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Orientierungswert KW 32/2016

Raus aus dem Schatten

Raus aus dem Schatten

  • Orientierungswerte
  • 08.08.2016

Die Politik vernachlässigt die Rehabilitation. Angesichts der vielen gesundheitspolitischen Gesetzgebungsverfahren ist endlich auch ein gesundheitspolitischer Diskurs über das Potenzial und die medizinische Substanz der Reha notwendig. Dies betrifft in erster Linie den Zugang zur Rehabilitation und deren leistungsgerechte Vergütung.

In beiden Fällen ist die Problemlage hinreichend ergründet. Zunächst der Zugang: Er leidet bislang unter einem Mangel an objektiven Kriterien des Begriffs der Bedarfsgerechtigkeit, nach der jeder Versicherte qualitativ wie quantitativ diejenige Gesundheitsversorgung erhalten soll, die seinem Bedarf entspricht. Ist der Bedarf eindeutig identifiziert, erleben die Leistungserbringer nicht selten Überraschungen. So koppeln die Krankenkassen die Ausübung des vom Gesetzgeber gestärkten Wunsch- und Wahlrechts der Versicherten an die Erhebung von Mehrkosten. Auch kommt es vor, dass sie lediglich eine begrenzte Kostenerstattung für Reha-Leistungen anbieten. Hier besteht Handlungsbedarf für den Gesetzgeber.

Sodann die leistungsgerechte Vergütung: Die Forderung nach einer sachgerechten Leistungsvergütung gründet sich auf verschiedene Fakten, die der Bundesverband Deutscher Privatkliniken (BDPK) schon seit längerer Zeit kritisiert. Das Rehabudget ist schon heute nicht bedarfsgerecht und in Anbetracht immer aufwendiger Leistungen dürfte sich die Situation eher weiter verschlechtern. Ohnehin sind die Pflegesätze traditionell niedriger als in Akut-Krankenhäusern. Aussicht auf Besserung ist angesichts des Preisdiktats der Kassen nicht gegeben. .Der Schlüssel liegt eindeutig beim Gesetzgeber, doch auch der bürdet den Reha-Kliniken eher neue Lasten auf, die nicht gegenfinanziert sind. Ein Beispiel: Die Erfüllung von Anforderungen im Bereich Hygiene wird zwar erwartet, aber in den Vergütungsvereinbarungen nicht berücksichtigt. Im Übrigen gilt das im Krankenhausstrukturgesetz beschlossene Hygieneförderungsprogramm wieder einmal nicht für Reha-Kliniken.

Reha-Einrichtungen übernehmen eine Schlüsselrolle in der Versorgung kranker Menschen bei der Wiedereingliederung in das Erwerbsleben und der Verhinderung von Pflegebedürftigkeit. Der gesellschaftliche Nutzen dieser Arbeit ist unmittelbar zu erkennen. Auf der gesundheitspolitischen Reformagenda findet dies allerdings keinen Niederschlag. Vermutlich schafft ein stärkeres Bewusstsein für die Leistungen der Reha die Voraussetzung für eine gerechtere, an der konkreten Leistungserbringung orientierten Vergütung. Damit wird ein bedarfsgerechter Zugang zur Reha (frühzeitig, niederschwellig und indikationsspezifisch) wenigstens wahrscheinlicher. An alle Leistungserbringer im Feld der Reha ergeht daher der Appell, die Akzeptanz der Reha, ihre Bedeutung und ihre Qualitätsentwicklung zu kommunizieren, die Leistungen selbstbewusster als gleichwertig neben oder in Ergänzung zur akuten Krankenbehandlung darzustellen.

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