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Aufwrackprämie für die Pflege

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Immer wieder ist die Politik versucht, sich ergebende Marktergebnisse durch proaktive Eingriffe zu beeinflussen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die antizyklische Wirtschaftspolitik, besser bekannt als Keynesianismus. Gemäß dieser Theorie sollten gezielt wirtschaftspolitische Anreize geschaffen werden, um die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen zu steuern und bei Bedarf die Wirtschaft durch vermehrte Staatsausgaben oder durch expansive Geldpolitik zu beleben.

Gut erinnern können sich viele sicherlich noch an die damals – im Volksmund genannte – Abwrackprämie in Höhe von 2.500 Euro, die im Rahmen des Konjunkturpakets II im Jahr 2009 im Sinne keynsianischer Wirtschaftspolitik eingeführt wurde. Ziel war es, den Automobilmarkt zu revitalisieren. Viel gebracht hat die Prämie seiner Zeit nicht, vor allem konnte das Hauptziel – nämlich durch den Kauf von neuen Autos die Schadstoffbelastung der Luft senken – sicherlich nicht erreicht werden. Vielmehr klingt dies heute wie ein Hohn. Auch wissen Ökonomen schon lange, dass keynsianische Eingriffe in den Markt – wenn überhaupt – nur kurzfristig wirken und langfristig oftmals zu erhöhter Staatsverschuldung führen.

Ähnlich verhält es sich auch mit den jüngst vom Pflegebevollmachtigten der Bundesregierung Andreas Westerfellhaus vorgeschlagenen Rückkehrprämien für Berufsaussteiger, obgleich nicht anzunehmen ist, dass der Pflegebevollmächtigte dabei an Keynsianismus gedacht hat. Der Vorschlag sieht vor, dass abgewanderte Fachkräfte mit einer angedachten Prämie in Höhe von 5.000 Euro zurückgeholt werden sollen.

Ob dies funktionieren kann, ist jedoch aus mehreren Gründen sehr fraglich. Zum einen gibt es bestimmt triftige Gründe, warum Pflegende ihren Beruf verlassen haben. Dieser liegt entweder im Bereich des Berufsbildes oder aufgrund von persönlich veränderten Rahmenbedingungen. Waren es allein monetäre Aspekte, so wäre aus ökonomischer Theorie heraus zunächst die Preiselastizität der Nachfrage zu überprüfen. Nur so wüsste man, ab wann die Pflegenden zurückkämen. Die anvisierten 5.000 Euro scheinen sich jedoch einer kalkulatorischen Grundlage wohl eher zu entziehen.

Und dann folgt hier schon der nächste Denkfehler: Die Prämie hat nur einen Einmaleffekt und wird daher sowieso nicht langfristig wirken. Am Ende besteht die große Gefahr der Mitnahmeeffekte in der Form, dass die ausgeschiedenen Pflegenden, die alleine aus monetären Aspekten zurückkehren, die Prämie einstreichen und kurz- bis mittelfristig den Beruf dann wieder verlassen. Geholfen wäre damit dem System nicht, nur Steuergeld verbrannt. Es wäre ein kurzer, einmaliger Effekt, wie er im Keynsianismus bekannt ist. Hinzu kommt auch, dass auch davon auszugehen ist, dass viele Pflegenden den Beruf nicht aus monetären Gründen, sondern aufgrund von Rahmenbedingungen und persönlichen Überlegungen verlassen haben. Fraglich ist auch, für wen die Rückkehrprämie gilt. Viele Pflegekräfte stammen aus dem Ausland und kehren nach einiger Zeit wieder in ihr Heimatland zurück. Hätten auch Sie Anspruch auf die Prämie?

Summa Summarum wirkt die anvisierte „Aufwrackprämie“ wohl eher wie ein Schildbürgerstreich. Man könnte beinahe den Eindruck bekommen der Pflegeberuf wäre so unattraktiv, als dass man nur durch eine „Bepreisung des negativen Images“ alte und neue Interessenten findet. Vielmehr ist es aber doch ein Beruf, der sinnstiftend und befriedigend sein kann und eine sogenannte intrinsische Prämie verspricht. Vielleicht sollte man auch daran arbeiten, diese zu erhöhen. 

Autor

Prof. Dr. Andreas Beivers

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