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Orientierungswert

Ernüchterung statt Aufschwung

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Unter strenger Führung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) haben sich der GKV-Spitzenverband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) auf ein Modell zur Einführung der Pflegepersonaluntergrenzen in pflegesensitiven Abteilungen geeinigt. Nun geht es an die Umsetzung. Um zu wissen, wie die Pflegeausstattung in den pflegesensitiven Abteilungen tatsächlich aussieht, wurde die KPMG Health Care beauftragt, die Ist-Situation der Personalausstattung in den Krankenhäusern zu erheben. Anhand dieser Zahlen wird festgelegt, wo die Grenze zwischen einer guten und einer patientengefährdenden Pflege liegt. Qualitätsindikatoren, die die pflegerelevante Versorgungsqualität messen, wie etwa Dekubitus- und Infektionsraten, Zwischenfälle wie Patienten- oder Seitenverwechselungen, Arzneimittelsicherheit oder Beinahe-Zwischenfälle werden dabei allerdings nicht berücksichtigt. Die Pflegepersonaluntergrenze könnte dann auf dem Niveau der Krankenhäuser mit 10, 15 oder 25 Prozent der niedrigsten Personalausstattung liegen. Damit sind die Grundlagen für den nächsten Schritt klar, nämlich die Einbeziehung aller bettenführenden Krankenhausabteilungen in die Systematik der Pflegepersonaluntergrenzen.

Ab 2020 werden dann die Personalkosten für die Pflege aus den DRG herausgerechnet und krankenhausindividuell nach dem Prinzip der Selbstkostendeckung von den Krankenkassen zurückerstattet. Dieser Schritt wird von einer Mehrzahl der deutschen Krankenhäuser begrüßt. Endlich kommt die lieb gewonnene Selbstkostendeckung zurück.

Die Freude darüber wird aus meiner Sicht nur von kurzer Dauer sein: Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen zum aktuellen Stand von unbesetzten Stellen in der Krankenpflege und der Altenpflege geantwortet, dass es schon jetzt 12.000 offene Stellen in der Krankenpflege und 23.000 unbesetzte Stellen in der Altenpflege gibt. Wenn die Krankenhäuser also künftig offene Stellen nicht besetzen können, gibt es auch entsprechend weniger Geld. Für Krankenhäuser in ländlichen Regionen könnte das ein besonderes Problem werden. Die Spielräume für Innovationen, die das (Pflege-)Personal entlasten, schmelzen wie Butter in der Sonne.

Und dann ist da noch die Rehabilitation, über die im Zusammenhang mit der Pflege bislang überhaupt nicht gesprochen wurde. Dabei ist sie eine wichtige Säule im deutschen Gesundheitssystem. Mit mehr Rehabilitation können wir den Eintritt von Pflegebedürftigkeit deutlich nach hinten schieben und damit auch die Pflegekräfte in Pflegeheimen entlasten. Doch die gute Absicht, Pflegekräfte in Pflegeheimen und Krankenhäusern besser zu bezahlen, wird auch Auswirkungen auf das Pflegepersonal in den Reha-Kliniken haben. Die Pflegekräfte dort stellen berechtigterweise die gleichen Ansprüche wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern. Entweder sie bekommen gleiche Gehälter, oder sie wechseln ins Krankenhaus oder Pflegeheim. Dann könnte es für die Krankenhäuser eng werden, wenn sie ihre Patienten nicht mehr so früh in die Anschlussheilbehandlung abgeben können.

Eine Initiative zur Stärkung der Pflege ist für den Rehabilitationsbereich deshalb ebenfalls notwendig. Dazu gehören der Pflegezuschlag auch für Reha-Kliniken und die Streichung der Grundlohnsummenbindung in der Preisfindung.

Autor

 Thomas Bublitz

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