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25 Jahre GRB

Die Wurst wird geröntgt

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Wenn Menschenleben fahrlässig gefährdet werden, muss sogar der Chefarzt gehen. „Da gibt es keine Toleranz“, sagte Markus Horneber auf dem 25-jährigen Jubiläum der GRB Gesellschaft für Risikoberatung Ende August in Frankfurt am Main. Vor rund 200 Gästen unterstrich der Agaplesion-Chef, dass in seinem Unternehmen eine offene Fehlerkultur des Lernens und Disziplin Hand in Hand gingen. „Wenn Menschenleben bedroht sind, ist das Risikomanagement von eminenter Bedeutung“, bekräftigte er.

„Wir haben sehr sichere Kliniken und ein hohes Sicherheitsniveau, aber wir müssen viel dafür tun, dass es so bleibt“, sagte GRB-Geschäftsführer und Gastgeber Peter Gausmann. Er und sein Team der GRB Risikomanagement, eine Tochter der Ecclesia-Gruppe, beraten seit nunmehr 25 Jahren Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen bei der Etablierung von Risikomanagement- und Qualitätsmanagement-Systemen. Gausmann erinnerte an den 4. Global Ministerial Summit on Patient Safety im März dieses Jahres in Jeddah, Saudi-Arabien. Dort hatten die Gesundheitsminister die nationalen Gesundheitssysteme ausdrücklich aufgefordert, den Blick auf andere Branchen zu richten und von Best-Practices zu lernen. Seit Jahren gilt die Flugbranche als Musterbeispiel in Puncto Sicherheit. Die Piloten, so Gausmann mit einem Augenzwinkern, habe man aber diesmal nicht eingeladen, sondern Referenten aus dem Dienstleistungsgewerbe, der Industrie und dem Handel, von deren Risikomanagement im Gesundheitswesen bislang nur wenig bekannt ist.

Knifflige Situationen im OP

Wie ähnlich die Herausforderungen in einem OP und auf einer Baustelle mitunter sind, schilderte Sabine Baumann-Duvenbeck von der Victor Baumann GmbH & Co KG. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Schwerlasttransporte, Krane und Montage. Kranfahrer seien in der Regel Hilfsarbeiter, die durch Beobachten lernen, bevor sie zum ersten Mal den Steuerknüppel in die Hand nehmen. Wie der Operationssaal muss auch die Baustelle gut vorbereitet sein, wie der Arzt muss auch der Kranführer wissen, was ihn bei seinem Einsatz erwartet. „Sobald er die Ladung am Haken hat, übernimmt er das Kommando über die Baustelle“, so Baumann. Das bedeutet allerdings auch, dass im Zweifel der Hilfsarbeiter einem Ingenieur Anweisungen erteilen und sich durchsetzen muss, wenn die Sicherheit gefährdet ist. 

Derartig knifflige Situationen gibt es auch im OP, bemerkte Ruth Hecker vom Uniklinikum Essen und stellvertretende Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit (APS). Trotz Checklisten seien nach wie vor nicht alle Mitarbeiter so compliant, dass sie im Zweifel die Notbremse ziehen und den Beginn einer Operation verschieben. 

Zwei Prozent der Beschäftigten in der Qualitätssicherung

Dabei wissen auch Klinikmanager, dass nur ein einzelnes Ereignis das gesamte Unternehmen in die Kollektivhaftung zu nehmen droht. Keime, Behandlungsfehler oder Pfusch werden dann zum kommunikativen GAU. Georg Hein von der EG-Fleischwarenfabrik Dieter Hein aus Görlitz kennt die Gefahren eines drohenden Imageschadens nur zu genau, die bei mikrobiologischem Verderb, Fremdkörpern oder Kreuzkontamination bei allergenen Stoffen drohen. „Dass eine Charge zurückgerufen werden muss, gönnt man auch seinem Konkurrenten nicht“, bekräftigte Hein. Zu groß sei der Schaden für die gesamte Branche. Zwei Prozent seiner Beschäftigten arbeiten in der Qualitätssicherung – ein Niveau, von dem Krankenhäuser noch weit entfernt sind, wie mehrere Teilnehmer äußerten.

Das Risikomanagement in der Fleischfabrik ist umfangreich: Alle Mitarbeiter müssen durch eine Hygieneschleuse, farbige Lichter signalisieren, wenn ein Handschuhwechsel ansteht, fertige Ware wird beim Verlassen der Firma geröntgt beziehungsweise mit einem Metalldetektor untersucht, um Fremdkörper aufzuspüren. Sogar in der Kantine greift das RM, wie Hein berichtete: Bestimmte Schokoladenriegel habe man aus dem Sortiment entfernt. So soll sichergestellt werden, dass nicht aus Versehen doch ein kleines Stück Nuss in den Produkten lande. Zudem müsse das Unternehmen jederzeit mit unangekündigten externen Audits rechnen, so Hein – ein Vorgehen, das sich Gausmann auch regelhaft in Krankenhäusern vorstellen könnte. Seine Empfehlung: „Krankenhäuser sollten nicht nur reagieren, sondern das Thema Sicherheit offensiver spielen und Vertrauen schaffen.“

Autor

 Florian Albert

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