799
Passwort vergessen

Artikeldetailseite (ohne Heftzuweisung)

Story der Woche: Investitionen der Länder

Investitionskönige im Norden und Südwesten

Investitionskönige im Norden und Südwesten

  • Analyse
  • 20.04.2017

Das Klinikum Bremen-Mitte mit der gut sichtbaren Baustelle des großen Teilersatzneubaus (TEN)

Das Geld fließt nicht, oder nur spärlich. Deutschlands Krankenhäuser haben ein Investitionsproblem. Eigentlich müssten die Bundesländer dafür sorgen, dass die Kliniken ausreichend Mittel erhalten, um nötige Investitionen zur Erhaltung der Substanz zu tätigen. Eigentlich. Denn wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) am Dienstag in einer Veröffentlichung zum wiederholten Male nachwies, reichen die bereit gestellten Mittel hinten und vorne nicht aus. Mit 2,8 Milliarden Euro förderten die 16 Landesregierungen im Jahr 2015 ihre Kliniken. Nötig sind aber sechs Milliarden Euro, sagt die DKG und verweist auf unterschiedliche Studien. Die Zahl bestreitet im Grunde niemand. Die Krankenhäuser sprechen von „einer Investitionslücke von über 100 Prozent“.

Doch nicht alle Länder sind gleich schlecht. Zu den Top Fünf gehören Bremen, Hamburg, Baden-Württemberg,  Hessen und Bayern. Sie schneiden im Ländervergleich nach allen Kriterien am besten ab. Am anderen Ende liegen die ostdeutschen Bundesländer, deren Fördersummen 2015 auf sehr niedrigem Niveau verharrten. In den Jahren nach der deutschen Einheit investierten die neuen Länder und Berlin kräftig in ihre Krankenhauslandschaft. Bezogen auf den Gesamtzeitraum 1991 bis 2015 floss im Osten mehr Geld pro Krankenhausbett in die Kliniken als in den West-Ländern, wie die DKG-Daten zeigen. Im gleichen Zeitraum ist Hamburg knapp vor Bayern das beste West-Land.

Das Schlusslicht steht im Westen, in Nordrhein-Westfalen (NRW), das in wenigen Wochen einen neuen Landtag wählt. Dort hat es das Thema Krankenhausfinanzierung zwar mittlerweile auch in die Wahlprogramme der Parteien geschafft. Das scheint aber auch bitter nötig, denn kumuliert investierte die Landesregierung in Düsseldorf in den Jahren seit der Einheit mit 117.085  Euro an Fördermitteln pro Krankenhausbett gerade mal rund Hälfte dessen was die West-Spitzenreiter Hamburg oder Bayern ausgaben.

Selbst bezogen auf das Jahr 2015 liegt NRW weit entfernt von einem Spitzenplatz im Bundesländer-Ranking.  Pro Einwohner gaben laut den DKG-Daten nur das Saarland, Berlin, Thüringen und Sachsen-Anhalt zuletzt weniger für Krankenhausinvestitionen aus als NRW. 

Wie man auch rechnet - die Nordstädte und der Süden belegen 2015 die fünf vordersten Plätze. Einzig die Reihenfolge an der Spitze ist je nach Rechenart unterschiedlich. Bei den Pro-Kopf-Ausgaben liegt Bremen vorn, bei der Berechnung pro Krankenhausbett hingegen Baden-Württemberg, das auch bei den Investitionen pro stationärem Behandlungsfall vorne liegt.

Gemessen am Investitionsbedarf in den Ländern, der Wert, den auch die Krankenhausgesellschaften immer wieder für ihre Argumentation heranziehen, lagen die beiden Hansestädte Bremen und Hamburg mit jeweils rund 79 und 70 Prozent Erfüllungsquote deutlich vor allen anderen Bundesländern. Dahinter deckten Baden-Württemberg, Hessen und Bayern 2015 gerade mal etwas über die Hälfte des Bedarfs an Investitionsmitteln. Neben diesen Top Fünf knackte kein anderes Bundesland die 50-Prozent-Marke bei der Erfüllungsquote.

Ausgangsbasis für die Berechnung der Erfüllungsquote ist der unter anderem von der DKG ermittelte jährliche Gesamtinvestitionsbedarf von sechs Milliarden Euro für ganz Deutschland. Bremens Anteil an der bundesdeutschen Bevölkerung beträgt 0,8 Prozent. Dies entspricht einem theoretischen Investitionsbedarf von 49 Millionen Euro. 

Tatsächlich hat Bremen 2015 laut DKG 38,8 Millionen Euro bereitgestellt und erreicht damit eine Erfüllungsquote von 79,2 Prozent. Kämen alle Bundesländer auf eine solche Quote, flössen pro Jahr 4,8 Milliarden Euro an öffentlichen Investitionsmitteln in Deutschlands Kliniken, zwei Milliarden mehr als bisher, nimmt man die DKG-Daten 2015 als Basis für diese Rechnung.

 

Bremen hat auch deshalb einen hohen Investitionsbedarf, weil der Stadtstaat das zu Niedersachsen gehörende Umland mitversorgt. Patienten strömen aus ländlichen Gebieten in die Metropole an der Weser. Die DKG hat diesen Aspekt in einer eigenen Abbildung mitberücksichtigt. Ergebnis: Unter Einbeziehung der Umlandversorgung erreicht Bremen nur noch eine Investitionsförderung in Höhe von knapp 40 Euro pro zu versorgendem Einwohner im Einzugsgebiet, und nicht mehr den zunächst errechneten Spitzenwert von 57,81 Euro. Doch selbst damit würde Bremen noch deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegen. Einzig Hessen und Brandenburg investieren pro Einwohner inklusive der Patienten aus dem Umland mehr als 40 Euro pro Jahr. Und Bremen erreicht laut DKG noch einen anderen Spitzenwert: In keinem anderen Bundesland können die Patienten das Krankenhaus wieder so schnell verlassen wie in der Hansestadt. Die durchschnittliche Verweildauer beträgt nur 6,9 Tage. Im Bundesschnitt liegt sie bei 7,3 Tagen und in Brandenburg gar bei 7,9 Tagen.

Niedrigste Verweildauer, hohe Investitionen pro Kopf der Bevölkerung – erstaunlich, dass Bremen trotz dieser Spitzenplätze bei den Investitionen pro Bett etwas nach hinten rutscht. Die Erklärung: Der Stadtstaat weist für 2015 zugleich die höchste Bettendichte im Länder-Ranking aus. Pro 10.000 Einwohner finden sich dort 76,1 Betten. Im Bundesdurchschnitt kommen die Länder dagegen mit nur 61,1 Betten aus. Das führt auch dazu, dass Bremen bei der Auslastung nicht ganz vorne landet. Im Schnitt waren dort die Krankenhausbetten zu 78,5 Prozent belegt, leicht besser als im Bundesdurchschnitt (77,5 Prozent), aber deutlich unter dem Wert der Spitzenreiter Saarland (85,8 Prozent), Berlin (84 Prozent) und Hamburg (83,7 Prozent). Mit einem leichten Bettenabbau könnte sich Bremen folglich auch in punkto Investitionsmittel pro Bett ins Spitzentrio der Länder vorarbeiten, ohne – zumindest gemessen anhand der Daten – Konsequenzen für die Versorgung. Das kleinste Bundesland würde dann endgültig Investitionskönig in Deutschland.

 

 

Autor

Kontakt zum Kundenservice

Rufen Sie an: 0 56 61 / 73 44-0
Mo - Fr 08:00 bis 17:00 Uhr

Senden Sie uns eine E-Mail:
info@bibliomedmanager.de

Häufige Fragen und Antworten finden Sie im Hilfe-Bereich