250
Passwort vergessen

G-BA

Notfallsystem gegen Krankenhäuser beschlossen

  • News des Tages

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am Donnerstag ein System für eine gestufte stationäre Notfallversorgung gegen die Stimmen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) beschlossen. Aus Sicht der Krankenhäuser dennoch positiv: Mit Unterstützung des unparteiischen Vorsitzenden Josef Hecken wurde in die Richtlinie aufgenommen, dass künftig auch Kliniken einen Zuschlag erhalten, wenn sie

  • eine Stroke Unit zur Schlaganfallversorgung oder
  • eine Chest Pain Einheit betreiben,

aber die Voraussetzungen für die Basis-Notfallstufe nicht erfüllen. Das zielt besonders auf psychiatrische Krankenhäuser, die in einer neurologischen Abteilung eine Stroke Unit betreiben, und auf Herzzentren wie in Berlin oder München.

Gegen den Willen der DKG setzten der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) durch, dass zwingend für die Zuschlagsfähigkeit ein Patient innerhalb von 30 Minuten von einem Facharzt versorgt werden muss. Die DKG sieht darin ein Einfallstor in das System des Facharztstandards in Krankenhäusern insgesamt. Regina Klakow-Franck, neben Hecken eines von drei unparteiischen G-BA-Mitgliedern, kritisierte die Regelung in einem Wortbeitrag und sagte: „Wenn der Arzt in Weiterbildung nicht sofort die Situation erkennt und die notwendigen Maßnahmen zum Erhalt der Vitalfunktionen einleitet, nutzt ein Facharzt nach 30 Minuten auch nichts mehr.“ Sie verwies darauf, dass die Assistenzärzte, die für solche Patienten verantwortlich seien, in der Regel bereits weit fortgeschritten in ihrer fachärztlichen Weiterbildung seien. Bei der anschließenden Entscheidung über die 30-Minuten-Regel enthielt sie sich der Stimme.  

Des Weiteren lehnte die DKG eine Soll-Bestimmung ab, nach der Kliniken nur dann die Zuschläge erhalten, wenn sie sich bemühen, mit den niedergelassenen Ärzten der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) zu kooperieren, insbesondere in puncto Portalpraxen. Die KBV hatte am Donnerstagvormittag ein Konzept vorgelegt, demzufolge ein ambulanter KV-Bereitschaftsdienst an 751 Kliniken nötig sei. Derzeit nehmen in Deutschland 1.400 Krankenhäuser an der stationären und ambulanten Notfallversorgung teil. Die DKG fürchtet, dass infolge dieser Regel viele Kliniken keinen Zuschlag erhalten. Auch Belegabteilungen können laut dem G-BA-Beschluss nicht Basis für die Notfallversorgung sein.

DKG-Präsident Gerald Gaß sagte zu Beginn der Debatte, dass es bei dem Beschluss nicht nur um die Frage der Zuschläge gehe. Das „Siegel“, das die Kliniken künftig erhielten, führe letztlich zur Frage, ob sie überhaupt teilnähmen. Gaß kritisierte die Vielzahl der Regeln, die jede einzeln von den Kliniken zu erfüllen seien: „Jede einzelne ist ein Ausschlusskritierium.“ DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum sagte, er fürchte „MDK-Einzelprüfungen bei jedem einzelnen Abrechnungsfall“ und damit viel neue Bürokratie.

Die Vertreterin der Bundesländer im G-BA zeigte sich zufrieden, dass der Beschluss den Landesregierungen Eingriffsrechte in das künftige System der stationären Notfallversorgung gibt. Laut G-BA sollen von den 1.748 allgemeinen Krankenhäusern nach den neuen Regeln 1.120 Zuschläge erhalten, gestaffelt nach der jeweiligen Stufe, die eine Klinik erreicht. 

Die notwendigen Abteilungen und Kriterien für die jeweiligen Stufen:

Stufe 1: Basisnotfallversorgung 

  • Chirurgie oder Unfallchirurgie
  • Innere Medizin
  • Zentrale Notaufnahme (überwiegend Aufnahme) mit besonders qualifiziertem Notfall-Arzt
  • Intensivstation mit mindestens sechs Betten, davon drei mit Beatmungsgeräten

Stufe 2: erweiterte Notfallversorgung 

  • wie Stufe 1 plus
  • vier weitere Fachabteilungen aus einer vorgegebenen Liste
  • Hubschrauberlandeplatz in der Nähe (mit Zwischentransport)

Stufe 3: umfassende Notfallversorgung

  • wie Stufe 1 plus
  • zehn weitere Fachabteilungen
  • Hubschrauberlandeplatz am Krankenhaus (ohne Zwischentransport zum Krankenhaus)
 Videos: Notfallversorgung auf dem DRG-Forum

Autor

Dr. Stephan Balling

Zur Übersicht

Klinik-Newsletter abonnieren

Die wichtigsten News aus Krankenhäusern und der Gesundheitswirtschaft direkt in Ihr Postfach - täglich und kostenfrei!
Foto: GettyImages/Faysal Ahamed

Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich