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Pflege

Spahn spricht von „echter Vertrauenskrise“

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Das Thema Pflege spielt eine zentrale Rolle auf dem Deutschen Ärztetag in Erfurt. Zum Auftakt des Medizinertreffens konstatierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) „eine echte Vertrauenskrise“ in der Pflege. Die hohe „Arbeitsverdichtung“ führe zu „Frust“, weshalb Pflegekräfte den Beruf verließen, was wiederum zu weniger Pflegekräften und einer höheren Arbeitsverdichtung führe. „Es ist nicht leicht, eine Spirale in die andere Richtung zu drehen. Ich möchte, dass wir die Botschaft senden: Wir haben verstanden“, sagte Spahn. 

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hatte sich in seiner Rede zuvor kritisch geäußert zur geplanten Reform der Ausbildung der Pflegeberufe. Er habe Zweifel, „ob das neue Pflegeberufereformgesetz mit seinem generalisierenden Ansatz wirklich zielführend ist. Dieses Gesetz wolle er nochmal mit dem Pflegebeauftragten der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, diskutieren. Montgomery verlangte jedoch bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege. „Ich möchte betonen, wie sinnhaft es ist, auch in der Pflege Tarifverträge und Tarifbindungen einzuführen.“

Montgomery warnte zudem davor, dass die geplante Reform der Ausbildung der psychologischen Psychotherapeuten zu einem Mangel an Weiterbildungsplätzen der Psychotherapie in den Kliniken führen könne. „Sollte die Weiterbildung an klinischen Abteilungen im Wettbewerb zu den Weiterbildungen angehender Fachärzte geschehen, kommen wir hier nur in einen Verdrängungswettbewerb um Weiterbildungsplätze.“

Mit Spannung wird vor allem erwartet, ob der Ärztetag das Verbot der Fernbehandlung von Patienten abschafft oder zumindest lockert. Spahn sagte: „An alle, die noch zögern: Lassen Sie es uns aktiv gestalten, und nicht andere gestalten lassen.“ Die Frage sei nicht, ob es Fernbehandlung gebe, sondern ob sie von deutschen Ärzten vorgenommen werde oder von US-Konzernen wie Google, Amazon und Apple. Markus Müschenich vom Start-up-Inkubator „Flying Health“ bezeichnet die Lockerung des Fernbehandlungsverbots im aktuellen Interview des Magazins „f&w führen und wirtschaften im Krankenhaus“ als „Seltene Chance für Kliniken“. 

Montgomery forderte zudem, dass jeder Arzt, der aus dem Ausland nach Deutschland komme, ein volles Staatsexamen hier ablegen müsse, um praktizieren zu dürfen. „Diese Kollegen sind uns sehr willkommen, aber der Patientenschutz gebietet Qualitätsnachweise und Kenntnisstand“, sagte Montgomery. Spahn sagte dazu, dass ausländische Abschlüsse in Medizin und Pflege schneller, „aber auch gründlicher“, anerkannt werden sollten. Es könne nicht sein, dass das eine Anerkennung zwölf bis 18 Monate dauere. 

Zum jüngsten Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) über ein Konzept für die stationäre Notfallversorgung sagte Spahn: „Wir müssen den Spagat schaffen zwischen einer flächendeckenden Versorgung und einer guten Versorgung.“ Ärztepräsident Montgomery hatte das Konzept zuvor kritisiert. Er habe seine Zweifel, dass es sinnvoll sei, hierbei „ausschließlich beim Arzt“ anzusetzen. Der Ärztepräsident forderte: „Man muss die Patienten steuern, damit das knapp gewordene Gut Arztstunde denen zugutekommt, die es wirklich benötigen.“ Das fehle im G-BA-Konzept.

 

 

Autor

Dr. Stephan Balling

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Foto: GettyImages/Faysal Ahamed

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