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Qualitätsmonitor 2019

AOK beklagt Versorgungsdefizite in kleinen Kliniken

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Die Politik widmet dem Thema Qualität nach Einschätzung des AOK-Bundesverbandes nicht genug Aufmerksamkeit. "Wir sehen, dass der Gesetzgeber mit großer Energie viele Gesetze auf den Weg bringt. Diese werden aber nicht mit dem Thema Qualität in Verbindung gebracht", sagte Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, heute bei der Veröffentlichung des Qualitätsmonitors 2019 in Berlin.

Auch die Qualitätsvorgaben des Krankenhaus-Strukturgesetzes (KHSG) würden nicht entschlossen genug umgesetzt. Ein erkennbarer Wille, die Versorgungsqualität aufzuwerten, sei weder in der aktuellen Krankenhaus-Gesetzgebung der Großen Koalition noch in der Krankenhausplanung der Bundesländer erkennbar. Insbesondere bei der "Gelegenheitschirurgie" könne man die Folgen eindeutig belegen. "Viele kleine Kliniken operieren ohne große Erfahrung. Dies führt trotzdem bislang nicht dazu, dass die Behandlungen nur noch in Kliniken durchgeführt werden, in denen viel operiert wird. Dies könnte man mit Mindestmengen verändern", sagte Litsch.

Auch im Bereich der Herzklappen-Implantationen forderte der AOK-Bundesverband strengere Regelungen. In etwa 30 Prozent der 97 Kliniken, die Eingriffe 2016 vorgenommen haben, wurden demnach weniger als 100 Fälle im Jahr versorgt. In Kliniken mit Fallzahlen unter 100 liegt die Zahl der Todesfälle laut Qualitätsmonitor im Vergleich zum erwarteten Wert um 46 Prozent höher. Die Sterblichkeitsrate bei Kliniken mit mehr als 200 Eingriffen jährlich sei dagegen um 32 Prozent niedriger.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) wirft dem AOK-Bundesverband unterdessen vor, die Patienten mit veralteten Zahlen zu verunsichern. Tatsächlich hätten im Jahr 2017 nur 11 von 92 Krankenhäusern weniger als 100 Eingriffe vorgenommen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) habe 2015 eine Richtlinie zur minimalinvasiven Herzklappeninterventionen (MHI-RL) beschlossen, die ganz offenbar bereits zu einer erheblichen Zentralisierung geführt habe, so die DKG. 

Der AOK-Bundesverband fordert weiterhin als sinnvolle Reaktion auf den Qualitätsmonitor ein Umsteuern der Politik. "Die Fristen für die Umsetzung der planungsrelevanten Qualitätsindikatoren sollten mit einem KHSG II deutlich verkürzt, die Prozesse im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA)  beschleunigt und die Qualitätsvorgaben für die Kliniken verbindlich gemacht werden." Dies müsste nach Auffassung von Martin Litsch, gegebenenfalls auch gegen den Widerstand von Krankenhausgesellschaften und Bundesländern geschehen.

Der Qualitätsmonitor zeigt unter anderem, dass die Sterblichkeit von Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1.500 Gramm in kleinen Kliniken, die weniger als 34 Fälle im Jahr betreuen, doppelt so hoch ist als in Kliniken mit mehr als 91 Fällen pro Jahr. Es sei deshalb wichtig, Risikoschwangere rechtzeitig in größere Zentren zu verlegen. Höhere Mindestmengen für Frühgeborene müssten deshalb laut Aussage von Rainer Rossi, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Perinatale Medizin (DGPM), dringend neu festgelegt werden.

Der Qualitätsmonitor 2019 wird gemeinsam vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO), dem Verein Gesundheitsstadt Berlin und der Initiative Qualitätsmedizin herausgegeben. Der Bericht zeigt Daten aus 1.400 Krankenhäusern zu Fallzahlen und Qualitätskennzahlen ausgewählter Krankheitsbilder und Behandlungen.

Autor

 Philipp Schwehm

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