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Gutachten im KBV-Auftrag

RWI hält 751 Portalpraxen für nötig

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An 751 Krankenhausstandorten wären nach heutigem Stand Portalpraxen notwendig, um die Bevölkerung rund um die Uhr ambulant zu versorgen und die Erreichbarkeit des ärztlichen Bereitschaftsdienstes für 99 Prozent der Bürger innerhalb von 30 Minuten sicherzustellen. Das sagte RWI-Ökonom Boris Augurzky am Donnerstagvormittag bei der Präsentation eines Gutachtens im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Berlin. Da nicht alle Praxen so ausgelastet werden könnten, dass sie wirtschaftlich arbeiten könnten, sei mit einem kumulierten Defizit von 400 Millionen pro Jahr zu rechnen, das es auszugleichen gelte. 

Die Analyse geht von den realen Klinikstandorten aus. Bei einer Neuplanung der Versorgung auf der „grünen Wiese“ wären Augurzky zufolge 337 Standorte für Bereitschaftspraxen nötig, um für 99 Prozent der Bevölkerung eine Erreichbarkeit innerhalb von maximal 30 Minuten sicherzustellen. An der stationären Versorgung nehmen Augurzky zufolge 1.400 Krankenhäuser teil. An „fast 650“ gibt es laut KBV bereits Bereitschaftsdienstpraxen, „die direkt an die Notaufnahmen von Kliniken angegliedert sind“.

Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, sagte dazu: „Wir werden an diesen neuen Strukturen als Vertragsärzte arbeiten müssen.“ Mit Blick auf Wünsche der Politik, an jedem Krankenhaus einen KV-Bereitschaftsdienst anzusiedeln, und den Fachkräftemangel sagte Gassen: „Die Forderung an allen 1.600 Standorten Praxen aufrechtzuerhalten ist albern.“ Oftmals werde ein Portalpraxis nur gewünscht,  damit defizitäre und wenig ausgelastete Kliniken nicht schließen müssten. 

Am Nachmittag steht auf der Tagesordnung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) der Beschluss über das künftige gestufte System der stationären Notfallversorgung (siehe auch Themenseite Notfallversorgung). Im Vorfeld sagte der unparteiische G-BA-Vorsitzende Josef Hecken der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ): „Ich verlange, dass Patienten, die nach einem Unfall oder nach einem Herzinfarkt in oft lebensbedrohlichem Zustand in ein offiziell als ,Notfallkrankenhaus‘ deklariertes Haus eingeliefert werden, dort zumindest eine Innere Station, eine Chirurgie und im Bedarfsfall ein Intensivbett vorfinden. Erforderlichenfalls hat spätestens 30 Minuten nach Einlieferung ein Facharzt an ihrem Bett zu stehen.“ Das sei auch nicht unangemessen, sondern sachgerecht.

Laut FAZ wird der Beschluss vom Donnerstagnachmittag dazu führen, dass 628 Krankenhäuser künftig aus der Notfallversorgung fallen. Allerdings geht das Blatt von 1.748 Kliniken aus, die heute einen Zuschlag für die Teilnahme  an der Notfallversorgung aus. Auf Nachfrage von BibliomedManager bezifferte das RWI unter Verweis auf GKV-Abrechnungsdaten die Zahl der heute einen Zuschlag für die Notfallversorgung erhaltenden Kliniken auf 1.400. 

Mit Blick auf die Notfallversorgung sprach sich der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, heute für ein bundesweit einheitliches Beratungs- und Verteilungsinstrument aus. Patienten sollten grundsätzlich zunächst die 116117 wählen müssen. Dort solle dann abgeklärt, wie und wo der Patient weiter behandelt werden soll. In der Schweiz gäbe es bereits gute Beispiele, wie man die Verteilung regeln könne. „Da müssen wir hinkommen“, so Montgomery. Dann erledige sich wahrscheinlich auch die Frage, wie viele Kliniken ganz genau noch an der Notfallversorgung teilnehmen dürften.

 Videos: Notfallversorgung auf dem DRG-Forum

Autoren

Dr. Stephan Balling
 Hendrik Bensch

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