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Story der Woche: Neonatologie Deggendorf

Klinik meistert Babyboom in der Pflege

Klinik meistert Babyboom in der Pflege

  • News des Tages
  • 13.04.2017

Alle Jahre wieder hoppelt der Osterhase durch die Lande und erfreut insbesondere Kinder mit seinen Ostereiern und Geschenken. Der Hase gilt in vielen Kulturen als ein Symbol von Fruchtbarkeit und Geburt, die gleiche symbolhafte Funktion wird übrigens auch Eiern zugeschrieben.

Besonders aktiv muss er in den vergangenen 16 Monaten in Niederbayern und der Oberpfalz gewesen sein und reichlich Eier verteilt haben, aus denen nun neues Leben schlüpft. So berichtet der Bayerische Rundfunk zuletzt von einem regelrechten Babyboom.

Mittendrin das DonauIsar-Klinikum.76 der dort tätigen Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen sind schwanger oder haben vor Kurzem entbunden. Von den 850 Pflegekräften des kommunalen Unternehmen sind rund 750 Frauen. Im Ergebnis fiel und fällt also jede zehnte Pflegerin des DonauIsar-Klinikumsvorübergehend aus. Das betrifft auch jene Fachkräfte, die selbst beruflich mit Kindern zu tun haben wie in der Deggendorfer Neonatologie. Jährlich erblicken dort rund 1.700 Kinder das Licht der Welt. Genau dieser Standort darf sich unter den eigenen Beschäftigten nun „über den größten Kindersegen freuen“, sagt Klinikums-Vorstand Dr. Inge Wolff auf Anfrage von Bibliomedmanager.

Die Meldung über die hohe Zahl an Schwangerschaften machte im Web schnell die Runde und sorgte für reichlich Spekulationen mit einem Augenzwinkern. Das Klinikum erklärte sich offiziell erfreut natürlich über den Kindersegen, war jedoch nur auf 50 schwangere Mitarbeiter vorbereitet gewesen. „Die Häufung in bestimmten Bereichen und die Leistungssteigerung erforderten mehr Personalkapazitäten. Hier haben wir versucht, vor allem zwischen den Standorten und den unterschiedlich betroffenen Bereichen auszugleichen und natürlich zusätzliches Personal zu finden. Die Größe des Unternehmens hat uns hierbei sehr geholfen. Wir sind natürlich auch allen unseren Mitarbeitern dankbar, die die bisherige Durststrecke überbrückten“, erklärt Wolff.

Vorgaben erfüllen

Dennoch sei es „extrem schwierig, die rechtlichen Vorgaben zu erfüllen“, so Wolff weiter. Gemeint sind die neuen Personalanforderungen, die der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) Ende 2016 für Perinatalzentren und insbesondere neonatologische Intensivstationen beschlossen hat. Dort muss seit  1. Januar 2017 „jederzeit mindestens eine Kinderkrankenpflegerin oder -krankenpfleger je intensivtherapiepflichtigem Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht von unter 1500 Gramm verfügbar sein, bei der Intensivüberwachung gilt ein Schlüssel von eins zu zwei. 40 beziehungsweise 30 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Pflegedienstes müssen außerdem eine Fachweiterbildung im Bereich ,Pädiatrische Intensivpflege‘ abgeschlossen haben“, sagte Dr. Regina Klakow-Franck, unparteiisches Mitglied im G-BA und Vorsitzende des Unterausschusses Qualitätssicherung im Dezember. Diese Vorgaben gelten zunächst als Übergangsregelung, das heißt, Perinatalzentren, die diese verpflichtenden Vorgaben nicht unmittelbar erfüllen können, dürfen von diesen längstens bis zum 31. Dezember 2019 abweichen.

Neben der ungewöhnlich hohen Zahl an Mitarbeiterinnen in anderen Umständen hat das Klinikum auch noch einen weiteren Umstand zu meistern: Die drei Häuser versorgten im Verbund rund 1.000 Patienten mehr als noch im Jahr 2015, insgesamt rund 35.000 stationären Patienten. „Wir haben im Gesamtunternehmen eine deutliche Steigerung der Patientenzahlen erlebt. Hier kommen zwei Entwicklungen zusammen. Die neuen Fachgebiete und Chefärzte am Standort Dingolfing haben eine sehr positive und stabile Resonanz in der Bevölkerung erreicht. Zudem haben wir unsere Kompetenzen in Deggendorf durch die Bildung von Zentren mit überregionalem Einzugsgebiet ausgebaut“, sagt Klinikums-Chefin Wolff gegenüber Bibliomedmanager. Zu diesen Zentren zähle unter anderem eine überregionale Stroke Unit mit der Möglichkeit einer Rund-um-die Uhr Thrombektomie.

„Die sehr hohe Auslastung hält seit September 2016 an. Das trägt einen großen Teil zum gesteigerten Bedarf an Mitarbeitern bei. Denn wo Leistung ist, dürfen und müssen auch mehr Mitarbeiter eingesetzt werden“, so Wolff weiter.

Strategien gegen Engpässe

Um die vorhandenen Pflegekräfte von pflegefernen und pflegefremden Tätigkeiten zu entlasten, werden diese auf andere Berufsgruppen verlagert. Dazu Wolff: „Im tertiären Bereich verfügen wir schon länger über zum Beispiel Servicekräfte, Transportdienste, Versorgungsassistenzen oder Hostessen, die die Essenwünsche aufnehmen. Zudem haben wir auf jeder Station im Regeldienst eine Stationssekretärin eingesetzt, die die Organisation, Aktenführung und beispielsweise die Terminierungen übernimmt. Bei der Belegungssteuerung helfen sogenannte Funktionsassistenten.“

Daneben hat das DonauIsar-Klinikum den Stellenplan nach oben gesetzt. So waren im November 2016 drei Prozent mehr Mitarbeiter beschäftigt als ein Jahr zuvor. Aktuell sucht das Klinikum intensiv Kinderkrankenschwestern. „Wir erwägen aber auch eigene Qualifikationswege zusätzlich zu der Intensivfachweiterbildung, die wir seit Jahrzehnten anbieten“, erklärt die Klinikums-Chefin.

Beim Recruiting setzt der Kliniken-Verbund auf Zeitungsanzeigen und die vielfältigen Möglichkeiten in den sozialen Medien. „Die Direktansprache hat eine wichtige Rolle gespielt, auch das Werben der Teams selbst für neue Kollegen“, sagt Wolff. Unter anderem seien auch Prämien ausgelobt worden - sowohl für den Werber als auch für den Geworbenen. Das aktiviere die Mundpropaganda. Zudem kooperiert das Klinikum „mit Universitäten in Tschechien, wo die Ausbildung der Pflege bereits seit Längerem akademisiert ist“.

Rückkehr in den Beruf

Zusätzlich bietet das Unternehmen Modelle an, um den Frauen die Rückkehr aus der Elternzeit zu erleichtern. „Uns ist die Möglichkeit eines frühen ,familienfreundlichen‘ Wieder-Einstiegs aus Unternehmenssicht sehr wichtig. In einer Arbeitsgruppe mit Pflegekräften aus den unterschiedlichsten Bereichen sollen vielfältige Arbeitszeit- und Organisationsmodelle mit den Mitarbeitern gemeinsam erarbeitet werden“, so Wolff weiter. Das Klinikum setzt auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine Kinderkrippe mit zwölf Plätzen ist bereits vorhanden, die Voraussetzungen für eine zweite Gruppe werden derzeit geschaffen. „Schon jetzt existieren verschiedene Angebote – etwa der Einstieg mit einer reduzierten Stundenzahl und angepassten Arbeitszeiten. Kurz: unterschiedlichste Teilzeitkonzepte“, sagt die Klinikum-Chefin.

Bis es soweit ist, müssen erst noch einige der schwangeren Pflegerinnen entbinden – natürlich auch auf der Geburtsstation in Deggendorf. „Die Frauen wissen und kennen die gute Versorgung durch ihre Kollegen und Kolleginnen“, betont Wolff. Sie wünscht sich für die Zukunft eine Verbesserung des Images der Pflege. Die Tätigkeit verdiene große Wertschätzung. „Unsere Beschäftigten nehmen viel auf sich, um den Patienten zu helfen. Das speist sich aus einer inneren Berufung.“

Der Osterhase scheint seinen Expansionsstrategie indes weiter zu verfolgen. Denn die Geburtenrate ist in Deutschland zuletzt auf den höchsten Stand seit 33 Jahren gestiegen – auf 1,5 Kinder je Frau. Die deutschen Kliniken sollten sich wappnen.

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