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Orientierungswert KW 49/2016

Ist die Reform noch zu retten?

Ist die Reform noch zu retten?

  • Orientierungswerte
  • 12.12.2016

Die mit dem Pflegeberufereformgesetz geplante Einführung einer umfänglichen, generalistischen Pflegeausbildung und eines akademischen Ausbildungszweigs ist im ausgehenden Jahr in weite Ferne gerückt. Die Reform ist zu einem Zankapfel geworden und es besteht die Gefahr, dass dieser an die nächste Regierung weitergereicht wird. Zu groß waren offensichtlich die Vorbehalte gegen diesen zugegebenermaßen riesigen Schritt hin zu einem völlig neuen Pflegeberufsbild, das die Alten-, die Kranken- und die Kinderkrankenpflege in einem Ausbildungszweig einen sollte. Bis heute konnte sich die Regierungskoalition keinen Ruck geben und die Reform auf den Weg bringen, obwohl das Bundesgesundheitsministerium den gemeinsam mit dem Bundesfamilienministerium auf den Weg gebrachten Gesetzesentwurf offensiv unterstützt und aktiv für die Reform eintritt. Heillos zerfranst ist die Diskussion zwischen Befürwortern und erbitterten Gegnern, die zuvorderst aus der privaten Altenpflege stammen und höhere Löhne für ihre Auszubildenden fürchten.

Das nun in Regierungskreisen diskutierte Modell, eine zweijährige gemeinsame Ausbildung, die dann mit einer Zwischenprüfung enden kann und im dritten Jahr eine Spezifizierung in einem der drei Bereiche vorsieht, droht zu einer Mogelpackung zu werden, die nicht mehr enthält was sie verspricht.

Das Ziel, sich angesichts von bereits im Jahr 2016 fehlenden 40.000 Pflegekräften einer drängenden Zukunftsfrage zu stellen und offensiv nach Lösungen zu suchen, ist nicht erreicht worden. Die Reform auf die lange Bank zu schieben bedeutet unter anderem, die Leistungen der Altenpfleger weiterhin nicht angemessen zu entlohnen. Unser Kernargument für die generalistische Pflegeausbildung ist, dass der Pflegeberuf damit insgesamt durchlässiger und attraktiver gestaltet werden kann. Auch der sich verändernde Bedarf in den Krankenhäusern und Altenheimen spielt eine große Rolle: Schon heute sind viele betagte hilfsbedürftige Menschen häufig multimorbide und demenziell beeinträchtigt, entsprechend interdisziplinär müssen die Pflegekräfte geschult und ausgebildet sein. Ein neues Denken sollte Einzug halten statt auf einem Status Quo zu beharren.

Dass man dieses gemeinsame Ziel nun aus den Augen verloren und Partikularinteressen geopfert hat, ist nicht verständlich.  Die aktuell diskutierte Lösung enthält nur noch einen Bruchteil dessen, was wir als Katholischer Krankenhausverband gemeinsam mit den kirchlichen Wohlfahrtsverbänden Caritas und Diakonie und all ihren Fachverbänden mit auf den Weg gebracht haben und was sich in lange erprobten Modellversuchen als Mittel gegen den gravierenden Mangel an Pflegenden angesichts einer älter werdenden Gesellschaft herausgestellt hat. All diese fachlichen Argumente sind längst ausgetauscht, leider ohne adäquaten Widerhall, denn die aktuellen Diskussionen setzen mittlerweile wieder bei Adam und Eva an. Vor allem die Betroffenen selbst – junge Auszubildende, die für den Beruf geeignet sind und sich für die Pflege interessieren – werden nun verunsichert, da man die Beweggründe privater Pflegeanbietern über die berufliche Zukunft von jungen motivierten Leuten gestellt hat. In ein paar Jahren wird diese Fehlentscheidung der Pflegepolitik noch härter auf die Füße fallen.

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