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Aufruf

Ärzte-Appell für Reform des Fallpauschalensystems

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In einem großen Aufruf im Magazin Stern haben Ärzte und Organisationen aus dem Gesundheitsbereich zu grundlegenden Veränderungen bei der Finanzierung von Klinikleistungen aufgerufen. Das Fallpauschalensystem biete "viele Anreize, um mit überflüssigem Aktionismus Rendite zum Schaden von Patientinnen und Patienten zu erwirtschaften", so die Unterzeichner. Es belohne alle Eingriffe, bei denen viel Technik über kurze Zeiträume zum Einsatz kämen, wie etwa Herzkatheter-Untersuchungen oder Rückenoperationen. "Es bestraft den sparsamen Einsatz von invasiven Maßnahmen."

Zu den Unterzeichnern des Appels zählen unter anderem der Berufsverband Deutscher Internisten, die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) und die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), mehrere Landesärztekammern sowie mehr als 200 Ärzte. Sie kritisieren unter anderem, dass das Fallpauschalensystem nicht die Zeit berücksichtige, die für Gespräche mit Patienten notwendig sei. Auch die Zeit für die Weiterbildung junger Ärzte und für Teambesprechungen würden nicht einberechnet. Die Unterzeichner fordern deshalb, das System zu ersetzen oder grundlegend zu reformieren. Wirtschaftliches Handeln sei notwendig, eine "ökonomisch gesteuerte gefährliche Übertherapie sowie Unterversorgung von Patienten" müsse hingegen gestoppt werden.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht den Appell kritisch. „Der Wunsch, die Krankenbehandlung von der Finanzierung des Krankenbehandlungssystems zu entkoppeln, mag sozial ethisch ehrenwert sein", so DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Er führe jedoch zu keiner besseren Versorgung, wie viele staatsfinanzierten Gesundheitssysteme zeigten. "Die Gesundheitswesen der sozialistischen Länder und das englische Gesundheitssystem machen dies mehr als deutlich", so Baum. Die Folgen seien Warteschlangen, "Versorgungsrationierungen" und eine schlechtere Ausstattung.

Wie bei den niedergelassenen Ärzte sei auch im Krankenhauswesen eine Vergütung, die von den erbrachten Leistungen und damit verbundenen Kosten abhängig sei, "grundsätzlich sinnvoll", so Baum. "Hinter hochpreisigen Fallpauschalen stehen immer auch jährlich neu kalkulierte entsprechend hohe Kosten." Die Fallpauschalen müssten jedoch dort ergänzt werden, wo dies erforderlich sei. Dies gelte etwa für die Personalkosten. Hier würden die Tarifsteigerungen über das Fallpauschalensystem alleine nicht ausreichend finanziert.

In ihrer Stellungnahmen wendet sich die DKG klar gegen die Behauptung der Appell-Unterzeichner, es würden unnötig Behandlungen vorgenommen. "Niemand wird ohne medizinischen Anlass – vom diagnostischen Abklärungsbedarf bis hin zur Entscheidung über eine Operation – behandelt", erklärte Baum. Die Bundesregierung habe 2014 umfangreich prüfen lassen, ob es ökonomisch begründete Behandlungen in größerem Umfang in deutschen Krankenhäusern gebe. "Dies konnten die Gutachter nicht feststellen", so Baum.

Autor

 Hendrik Bensch

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