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Fall Niels Högel

Oldenburger Klinikchef weist Vertuschungsvorwurf zurück

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Nach dem Urteil im Prozess gegen den Pfleger Niels Högel hat der Vorstandschef des Klinikums Oldenburg, Dirk Tenzer, Vorwürfe gegen ihn zurückgewiesen. Der Vorsitzende Richter war in seiner mündlichen Urteilsbegründung auch auf Tenzer eingegangen und hatte ihm Vertuschung vorgehalten. Er trete den Anschuldigungen nun "entschieden entgegen", heißt es in einer persönlichen Erklärung von Tenzer, die er gestern veröffentlichen ließ.

Unter anderem war dem Vorstandschef vorgeworfen worden, er habe Befragungsprotokolle von Mitarbeitern im Jahre 2014 nicht an die Staatsanwaltschaft übergeben. Die Unterstellung, er habe der Staatsanwaltschaft die internen Mitarbeiter-Protokolle vorenthalten, sei "objektiv unzutreffend", so Tenzer. Zum einen sei den Ermittlern der Umstand, dass vor Beginn der Tätigkeit der Sonderkommission interne Ermittlungen im Haus durchgeführt worden waren, frühzeitig bekannt gewesen. Die Unterlagen hätten also "jederzeit [...] angefragt werden können." Zum anderen handele es sich bei Gesprächen, die ein Arbeitgeber mit seinen Mitarbeitern führt, um "schützenswerte interne Unterlagen, die genau wie Patientendaten, nicht unaufgefordert und ohne Rechtgrundlage herausgegeben werden dürfen". Personalaufzeichnungen wie die Mitarbeiterprotokolle hätten deswegen nicht ungefragt herausgegeben werden dürfen. Dass die Dokumente vorlagen, sei entgegen der Behauptungen des Richters zu keiner Zeit „vertuscht“ worden.

Zudem seien die Mitarbeiter des Klinikums durch ihn mehrfach aufgefordert worden, offen und aktiv an der Aufklärung der Straftaten mitzuwirken. Ihm Vertuschung vorzuwerfen sei deswegen "einfach grotesk". "Ich erinnere daran, dass die Ermittlungen wegen Taten in unserem Haus erst durch meine Veranlassung begannen."

Auch den Vorwurf, er habe eine Strichliste, auf der ein Stationsleiter Sterbefälle und Dienstzeiten von Pflegern abgeglichen hatte, zurückgehalten, wies Tenzer zurück. Diese sei auf seine Initiative hin bereits im April 2016 an die Ermittlungsbehörden überreicht worden. Der Liste, die er im September 2014 von einem Mitarbeiter erhalten hatte, habe er nicht die Relevanz beigemessen, wie er es heute tun würde. Er sei damals ganz neu mit dem Fall Högel befasst gewesen und habe sich in einer "Orientierungsphase" befunden. "Zu der damaligen Zeit hatte die Beauftragung eines Sachverständigen Priorität und die Dimension der Ereignisse war nicht annähernd abzusehen", so Tenzer.

Der Vorsitzende Richter habe geäußert, dass sogar die zunächst mit dem Fall befassten Staatsanwälte die Dimensionen des Falles unterschätzt hätten. Hierfür habe der Richter Verständnis geäußert. Ihm werde hingegen vorgeworfen, er habe die Dimension der Verbrechen erkennen müssen. "Dadurch legt er offensichtlich an einen Nicht-Juristen strengeren Maßstäbe an, als bei Berufs-Ermittlern", so Tenzer. "Dies ist mehr als verwunderlich."

Das Landgericht Oldenburg hatte den Krankenpfleger Niels Högel in der vergangenen Woche wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt. Der Pfleger war zwischen 2000 und 2005 in den Krankenhäusern Oldenburg und Delmenhorst beschäftigt, wo er seinen Patienten Substanzen spritzte, und in lebensgefährliche Situationen brachten, um sie dann wiederzubeleben.

Autor

 Hendrik Bensch

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