250
Passwort vergessen

TV-Kritik ZDF-Reportage

Auf der Suche nach Ursachen für die Pflege-Mordserie

  • News des Tages

Der Fall Niels H. gilt schon vor dem Gerichtsprozess als eine der größten Mordserien in der deutschen Geschichte. Warum der Pfleger über Jahre hinweg mutmaßlich über hundert Patienten töten konnte und wie sich dies in Zukunft vermeiden ließe, thematisierte das Team von „ZDF Zoom+“ in seiner gestern ausgestrahlten Sendung. Heute würde man dem Täter vermutlich viel früher auf die Spur kommen, zeigt sich Patientensicherheitsexperte Peter Gausmann in dem Bericht überzeugt. Krankenhäuser hätten heute andere Kontrollsysteme und eine höhere Sensibilität entwickelt, so Gausmann im ZDF. Ein Beispiel sei das Universitätsklinikum Essen, wo inzwischen eine Kultur des Hinsehens und miteinander Redens herrscht. Gausmann hatte erst jüngst in f&w beschrieben, dass Kliniken in Deutschland auf hohem Sicherheitsniveau arbeiten. Gleichwohl müssten der medizinische Fortschritt und die Anforderungen an eine professionelle Pflege mit Sicherheitskonzepten Schritt halten. 

Auch die betroffenen Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg, wo H. als Pfleger gearbeitet hat, haben mittlerweile ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft, indem sie beispielsweise ein Meldesystem für Whistleblower und eine zweite Leichenschau implementiert haben und mit einem Stationsapotheker arbeiten. Dass dessen verpflichtende Einführung nicht unumstritten ist, zeigt die aktuelle Debatte um das neue Krankenhausgesetz in Niedersachsen.

Patientenvertretern wie Eugen Brysch geht dieser gesetzgeberische Vorstoß indes nicht weit genug. Er plädiert in dem Bericht für bessere Kontrollen „bis auf die Station, bis ans Bett“. Es müsse immer nachvollziehbar sein, wer welches Medikament genommen habe. Allein auf freiwillige Anstrengungen der Kliniken zu setzen, ist für Brysch nicht ausreichend. 

Eine viel grundsätzlichere Kritik äußert der Psychiater Karl H. Beine im ZDF. Krankenhäuser, so sein Vorwurf, würden heute wie Wirtschaftsunternehmen geführt und seien gewinnorientiert, die Achtsamkeit gegenüber den Patienten sei in den letzten Jahren zugunsten lukrativer Eingriffe abgebaut worden.

Ob mehr Pflegepersonal, wie von dem ZDF-Team unterstellt, tatsächlich geholfen hätte, die Morde zu verhindern? Hinweise gab es jedenfalls genug, schildert ein ehemaliger Kollege. Trotz mulmigem Gefühl der Kollegen und unerklärlicher Blutwerte der Patienten durfte H. weiter unbehelligt auf der Station arbeiten. „Wir haben nicht scharf genug hingesehen“, berichtet der Pfleger. Selbst nach dem Bekanntwerden der ersten Morde sei Aufklärung unerwünscht gewesen, er selbst als Nestbeschmutzer in seinem Team kritisiert worden. Demnach waren es vor allem Routine und Gemeinschaftsgefühl, in denen Niels H.‘s Taten gedeihen konnten. 

Der komplette Beitrag steht in der Mediathek des ZDF.

Autor

 Florian Albert

Zur Übersicht

Abonnieren Sie unseren Newsletter

Mit unserem täglichen Newsletter informieren wir bereits rund 10.000 Empfänger über alle wichtigen Meldungen aus den Krankenhäusern und der Gesundheitsbranche

Unsere Zeitschriften

f&w

Pflege und Krankenhausrecht

Meinung: Orientierungswert

Orientierungswert von Boris Augurzky

Organspende: Club der Willigen

  • News des Tages

Orientierungswert von Andreas Beivers

Brutto gleich Netto

  • Orientierungswerte

Orientierungswert von Bernadette Rümmelin

Gewagtes Experimentierfeld Notfallversorgung

  • News des Tages

Empfehlung der Redaktion

Weitblick und Menschennähe: f&w gedenkt Michael Philippi mit Nachrufen des langjährigen Chefredakteurs Stefan Deges sowie des BDPK und öffnet das Archiv für Philippis Artikel aus der ersten f&w-Ausgabe aus dem Jahr 1984

Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich