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Orientierungswert KW 07/2017

Bitte keine halben Sachen bei der Reform der Pflegeberufe

Bitte keine halben Sachen bei der Reform der Pflegeberufe

  • Orientierungswerte
  • 06.02.2017

Thomas Bublitz

Die Diskussion um die generalistische Pflegeausbildung hat nach Auffassung von Gernot Kiefer, Vorstandsmitglied des GKV-Spitzenverbandes „inzwischen Züge eines Glaubenskriegs angenommen". Er führt einem viel beachteten Interview in der Berliner Zeitung Anfang des neuen Jahres zu Recht aus, „dass wir ja gar nicht wissen, welche Ausbildungsform die bessere ist. Wir sollten daher den Test in der Wirklichkeit machen und eine Zeit lang mehrere Ausbildungswege zulassen. Der Weg, der für die Auszubildenden und die Pflegeeinrichtungen geeigneter ist, wird sich am Ende durchsetzen. Mit diesem Vorschlag könnte man in der Sache etwas bewegen, ohne sich weiterhin rituell zu verbeißen".

Diese bedachten Worte von Herrn Kiefer zeigen das Dilemma mit der Reform des Pflegeberufegesetzes. Die Vorteile der Generalistik sollen ein besserer Durchstieg von der Altenpflege in die Krankenpflege, ein europarechtskonformer Berufsabschluss und ein besseres Image des Pflegeberufes bei den jungen Menschen sein. Sicher gibt es noch viele weitere Vorteile, die dringend hier hätten genannt werden müssen.

Mich bewegen bei der Diskussion aber andere Fragen: Wie qualifiziert werden die Pflegefachkräfte am Ende einer generalistischen Ausbildung für ihre Aufgaben in Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken sein? Kranke Menschen im Krankenhaus haben sicher andere pflegerische Bedarfe, wie überwiegend ältere Menschen, die im Pflegeheim leben. Wird die Reform Pflegeberufe auch den Patientenbedürfnissen gerecht? Und ich frage mich auch, wie die Reform die sich verändernde Patientenversorgung in den Kliniken berücksichtigen kann. Werden wir nicht im Zuge der stetig steigenden Zahl älterer Patienten, eines beschleunigten medizinischen Fortschritts und des schon jetzt erkennbaren Fachkräftemangels über neue Formen der Zusammenarbeit in der Patientenversorgung nachdenken müssen? Eine echte Reform wäre es, wenn es uns gelänge, zusätzlich das Thema der Substitution ärztlicher Tätigkeiten weiter zu entwickeln. Auch die berufsrechtliche Verankerung neuer Berufsbilder, wie Operationstechnische oder Chirurgische Assistenten und Anästhesieassistenten, die in vielen Krankenhäusern heute nicht mehr wegzudenken sind, sollten endlich gesetzlich geregelt werden.

Natürlich will und kann ich keinem der Beteiligten die Absicht zu einem Schnellschuss in Sachen Reform der Pflegeberufe unterstellen. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass eine echte Reform wichtiger wäre, als die umstrittene Verabschiedung fristgerecht in dieser Legislaturperiode.

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