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Orientierungswert KW 03/2017

Kennen Sie den Arbeitsvertragsarzt?

Kennen Sie den Arbeitsvertragsarzt?

  • Orientierungswerte
  • 16.01.2017

Susanne Müller, Geschäftsführerin BMVZ

Am Anfang war das Wort, und in der Politik auch in der Mitte und am Ende. Wo für den Normalbürger zumeist die Sprache, wie ein Werkzeug, einfach da ist und deshalb oft unreflektiert genutzt wird, gilt für alle in der Politik Tätigen, dass Worte häufig intentional gewählt und eingesetzt werden. Nicht immer direkt als Waffe - aber stets und bewusst wie ein bespielbares Instrument. Die anhaltende Debatte um die Freiberuflichkeit der ärztlichen Tätigkeit ist dafür ein gutes Beispiel.

Aufreger sind die angestellten Ärzte, die mit rasanter Dynamik das traditionelle Berufsbild des selbständig niedergelassenen Mediziners in Frage stellen. Wesentlicher Kern der ärztlichen Freiberuflichkeit sind die Unabhängigkeit der medizinischen Behandlung sowie - steuerrechtlich - die Nicht-Gewerblichkeit der auf Heilung gerichteten Tätigkeit. Beides gilt für niedergelassene und angestellte Ärzte gleichermaßen. Dennoch wird immer wieder der Begriff freiberuflich gezielt irreführend mit dem Attribut der Selbständigkeit verbunden. Angestellte Ärzte werden in diesem Sinne gegenüber den "freien Ärzten" – ein ganz bewusst falsche Assoziationen weckender Wortgebrauch - häufig als Mediziner zweiter Klasse dargestellt.

Sprachlich eine leichte Übung, freiberuflich und angestellt als Gegensatzpaar zu inszenieren - dennoch verkehrt und diskreditierend für all die hochengagierten angestellten Ärzte in Praxen, MVZ und Krankenhaus. Nicht umsonst hat der Ärztetag vom Mai 2015 die Forderung beschlossen, „die teilweise missbräuchliche Verwendung des Begriffs Freiberuflichkeit' (…) innerhalb der jeweiligen Organisation zu verhindern und in der Kommunikation nach außen künftig zu unterlassen."

Nach George Orwell – und es spricht Einiges dafür, dass er hierin Recht hat – lässt sich über Sprache, in ihrer Funktion als unmittelbare Wirklichkeit der Gedanken, das Denken leiten. So betrachtet ist es einen Versuch wert, andere Worte zu finden, die – statt bewusst Bedeutungen zu verschleiern – auf das Gegenteil hinwirken.

In diesem Sinne: Kennen Sie schon den ArbeitsVertragsarzt? Es ist der fachlich gleichqualifizierte und in der Patientenbehandlung gleichbe-rechtigte Kollege des Vertragsarztes. Beide haben dieselbe Ausbildung und tun im freien Beruf  "Arzt" im Wesentlichen dasselbe. Verschieden ist allein der arbeitsrechtliche Status – die Einen haben einen Arbeitgeber, die Anderen sind welche.

Vielleicht lässt sich damit der wenig zielführenden Streitinszenierung um die "Freiberuflichkeit'" sprachlich und inhaltlich ein Ende setzen. Lassen Sie sich Klang und Bedeutungsgehalt des "ArbeitsVertragsarztes" einmal auf der Zunge zergehen!

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