenüber Mindestmengen „abgewendet“, so Schmittenbacher, und wolle mit den entsprechenden Gremien im Gemeinsamen Bundesausschuss zu dem Thema ins Gespräch kommen.

Der DGCH-Generalsekretär Hans-Joachim Meyer kritisierte bei der Pressekonferenz die derzeitige Mindestmengenregelung als „zahnlosen Papiertiger“. Aufgrund von Ausnahmeregelungen bezahlten die Krankenkassen Eingriffe, auch wenn die Mindestmengen unterschritten würden. Die Krankenkassen sollten stattdessen die Untergrenzen auch durchsetzen und – so wie kürzlich vom AOK-Bundesvorsitzenden Martin Litsch gefordert – mehr Druck ausüben.

Ein Bewusstsein für Mindestmengen entstehe derzeit unter anderem mit der Zertifizierung von Zentren durch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV), ergänzte DGAV-Präsident Albrecht Stier. Die Fachgesellschaft hat seit 2008 mehr als 70.000 Falldaten gesammelt und ausgewertet. Mithilfe der Daten hat die Fachgesellschaft festgelegt, wie viele Eingriffe nötig sind, damit ein Zentrum eine DGAV-Zertifizierung erhält. So gilt beispielsweise bei Leistenbrüchen eine Mindestmenge von 100 Operationen pro Jahr und Zentrum. Die Barmer würde mittlerweile ihren Versicherten bei bestimmten Eingriffen insbesondere solche Zentren empfehlen, die zertifiziert seien, so Stier.

Autor

 Hendrik Bensch

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Foto: GettyImages/Faysal Ahamed

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