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Orientierungswert KW 28/2016

Mehr Freiheit wagen

Mehr Freiheit wagen

  • Orientierungswerte
  • 11.07.2016

Boris Augurzky Geschäftsführer der Institute for Health Care Business GmbH Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (RWI)

Das Gesundheitswesen ist geprägt durch eine immense Regulierungsdichte. Ein Grund dafür ist die erhebliche Informationsasymmetrie. Denn der Leistungserbringer als Anbieter von Gesundheitsleistungen hat einen deutlichen Informationsvorsprung gegenüber dem Patienten als Nachfrager. Ein weiterer Grund für Regulierung ist die Notwendigkeit zur Daseinsvorsorge: Gesundheitsleistungen sollen flächendeckend für alle Bürger in vernünftiger Qualität erreichbar sein. Ein dritter Grund ist der Sozialausgleich in der Krankenversicherung: Jeder Bürger soll unabhängig von seinem Einkommen, Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen können. Aufgrund des vollständigen Versicherungsschutzes jedes Bürgers entfällt außerdem die Preissensibilität der Nachfrage, was wiederum eine Preisregulierung erforderlich macht. Kurz: Berechtigte Gründe für Regulierung gibt es genug.

Gleichwohl gibt es auch nicht berechtigte Gründe. So zum Beispiel das Fernbehandlungsverbot. Es dient dem Schutz von bestehenden Leistungserbringern vor Innovatoren, die mit Hilfe digitaler Angebote einen Teil der Nachfrage auf sich ziehen könnten. Erstaunlicherweise werden die Nachfrager dabei gar nicht gefragt. Denn einem Teil der Patienten würde eine Fernbehandlung entgegen kommen. Derzeit werden jedoch alle Patienten gezwungen, ihre Zeit zu opfern, um einen Arzt persönlich aufzusuchen, obgleich es in einigen Fällen auch viel zeitsparender über einen Fernkontakt ginge. Ein anderes Beispiel ist das Verbot, mehr als drei Apotheken besitzen zu dürfen. Auch hierbei geht es um den Schutz bestehender Anbieter. Verboten sind außerdem viele sektorenübergreifende Angebote – ganz gleich, ob Patienten solche gerne hätten oder nicht. Diskutiert wird derzeit etwa die stärkere Regulierung des Personaleinsatzes in Krankenhäusern. Vom Patienten her gedacht wäre es aber vielmehr nötig, einen genauen Blick auf die erbrachte Leistung zu werfen, d.h. Transparenz zu schaffen statt die Art der Leistungserbringung zu regulieren.

Es ist an der Zeit, bestehende oder geplante Regulierungen konsequent nach ihrem Patientennutzen einerseits und ihren Kosten für die Beitragszahler andererseits zu hinterfragen – also eine Gesundheitsreform, die zum Ziel hat, die Zahl der Paragrafen zu reduzieren statt sie auszuweiten. 

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