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Redesign your hospital

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Google, Apple, Amazon und andere Internetgiganten richten den Fokus auf den Gesundheitsmarkt, bauen Krankenhäuser, gründen Krankenversicherungen und verkaufen Arzneimittel unter eigenen Labels. „Das kommt in einer großen Welle über uns“, prognostizierte Bibliomed-Geschäftsführer Stefan Deges zum Auftakt des zweiten Kongresstages des 17. Nationalen DRG-Forums und des 2. Nationalen Reha-Forums heute in Berlin. Werden 2025 nur noch 900 der heute rund 1.600 Akutkrankenhäuser existieren? Mit dieser These aus dem jüngst erschienenen Buch „Revolutionary Hospital“, das Deges zusammen mit Agaplesion-Vorstandsvorsitzendem Markus Horneber herausgegeben hat, konfrontierte er die hochkarätig besetzt Runde, die Herbert Rebscher moderierte. 

„Wir werden bei Digitalisierung und Vernetzung eine Dynamik bekommen, wo ich die Sorge habe, dass wir in unseren Strukturen, auch in der Selbstverwaltung, nicht richtig vorbereitet sind“, sagte der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU), der zudem die geplante Ausgliederung der Pflege aus dem DRG-System in Frage stellte

Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), plädierte dafür, die Digitalisierung nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu sehen. Als 1997 der Schachcomputer Deep Blue den Weltmeister geschlagen hatte, sei er zunächst deprimiert gewesen, berichtete der Preisträger des Vordenker-Awards 2018. „Aber wie schlägt man einen Schachcomputer? Ein Mensch mit einem Schachcomputer schlägt einen Schachcomputer“, so Scholz. Die zahlreichen Daten, etwa aus Genom, Krankenakte oder Datenbanken über Arzneimittelnebenwirkungen zu verbinden, verspreche Präzisionsmedizin und sei ein großer Fortschritt für den Patienten. „Wer das nicht will, macht keinen Fortschritt in der Patientenbehandlung“, so Scholz. Er prognostizierte zudem, dass Krankenhäuser die alleinige Zuständigkeit für die medizinische Datenerhebung verlieren werden, wenn Patienten ihre eigenen Daten sammeln. Ebenso müssten Krankenhäuser es zulassen, dass ITler eine Rolle bei der Behandlung von Menschen spielen werden. „Fortschritte aus Grundlagenforschung kommt ja auch von Chemikern und Biologen“, so Scholz. Dass in einigen Jahren zwischen 300 und 900 Krankenhäuser existieren werden, bezeichnete er als „realistisch“. 

„Uns fehlt die Rotzigkeit von Google und Co. Die machen es einfach“, sagte Susanne Leciejewski, Vorstandsvorsitzende von Celenus. Um im Gesundheitsbereich den Anschluss an die aktuellen Entwicklungen zu halten, „braucht man ein paar Köpfe, die querdenken und sich nicht an Grenzen stören“. Anstatt zu fragen, was im Krankenhaus, in der Rehaklinik oder beim niedergelassenen Arzt getan werden müsse, sollte man den Patientenpfad vom Beginn bis zum Ende vordenken. Solange es keine flächendeckende schnelle Datenverbindung gebe und Kliniken große Datenmassen nicht handhaben könnten, sei vieles in der Fläche jedoch nicht umsetzbar. 

„Wir sind seit Jahren faktischen Veränderungen ausgesetzt. Wer darauf wartet, dass Politik diese Leitplanken setzt, auf die wir hoffen, der macht einen Fehler“ sagte Thomas Lemke, Vorstandsvorsitzender der Sana Kliniken. Deutschland sei gegenüber vielen anderen Ländern in Rückstand geraten. „Wer glaubt, dass regulatorische Grenzen dem Einhalt gebieten können, der irrt“, mahnte er mit Blick auf die Digitalisierungswelle. „Man werde die Gefahr nicht bannen, dass Krankenhäuser irgendwann nur noch Anbieter von Infrastruktur sein werden. „Die Frage ist aber: Wer sind die Player, die am Ende des Tages genau diese Themen organisieren und steuern und Wertschöpfung für sich generieren?“ Sana habe es sich zum Ziel gesetzt, die Digitalisierung für alle Mitarbeiter erlebbar zu machen, etwa durch die Anbindung von Start-ups. Bislang sei das Feedback positiv. Den anwesenden Klinikmanagern riet Lemke, besser in Prozesseffizenz zu investieren anstatt in Bettenburgen. 

Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK Gesundheit, bezeichnete es als „mittlere Katastrophe“, dass etwa Österreich Deutschland bei der elektronischen Gesundheitskarte überholt habe. Hierzulande gebe es mehr als 200 unterschiedliche IT Systeme, die nicht anschlussfähig seien. „Wir werden in relativ kurzer Zeit wegweisende Dammbrüche erleben“, so Storm. Die Zukunft der ärztlichen Versorgung werde eine Kombination aus Versorgung vor Ort und digitalen Angeboten sein. Bereits in wenigen Wochen könnte auf dem Deutschen Ärztetag das Fernbehandlungsverbot fallen. Storm forderte zudem von der Politik einen Masterplan Digitalisierung mit jährlichen Fortschrittsberichten. 

 

Autor

 Florian Albert

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