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Kommentar zum Ärzte-Appell

Endlich richtig planen!

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Die Arbeitsgemeinschaft kommunaler Großkrankenhäuser (AKG) begrüßt den aktuellen Ärzte-Appell von Medizinern. Doch leider werde in der aktuellen Stern-Berichterstattung ein künstlicher Widerspruch aus guter medizinischer Versorgung und Ökonomie hergestellt, schreibt AKG-Vorstandsvorsitzender Matthias Bracht. Dieser bestehe nicht.  

Die Arbeitsgemeinschaft kommunaler Großkrankenhäuser (AKG) begrüßt alle konstruktiven Beiträge zu einer nachhaltigen Weiterentwicklung des deutschen Gesundheits- und Krankenhaussystems. Als solchen darf man auch den aktuellen Ärzte-Appell verstehen, bei dem Mediziner zusammen mit dem Magazin Stern versuchen, die komplexen Zusammenhänge der Patientenversorgung einem breiteren Publikum nahe zu bringen, um so eine politische Wirkung zu erzielen.

Investitionsfinanzierung

Ein ganz wesentlicher Punkt, der auch in vielen kommunalen Großkrankenhäusern zu einer Mangelsituation führt und regelmäßig von der AKG adressiert wird, ist die bei weitem nicht ausreichende Investitionsfinanzierung durch die Länder. Dies zwingt die Krankenhäuser dazu, Überschüsse aus der Krankenversorgung zu generieren, um dadurch notwendige Investitionen selbst finanzieren zu können. Im derzeitigen System sind es allein die Bundesländer, die an dieser Stelle zu einer Entspannung des wirtschaftlichen Drucks in der Medizin beitragen können. 

Ungeplante Entwicklung

Wie auch die Unterzeichner des Appells kommen immer mehr Akteure im Gesundheitswesen zu dem Ergebnis, dass die Politik der vergangenen Jahrzehnte auf eine Marktbereinigung und Schließung von Krankenhäusern setzt. Hierbei mangelt es aber auf Bundes- und auch auf Landesebene an einem echten Planungsprozess. Am Ende muss im politischen und gesellschaftlichen Diskurs definiert werden, welche Versorgung wo vorgehalten werden soll. Dies wird derzeit allein dem Markt überlassen. Gerade die jüngsten Gesetze und Regelungen zu den Pflegepersonaluntergrenzen erhöhen den Druck noch einmal enorm. Hier besteht die akute Gefahr, dass wirklich versorgungsrelevante Einheiten vom Netz gehen müssen. Auf diese Zusammenhänge weist der aktuelle Appell leider nicht hin. 

Appell übersieht die nicht ausreichende ambulante Struktur

Mit der Fokussierung auf das System der Krankenhausvergütung verkennt der Appell die übergreifenden Zusammenhänge in der Gesundheitsversorgung. Es gibt strukturelle Mängel in der medizinischen Versorgung in Deutschland, die derzeit auf dem Rücken der Krankenhäuser ausgetragen werden. Viele Eingriffe sollen nach der geltenden Vergütungssystematik vorzugsweise in der ambulanten Versorgung erbracht werden. Für spezielle Eingriffe oder bestimmte Diagnostik finden Patienten aber immer häufiger keine entsprechenden Angebote in den niedergelassenen Praxen.

Hierbei haben fehlende Betreuungsmöglichkeiten oder ungenügende Überwachungskapazitäten eine entscheidende Bedeutung. Dadurch werden diese Leistungen immer wieder von Krankenhäusern zur Zufriedenheit der Patienten erbracht, anschließend aber von den Kostenträgern nicht vergütet. Das gleiche gilt für die Überleitung nach einem stationären Krankenhausaufenthalt. Es fehlt häufig an Kapazitäten in Pflegeheimen und bei Pflegediensten oder den formalen Höherstufungen des Pflegegrades. In diesen Fällen liegen die Patienten länger stationär. Auch für diese Tage oder Wochen leisten die Krankenhäuser die Versorgung, die anschließend von den Kostenträgern nicht bezahlt wird. 

Gegensätze bestehen so nicht

Leider wird in der aktuellen Stern-Berichterstattung ein künstlicher Widerspruch aus guter medizinischer Versorgung und Ökonomie hergestellt. Dieser besteht nicht. Im Gegenteil. Die Häuser der AKG und deren Leitungen fühlen sich im höchsten Maße der möglichst hochwertigen Patientenversorgung verpflichtet. Und ökonomisches Handeln kann nicht mit einem Profitstreben gleichgesetzt werden. Das gemeinsame Ziel muss es sein, die begrenzten Ressourcen verantwortlich einzusetzen, um eine gute Versorgung für alle zu sichern. Der Vorwurf des Profitstrebens läuft, bezogen auf die kommunalen Krankenhäuser, ins Leere: Sie verfolgen weder das Ziel einer Gewinnmaximierung, noch entziehen sie dem solidarisch finanziertem Gesundheitssystem Mittel.   

DRG-System

Das pauschalierte Entgeltsystem ist sicher nicht der Grund für alle Fehlentwicklungen. Vielmehr hat es der Gesetzgeber versäumt, notwendige Anpassungen und Ergänzungen des Systems voranzutreiben, um Fehlentwicklungen entgegenzuwirken. Dies gilt insbesondere für die Entwicklung in der Pflege. Systembedingt führt die jährliche Neukalkulation der DRG-Bewertungen dazu, dass immer neue und zusätzliche Wirtschaftlichkeitsreserven gehoben werden müssen. Die nachweislich erfolgreiche Produktivitätssteigerung der Krankenhäuser wurde mit sinkenden Preisen bestraft. Das DRG-System hat aber zu einer notwendigen Transparenz des Leistungsgeschehens gerade in Bezug auf die unterschiedliche  Komplexität und Ressourcenbindung geführt. 

Ziel der Strukturentwicklung ist richtig

Die zentrale Frage bei der Gestaltung der Gesundheitsversorgung in Deutschland ist nicht, wie viele Krankenhäuser wir brauchen, sondern, wie wir die Strukturen so weiterentwickeln können, dass jeder Bürger versteht, wo er für seinen konkreten Bedarf die bestmögliche Versorgung erhält. Dazu brauchen wir einen öffentlichen Diskurs und endlich eine Krankenhausplanung, die diese Bezeichnung auch verdient. Dafür benötigen wir bundesweit einheitliche Anforderungen, anreizgerechte Vergütungsstrukturen, eine solide Investitionsfinanzierung und eine nachhaltige Patientensteuerung.

 

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"Die Überbetonung der Ökonomie hat dazu geführt, dass wir heute immer unökonomischer arbeiten", sagt Andreas Tecklenburg, Arzt und Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover im Interview.

Autor

Dr. Matthias Bracht

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