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Orientierungswert von Andreas Beivers

Reden ist Silber, Umsetzen ist Gold

  • Orientierungswerte

Zu Beginn des noch jungen Jahres 2020 lohnt sich ein kurzer Blick zurück. 2019 war für das deutsche Krankenhauswesen zumindest medial ein voller Erfolg. Aufgrund einer noch nie dagewesenen Taktung von Reformgesetzen war das System überall präsent. Sogar die ARD brachte zur TV-Primetime eine Sonderdokumentation mit dem Titel „Die Story im Ersten: Krankenhäuser schließen und Leben retten“ auf Basis der im Juli publizierten Bertelsmann-Studie. Dem folgten unzählige, „harte, aber faire“ Dokumentationsrunden mit den verschiedensten Beteiligten aus der Krankenhaus-Szene, in denen trefflich über den richtigen Weg gestritten sowie heftig diskutiert wurde.

Dabei besteht hinter den Kulissen schon längst Einigkeit darüber, dass heute etwas geschehen muss, um unser gutes System für die Anforderungen der Zukunft fit zu machen. Uneinig ist man sich eigentlich nur noch in der Form der Umsetzung – und Finanzierung. Viele Krankenhausstandorte sind mehr als 30 Jahre alt und wurden zu einer Zeit geplant, in der der medizinische Bedarf der Bevölkerung, der Stand der medizinischen Wissenschaft aber auch die Verteilung und die Mobilität der Bevölkerung noch ganz anders waren als heute.

De facto: Wir müssen handeln. Das ist unter den meisten Beteiligten bekannt, aber aufgrund von regional- und verbandspolitischen Aspekten ist es eben nicht immer ganz einfach, vor Ort Anpassungen durchzuführen. Hier muss die Bundes- und Landespolitik den regional Verantwortlichen helfen und klare Rahmenbedingungen sowie Vorgaben setzen. Auch können wir Bürger durchaus von der Politik verlangen, neutral über die regionale Versorgungslage aufgeklärt zu werden, um dann mit konkreten Lösungsoptionen konfrontiert zu werden. Auch Lösungen mit neuen, digitalen Technologien sind hier zentral.

Wenn wir hier nicht zügig durch eigene Lösungen vorankommen, laufen wir Gefahr, dass wir zum einen den Anschluss verpassen und uns zum andren von rein renditegetriebenen Lösungen internationaler Konzerne abhängig machen, was nicht unser Ziel sein kann. Auch ein Vergütungssystem wie das DRG-System, welches derzeit noch weiter zu gestalterischen Unfähigkeit umgebaut wird, konnte und kann das Ziel der Strukturbereinigung nicht erfüllten. Populismus hilft keinem weiter und ist gerade in einem so wichtigen Bereich wie in der Gesundheitsversorgung nicht geboten. 

Das Gesundheitssystem kein Selbstzweck, sondern muss ausschließlich die Versorgung der Bevölkerung im Mittelpunkt haben. Regionale Wirtschaftspolitik zu betreiben ist sicherlich auch berechtigt, doch muss dies im Rahmen der Raumordnung und der Landesentwicklung über Steuermittel erfolgen und nicht über zweckentfremdete Mittel der Versichertengemeinschaft. Diese Aspekte dürfen hier keine Rolle spielen. Es geht allein um die bedarfsgerechte, sektorenübergreifende Versorgung der Bevölkerung. Darüber diskutieren wir nun seit mehr als 30 Jahren und kamen dennoch nur wenige Schritte voran. Im Bereich der Notfallversorgung soll so etwas nun gelingen, beispielsweise durch Integrierte Notfallzentren

So blicken wir nun nach vorne: Das neue Jahr ist noch jung, viele Reformgesetze sind gemacht und Diskussion geführt. Jetzt muss es an die Umsetzung gehen, getreu nach dem Motto des römischen Philosophen Lucius Annaeus Seneca: „Es ist nicht zu wenig Zeit, die wir haben, sondern es ist zu viel Zeit, die wir nicht nutzen.“

Autor

Prof. Dr. Andreas Beivers

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