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MVZ-Debatte: Ein Anschlag auf die Verhältnismäßigkeit

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"Heuschreckenbefall" und "feindliche Übernahmen": Die Versorgungsform MVZ steht derzeit zu Unrecht am Pranger, kritisiert Susanne Müller vom Bundesverband MVZ. 

Schon immer haftete den drei Buchstaben MVZ "a Gschmäckle" an. Erst ging es um die Praxisform an sich, die sich irgendwie „sozialistisch" anfühlte. Später standen die Krankenhaus-MVZ im besonderen Fokus, da hier „der Patient vorn eingeschleust und erst, nachdem ihn jeder Arzt gesehen hat, wieder herausgelassen wird“. Beide Vorurteile haben sich mit den Jahren abgeschliffen, und MVZ sind anerkannter Teil der ambulanten Landschaft geworden. 

Dieser Konsens scheint in den vergangenen Monaten wieder völlig infrage gestellt zu werden. Aktuell sind es Private-Equity-Investoren, die MVZ erwerben und damit diesen ein globales Negativimage verpassen. Und das völlig unabhängig davon, dass von den inzwischen rund 3.000 MVZ nur ein sehr kleiner Bruchteil durch diese Entwicklung berührt ist. Das gilt übrigens auch für die gehypte Debatte um die Zahn-MVZ, von denen innerhalb von zweieinhalb Jahren etwa 600 (bei insgesamt ca. 70.000 Zahnärzten) entstanden sind. Etwa 60 davon sind nach Angabe der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) Teil von MVZ-Ketten, die medizinfremden Kapitalgebern zugerechnet werden. 540 Zahn-MVZ sind demnach ärztliche Gründungen in Eigenregie – die vom momentanen Konfrontationskurs gegen die Praxisform MVZ mit-überrollt werden.

Einen nicht unerheblichen Beitrag spielt hier die Presse. Das hohe Maß an beinah reißerisch wirkenden Überschriften propagiert tatsächlich einen „Heuschreckenbefall“ sowie die „feindliche Übernahme“ niedergelassener Arztpraxen durch „MVZ-Ketten“ und – nicht zuletzt – die massive Gefährdung von Patienten. Seitens der Presse geht es um das Ringen um Leser - doch für MVZ-Träger und die ambulante Versorgung entsteht so medialer Zündstoff in einer ohnehin schon nicht sehr sachlich geführten Diskussion.

Und: Was in den Zeiten der Investoren-Debatte leider außer Acht gerät, ist die Darstellung dessen, was ein MVZ im besten Sinne ist und welche Möglichkeiten es für Ärzte und Patienten bietet. Die hitzige Diskussion unterschlägt schlichtweg all die guten Gründe, warum sich MVZ im Laufe der vergangenen 15 Jahre sowohl gesundheitspolitisch etabliert als auch in der Versorgung bewährt haben.

Natürlich muss das Augenmerk sensibel auf die neuen Entwicklungen gerichtet sein, damit die bestmögliche Patientenversorgung auch künftig gewährleistet bleibt. Jedoch sollte hierbei nicht pauschal die Praxisform MVZ als Sündenbock an den Pranger gestellt werden. 

Denn kooperative Versorgung – politisch gewünscht und vom Patient benötigt – ist nach wie vor eine der wichtigsten Antworten auf die hochkomplexen Herausforderungen unserer Gesundheitsversorgung. Diesen Konsens sollten wir über die aktuell zu oft, zu unsachlich geführten Debatten nicht leichtfertig gefährden. Es gilt daher dringlich, wieder mehr Verhältnismäßigkeit in die aktuellen Diskussionen zu bringen. 

Autor

 Susanne Müller

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