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DKG, BÄK, KKVD

Warnung vor Kahlschlag in der Gesundheitsversorgung

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Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), die Bundesärztekammer (BÄK) und der Katholische Krankenhausverband Deutschlands (KKVD) haben zu den Ergebnissen der Krankenhausstruktur-Studie der Bertelsmann-Stiftung und der Kommission 'Gleichwertige Lebensverhältnisse' Stellung bezogen und sehen dringenden politischen Handlungsbedarf.

Vergangene Woche berichtete BibliomedManager über die Ergebnisse der Kommission. Darin wird die Bundesregierung angemahnt, mehr Geld für Krankenhausinvestitionen bereitzustellen. Da die ambulante ärztliche Versorgung im ländlichen Raum immer größere Lücken aufweise und die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) diesen negativen Trend nicht stoppen könnten, schlägt die DKG eine zukunftsweisende Veränderung vor. Ländliche Krankenhausstandorte sollten zu Gesundheitszentren ausgebaut werden, die neben der klassischen Krankenhausbehandlung auch die ambulante ärztliche Versorgung der Bevölkerung übernehmen könnten. "Diese sektorenübergreifenden regionalen Gesundheitszentren sollen mit den verbliebenen ambulant tätigen Ärzten eng und partnerschaftlich zusammenarbeiten." Die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur sei wirtschaftlicher als der Aufbau von Parallelstrukturen mit teurer Medizintechnik und IT in einzelnen Arztpraxen. Dr. Gerald Gaß, Präsident der DKG, fordert die Politik dazu auf, nun konsequent Umsetzungsschritte folgen zu lassen. Eine Politik, die Gesundheitseinrichtungen vernachlässige, beschädige das Ziel gleichwertiger Lebensverhältnisse nachhaltig, so Gaß.

Auch zur kürzlich veröffentlichten Krankenhausstruktur-Studie der Bertelsmann-Stfitung hat sich die DKG geäußert. Sie spricht im Zusammenhang mit den Ergebnissen von einer "absolut unbelegten Einschätzung". "Wer vorschlägt, von circa 1.600 Akutkrankenhäusern 1.000 platt zu machen und die verbleibenden 600 Kliniken zu Großkliniken auszubauen, propagiert die Zerstörung von sozialer Infrastruktur in einem geradezu abenteuerlichen Ausmaß, ohne die medizinische Versorgung zu verbessern", sagte Gaß. Dies sei das exakte Gegenteil von den Vorschlägen der Kommission 'Gleichwertige Lebensverhältnisse'. Hinter der Zentralisierung, die von der Bertelsmann-Stiftung vorgeschlagen werde, stehe die Einschätzung, dass die medizinische Versorgungsqualität nur in Großkrankenhäusern gut, beziehungsweise besser, werden könnte. Seit Jahren würden Qualitätsindikatoren in der medizinischen Versorgung erhoben und der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bestätige ein hohes Qualitätsniveau in den beteiligten Kliniken.

Die monokausale Erklärung "weniger Krankenhäuser - bessere Qualität" greife viel zu kurz. "Was wir benötigen, ist eine aktive Krankenhausplanung, die regionale Besonderheiten ins Auge fasst, Parallelstrukturen abbaut, aber gleichzeitig auch gegen Unterversorgung vorgeht", sagte Gaß. Deutschland benötige zudem einen vernünftigen Mix aus wohnortnaher Grundversorgung, bei der sich Patienten auch im Notfall auf zeitnahe Behandlungen verlassen könnten. Hochspezialisierte Leistungen sollten in Zentren erfolgen. Weiterhin sollten die neuen Möglichkeiten der Telemedizin mit in die Debatte um die sektorenübergreifende Versorgungsstruktur einbezogen werden. "Nicht zuletzt bedeutet aber jede Form von Standortentwicklung gewaltige Investitionsanstrengungen, die weit über die bisherigen Fördermittel der Länder und des Bundes hinausgehen. Auch dazu schweigt sich die Studie aus", sagte Gaß.

Bundesärztekammerpräsident, Dr. Klaus Reinhardt warnte vor einer undifferenzierten Schließungspolitik: "Gerade im ländlichen Raum müssen wir die flächendeckende Versorgung der Patienten sicherstellen." Wer auch immer mit welchen Ideen den Krankenhaussektor verändern wolle, müsse dem grundsätzlichen Auftrag der Daseinsvorsorge, der Gleicheit der Lebensverhältnisse und dem Feuerwehr-Prinzip der Krankenhäuser im Katastrophenfall gerecht werden. Auch wenn die Zahl der Krankenhäuser reduziert werde, würde dadurch nicht die Zahl der Behandlungsfälle reduziert, mahnte Reinhardt. 

Laut dem Katholischem Krankenhausverband Deutschlands (KKVD) gehe die Bertelsmann Studie an der Realität vorbei. Den Patienten als Trost für längere Wege eine bessere Behandlungsqualität zu versprechen, sei Augenwischerei. Die in der Studie empfohlene Reduzierung von Kliniken würde eine Verdoppelung der Behandlungsfälle pro Krankenhaus bedeuten. Nur eine rigide Patientensteuerung wird die Fallzahlen in den Kliniken deutlich reduzieren. Doch dies würde auf Kosten der Wahlfreiheit und Patienten-Souveränität gehen. "Klar ist, dass nicht alle heutigen Standorte erhalten bleiben können. Doch ein dichtes Netz an Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung ist unverzichtbar, um die schnelle Erreichbarkeit und Versorgung in der Fläche zu sichern. Das ist gerade für die wachsende Zahl älterer Menschen wichtig, die mehrfach erkrankt und nur eingeschränkt mobil sind", sagte Ingo Morell, stellvertretender Vorsitzender des KKVD. 

Auch die ARD beschäftigt sich in ihrer "ARD-Story" heute Abend unter anderem mit den Ergebnissen der Bertelsmann Stiftung. "Krankenhäuser schließen - Leben retten" ( Montag, 15.7. um 20:15 Uhr).

Autor

 Philipp Schwehm

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