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Notfallversorgung

Kliniken gegen Gebühr in Notaufnahmen

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Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) lehnt die Forderung nach einer Gebühr für Patienten, die in eine Notaufnahme kommen, ab. „Eine solche Strafgebühr ist aus unserer Sicht schlicht falsch“, sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum mit Blick auf eine Aussage des Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. Der KBV-Chef hatte gegenüber dem  Redaktionsnetzwerk Deutschland gesagt, eine „finanzielle Steuerung wäre genau der Hebel, der helfen würde.“ Wenn sich Patienten dem Angebot der niedergelassenen Ärzte dauerhaft „entziehen“ würden und „das System nach Gusto nutzen“, müsse das finanzielle Sanktionen nach sich ziehen. In  einer heute Mittag veröffentlichten Pressemitteilung äußerte sich Gassen jedoch anders. Anliegen der KBV sei es, dass Patienten, die krank sind, schnellstmöglich die richtige Versorgung erhalten. „Unser Anliegen ist es nicht, Notfallpatienten zur Kasse zu bitten.“

DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum wies hingegen darauf hin, dass mit elf Millionen Fällen der überwiegende Teil der ambulanten Notfallversorgung bereits in den Notfallambulanzen der Krankenhäuser stattfinde. „Das liegt vor allem daran, weil das Angebot im niedergelassenen Bereich nicht ausreichend ist und die KVen ihrem Sicherstellungsauftrag nicht überall gerecht werden.“  Befragungen zeigten zudem, dass niedergelassene Ärzte Patienten in die Krankenhäuser schickten, wenn sie keine Termine frei hätten. Auch der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung äußerte sich kritisch. „Erst kümmern sich die Kassenärztlichen Vereinigungen jahrelang nicht ordentlich um den Bereitschaftsdienst in der Nacht, an den Abenden und den Wochenenden und jetzt, wo die kranken Menschen die Kliniken aufsuchen, will der Chef des Kassenärzte sie dafür mit Zusatzkosten bestrafen“, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum merkte zudem an, dass es in vielen Fällen schwierig zu beurteilen, ob es sich um einen Notfall handele. Ein Patient könne sich durchaus als Notfall sehen, ohne aber nach rein fachlichen Gesichtspunkten ein Notfall zu sein. Bei einer Gebühr liefe man zudem Gefahr, dass gerade sozial schwächere Menschen die Notaufnahme nicht mehr besuchten. Sie könnten Angst haben, später eine Gebühr bezahlen zu müssen.

Auch Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbandes, ist mit Blick auf eine Gebühr zurückhaltend. Man dürfe „niemanden abschrecken, der wirklich nachts oder am Wochenende dringend einen Arzt aufsuchen sollte“, sagte er im Interview mit dem Fachmagazin f&w (Augustausgabe). DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum äußert sich im Gespräch mit der f&w zudem skeptisch gegenüber dem Vorschlag des Sachverständigenrats Gesundheit, in der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wann ein Hausarzt und wann ein Krankenhaus aufzusuchen sei. Die Erfahrung zeige, dass die Bevölkerung dafür in weiten Teilen nur „bedingt zugänglich“ sei. Einig sind sich Baum und Weigeldt darin, dass mehr Hausärzte und eine Entbudgetierung der hausärztlichen Versorgung die Notfallambulanzen der Krankenhäuser spürbar entlasten würden.

Autor

 Hendrik Bensch

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