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Orientierungswert KW 25/2016

Technik dient dem Menschen

Technik dient dem Menschen

  • Orientierungswerte
  • 20.06.2016

Rudolf Henke

Die Digitalisierung der Arbeitswelt gewinnt immer mehr an Dynamik. Ein Forschungsteam des Instituts Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule versucht derzeit mit Hilfe einer umfangreichen Online-Befragung unter den Krankenhausbeschäftigten herauszufinden, wie sich Arbeitsplätze und Arbeitsprozesse in deutschen Krankenhäusern durch die digitale Technik verändern werden. Die Ergebnisse der Befragung sollen Aufschluss darüber geben, welche Chancen und Risiken die Beschäftigten in der zunehmenden Digitalisierung sehen.

Die Vorteile eines schnellen Zugriffs auf Informationen sowohl im medizinischen Bereich als auch in der Verwaltung liegen auf der Hand. Die Risiken des digitalen Datenaustauschs liegen aber ebenso offen zutage. Nicht erst seit den jüngsten Berichten über Cyberattacken auf Krankenhäuser wissen wir, dass der zunehmende Einsatz von digitaler Technik besondere Schutzmaßnahmen verlangt. Patientendaten dürfen nicht schlechter geschützt sein als Kontodaten zu Zeiten eines verlässlichen Bankgeheimnisses. Daran dürfen wir keine Abstriche zulassen.

Mit der Digitalisierung geht aber auch ein grundsätzliches Problem einher, das alle Lebensbereiche betrifft: Wir verlassen uns bei der Beurteilung und Bewertung von Sachverhalten immer stärker auf Maschinen und laufen Gefahr, unser eigenes Erfahrungswissen, unsere eigene spezifisch ärztliche Expertise hintanzustellen. Ich glaube, die „Choosing Wisely"-Bewegung aus den USA erfährt bei uns auch deshalb zunehmend Resonanz, weil wir spüren, dass der oftmals übertriebene Einsatz von Technik ärztliche Grundeigenschaften immer mehr zurückdrängt.

Ein Beispiel: Ein älterer internistischer Kollege berichtete mir kürzlich über komplett missratene Arztbriefe aus Krankenhäusern, die sich auf Behandlungen einiger Bekannter bezogen haben. Da habe es an jeder Begründung der Diagnosen gefehlt, eine differentialdiagnostische Erörterung sei komplett unterblieben, pathologische Laborbefunde seien zwar in seitenlangen Ausdrucken enthalten gewesen, aber weder zitiert noch erörtert worden.

Natürlich habe ich gar keine Daten, wie typisch solche Einzelbeobachtungen sind, und ich kann viele glanzvolle Gegenbeispiele anführen. Nachdenklich bin ich trotzdem geworden. Vielleicht sollten wir dieses Nachdenken auch auf andere Aspekte des ärztlichen Alltags erweitern, etwa das Verhältnis von Anamnese, physikalischer Krankenuntersuchung und technischem Zusatzaufwand. Auch die Digitalisierung im Krankenhaus muss zuallererst den Menschen dienen – und nicht umgek

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