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Orientierungswert KW 05/2017

Ökonomisierung ist eine gesellschaftliche Fragestellung

Ökonomisierung ist eine gesellschaftliche Fragestellung

  • Orientierungswerte
  • 30.01.2017

Kurz vor Weihnachten gab es noch einmal ein richtiges Geschenk für die Branche. Der „Spiegel" berichtete über die Zustände in einer deutschen Privatklinik und wies auf vermeintliche Fehlentwicklungen in der ganzen Branche hin. Privatisierung und der Hang zur Wirtschaftlichkeit wurden in dem Artikel angeprangert. Gerne kurz zusammengefasst unter dem Namen „Ökonomisierung". Doch genau wie das Sprichwort sagt: Wer mit dem Finger auf einen anderen zeigt, auf den deuten selbst vier Finger der eigenen Hand.

Beispielhaft wurde die Schließung von Abteilungen aufgrund eines zu niedrigen Case Mix Index bei einer privaten Kette dargestellt. Aber ist das wirklich das Phänomen eines Einzelfalls? Sicher nicht. Die Steuerung der Kliniken folgt der vorgegebenen Logik des Systems: „Das Geld folgt der Leistung."

Dieses Logik ergibt sich nun wieder aus einem anderen Ansatz: Was ist die Gesellschaft bereit für Gesundheitsleistungen zu bezahlen? Diese Mittel scheinen in Moment nicht so streng limitiert wie zu Beginn des Jahrtausends. Aber: Die „Kostendämpfung im Gesundheitswesen" wird sicherlich wieder auf die Tagesordnung kommen, wenn die wirtschaftliche Entwicklung abflaut. Der Ruf nach der Entlastung des Faktors „Arbeit" wird dann wieder laut werden.

Ökonomisierung darf mit Sicherheit nicht Selbstzweck sein. Die Diskussion, wofür - vermeintliche - „Gewinne" aus dem Betrieb von Krankenhäusern verwendet werden, muss geführt werden. Genauso ist aber sicher: Die Ökonomisierung kann helfen, eben durch die Umsetzung von wirtschaftlichen Prinzipien, Verschwendung zu vermeiden und damit Ressourcen zu schonen und vielleicht auch Abläufe zum Wohle der Patienten effizienter zu machen.

Einseitige Kritik an Betreibern von Krankenhäusern, egal in welcher Trägerschaft, greift viel zu kurz. Oft stehen sie nämlich am Ende der „Nahrungskette" und versuchen – Auswüchse nicht ausgeschlossen - den mangelnden politischen und gesellschaftlichen Willen wie etwa bei der Investitionsfinanzierung mit den ihnen gegebenen Möglichkein auszugleichen. Das Gute an dem Weckruf des "Spiegel": Wir alle müssten gesellschaftlich die Frage stellen, welche Gesundheitsversorgung wollen wir und was sind wir bereit dafür zu investieren?

Übrigens: Dies wird am Ende des Artikels auch sachlich aufgeworfen und diskutiert. Fraglich ist allerdings ob jeder Leser in dem Heft überhaupt so weit gekommen ist.

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