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Charité-Bilanz

Gewinn sowie Kritik an Koalitionsplänen und GKV-SV-Rechnung

  • Pflege

Deutschlands größtes Krankenhaus weist zum siebten Mal in Folge einen Gewinn aus. 2017 habe der Gewinn 1,8 Millionen Euro betragen, teilte Charité-Direktorin Astrid Lurati am Freitagmittag bei einer Pressekonferenz in Berlin mit. Aufgrund von Streiks und dem Umzug ins neue Bettenhochhaus seien die Casemix-Punkte allerdings nur um 1,2 Prozent gestiegen. Ein deutliches Plus weist das Berliner Uniklinikum beim Personal aus: Seit Juli 2014, dem Beginn des Tarifvertrags Gesundheitsschutz, seien die Vollkraftstellen im Pflege- und Funktionsdienst von 3.396 auf 3.731 (Stand Dezember 2017) gestiegen. 

Der Vorstandsvorsitzende Karl Max Einhäupl empfahl den Tarifvertrag mit Verdi zur Personalausstattung zur „bundesweiten Nachahmung“. Allerdings müssten die Aufwendungen in der Pflege nun auch refinanziert werden. „Wir sind in Vorleistung gegangen“, sagte Einhäupl. Ablehnend äußerte er sich zum Koalitionsvertrag auf Bundesebene, der die Herausnahme der Pflege-Finanzierung aus den Fallpauschalen vorsieht (siehe auch neue Themenseite "Pflege"). Auf Nachfrage von BibliomedManager sagte er: „Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist. Ich war früher ein Gegner der Fallpauschalen, habe aber gelernt, dass sie zumindest für eine gerechte Verteilung sorgen.“

Einhäupl sprach sich für eine Reduktion der Zahl der Krankenhäuser in Deutschland um 100 bis 150 aus. Allerdings sehe er das nicht für Berlin. In Berlin sei das Verhältnis der Anzahl der Krankenhausbetten zur Einwohnerzahl bereits unter dem Bundesdurchschnitt angelangt. „In einer wachsenden Stadt Kliniken zu schließen ist gefährlich“, warnte der Charité-Chef. Auch eine starke Konzentration in der der Versorgung von Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten lehnte er für die Hauptstadt ab. Wulf-Dietrich Leber, Leiter der Abteilung Krankenhäuser beim Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV), hatte auf dem 17. Nationalen DRG-Forum vor einer Woche darauf hingewiesen, dass in Wien nur sechs Notfallaufnahmen (nachts sogar nur zwei) Herzinfarkte behandeln, in Berlin dagegen 39. Einhäupl machte deutlich, dass er eine Wiener Struktur für Berlin nicht befürwortet. 

Zugleich sprach er sich dafür aus, die Themen Delegation und Substitution ärztlicher Leistungen „weiterzutreiben“. Einhäupl, selbst Mediziner, sagte, es müssten Karriereoptionen für die Pflege und andere Gesundheitsberufe geschaffen werden. „Wir brauchen neue Berufe und Differenzierungen in den Berufen“, sagte er. Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) befürwortet Möglichkeiten der Substitution. Die Bundesärztekammer lehnt das strikt ab und fordert die Beschränkung auf die Delegation, so dass beispielsweise qualifizierte Pflegekräfte oder Arzt-Assistenten (Physician Assistant) nur unter ärztlicher Aufsicht Leistungen erbringen können. 

Autor

Dr. Stephan Balling

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