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Orientierungswert KW 47/2016

Wie viele Krankenhäuser braucht das Land?

Wie viele Krankenhäuser braucht das Land?

  • Orientierungswerte
  • 05.12.2016

Rudolf Henke

In den vergangenen 20 Jahren sind rund 110.000 Betten abgebaut worden. Gleichzeitig ist die Zahl der stationär behandelten Patienten von rund 16 Millionen auf mehr als 19 Millionen gestiegen. Trotzdem wird in aller Regelmäßigkeit behauptet, Deutschland habe zu viele Krankenhäuser. Wie viele zu viel sein sollen, weiß keiner so genau. Jedes zweite, jedes dritte oder jedes siebente? Per Gesetz ist die bedarfsgerechte Krankenhausbedarfsplanung ja Sache der Länder.

Seit geraumer Zeit bieten sich zur Bedarfsermittlung aber zunehmend selbsternannte Helfer an. Hierzu trägt auch die Debatte über das Instrumentarium des Strukturfonds oder die qualitätsorientierte Weiterentwicklung der Krankenhausplanung bei. Einig sind sich diese Helfer darin, dass eine Flurbereinigung erforderlich ist. Die angebotenen Methoden und Ergebnisse sind allerdings unterschiedlich und undifferenziert, wie aktuelle Beispiele zeigen: Der GKV-Spitzenverband bietet mit seinem Kliniksimulator die Möglichkeit festzustellen, wie weit es von den verschiedenen Orten Deutschlands zum jeweils nächstgelegenen Krankenhaus der Grundversorgung ist.

Anhand der Simulation ließe sich zeigen, dass innerhalb von 30 Minuten ein Grundversorger mit dem PKW erreichbar wäre – und zwar auch dann, wenn eine dreistellige Zahl von Krankenhäusern geschlossen würde. Die KBV ist der Auffassung, dass ein Viertel aller Krankenhäuser nicht bedarfsgerecht wäre und die entsprechende Patientenzahl im vertragsärztlichen Bereich zusätzlich behandelt werden könnte.

Das radikalste Konzept lieferte jetzt die Nationale Akademie der Wissenschaften (Leopoldina). An die Stelle von derzeit mehr als 1600 allgemeinen Krankenhäusern könnten rund 330 Großkliniken treten, lautet eine am dänischen Beispiel entwickelte These. Die Umsetzung derart provokanter Planspiele würde zu einem Kahlschlag in der Krankenhauslandschaft führen, der mit Daseinsvorsorge und bedarfsgerechter Planung nichts mehr gemein hat. Jüngste Untersuchungen wie der "Health Care Indicator 2016" (Deloitte) zeichnen zudem ein ganz anderes Bild. Danach scheinen wir perspektivisch eher mehr Kapazitäten zu benötigen.

Nach einem Kahlschlag bedeutet das eine kostenintensive Aufforstung. Das kann nicht das Ziel von Versorgung sein. Deshalb halte ich es mit der Zuversicht der DKG, dass „die Weiterentwicklung und Konsolidierung von Krankenhausstrukturen auch in Zukunft von Menschen mit persönlichem Einschätzungsvermögen und Verantwortung gemacht wird".

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