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Reform der Notfallversorgung

Bitte nicht falsch abbiegen!

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Die Notfallversorgung ist eine der größten Baustellen von Jens Spahn – ein Reformgesetz soll noch vor Weihnachten kommen. An vielen strittigen Stellen könnte der gute Wille jedoch verpuffen, wenn der Minister nicht die richtigen Strukturen vorgibt, warnt unser Gastautor Prof. Andreas Beivers. Nötig seien vor allem klare Vorgaben für die Bereitschaftspraxen.

Es ist immer eine spannende Zeit vor Weihnachten: Viele machen sich Gedanken, mit welchen Geschenken sie ihre Lieben überraschen können. Aber auch gesundheitspolitisch ist und bleibt es spannend – warten wir doch auf den Entwurf der geplanten Notfallreform. Ideen liegen genügend auf dem Tisch, das Konzept des Integrierten Notfallzentrums (INZ) wurde bereits in einem Positionspapier im Mai 2017 publiziert.

Wichtig ist nun, dass man nicht auf den letzten Metern falsch abbiegt, denn ein wirklich zielführendes Reformkonzept kann nur gelingen, wenn man dem politischen Willen, Patienten wirklich intersektoral zu versorgen, auch gesetzgeberischen Ausdruck verleiht. Dazu bedarf es nicht nur einer adäquaten Versorgungsstruktur, sondern auch eines neuen Finanzierungssystems. So wird der derzeit diskutierte „gemeinsame Thresen“ im INZ nur dann die gewünschte Wirkung erzielen, wenn auch sichergestellt ist, dass der „Weg nach links oder rechts“, sprich ins Krankenhaus oder in die Bereitschaftspraxis nicht zu einem Ping-Pong-Spiel wird.

Das hängt primär davon ab, welche Leistungen in den Bereitschaftspraxen erbracht werden können (Stichwort: Strukturqualität). Ohne die Möglichkeiten bildgebender Diagnostik (Ultraschall und Röntgen) und einer allgemeinärztlichen Diagnose-Qualifikation, die 24/7 zur Verfügung steht, wird hier in den INZs nicht viel geschehen. Abermals ist dann zu befürchten, dass der Patientenweg aus der Bereitschaftspraxis häufig wieder ins Krankenhaus führt, und am Ende auch dort eine ambulante Leistung ist. Dann wäre durch den neuen Thresen nicht viel gewonnen, sondern eher etwas verloren: nämlich Geld. So würde die Versorgung nicht besser, es käme aber noch die Finanzierung des gemeinsamen Thresens hinzu – und eine doppelte Leistungsabrechnung ambulanter Diagnostik. Aus diesem Grund ist es ein großer, gesundheitsökonomischer Wunsch, Prozess- und Strukturkriterien im INZ gerade auch in den Bereitschaftspraxen zu verankern.

Und dann noch ein ganz wesentlicher Punkt: Die notfallmedizinischen Leistungen des INZs müssen so vergütet werden, dass das Gesamtbudget eines Notfallzentrums kostendeckend ist. Um Fehlanreize zu vermeiden, könnte das INZ von einem sektorenunabhängigen Budget finanziert werden. Krankenhäuser könnten beispielsweise für die Fälle, die sie vom INZ eingewiesen bekommen, Abschläge auf die jeweiligen DRGs in das INZ-Budget abführen, da die Erstarbeit (Triagierung, Diagnosestellung, etc.) für diese Fälle entfällt. Wichtig ist sicherzustellen, dass das INZ für seine jeweilige Leistung aufwandsgerecht, aber unabhängig von der jeweiligen Nachbehandlung der Patienten vergütet wird. Denkbar wären auch sogenannte Hybrid-DRGs für diesen Bereich oder pauschale, fallzahlunabhängige Vergütungsmodelle.

Alles in Allem bleibt zu hoffen, dass der Minister auf den letzten Metern nicht mehr falsch abbiegt. Eine effiziente, sektorenübergreifende Notfallversorgung ist einer der wichtigsten Bereiche des Gesundheitssystems: Hier muss die intersektorale Versorgung und Vergütung nun gelingen. Gelingt es hier nicht, dies politisch durchzusetzen, ist es auch in anderen Bereichen kaum vorstellbar. Vielleicht gibt es doch noch eine freudige, gesundheitspolitische Überraschung unter dem Christbaum.

Autor

Prof. Dr. Andreas Beivers

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