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Serie zur Bundestagswahl – Teil 2: CDU/CSU

Sektorenübergreifend planen

Sektorenübergreifend planen

  • News des Tages
  • 01.08.2017

Weltweit anerkannt hat Deutschland ein sehr leistungsstarkes Gesundheitssystem. Wir haben uns einen hohen Standard erarbeitet und uns auch daran gewöhnt. Allen steht ein flächendeckendes Netz von Krankenhäusern offen. Es gibt in der medizinischen Versorgung kaum Zugangshürden. Jeder ist versichert und bekommt die Leistungen, die aus medizinischer Sicht notwendig sind. Der Gesundheitsbereich ist ein sehr großer Arbeitgeber, denn hier arbeiten rund sieben Millionen Menschen. Es sind zumeist wohnortnahe Arbeitsplätze, die kaum in das Ausland verlagert werden. Gleichwohl liegt die Exportquote der Gesundheitswirtschaft bei rund acht Prozent, denn viele hergestellte Produkte und entwickelte Versorgungssysteme werden gern im Ausland genutzt. Zwölf Prozent des Bruttoinlandprodukts kommen als Wertschöpfung aus dem Gesundheitsbereich. Und Krankenhäuser tragen dazu einen wesentlichen Beitrag bei.

Seit 2013 arbeiten deutsche Krankenhäuser nach dem Fallpauschalensystem. Hierüber werden alle Personal- und Sachkosten abgedeckt. Nicht die Liegezeit eines Patienten ist entscheidend, sondern die Behandlung. Nicht die Quantität sollte künftig als Messbasis gelten, vielmehr die in Standards eingebettete Qualität. Diese Bundesvorgabe wird ergänzt durch die Verantwortlichkeit der Länder für die investiven Kosten. Die Wirklichkeit zeigt aber, dass die bereitgestellten Investitionskosten der Länder bei Weitem nach wie vor nicht ausreichend sind. Deshalb rekrutieren Krankenhausträger weiter immer wieder notwendige investive Neuerungen aus den DRG. Das geht oftmals zulasten des Personals. Hier Abhilfe zu schaffen, war das Ziel des Krankenhausstrukturgesetzes in dieser Wahlperiode. Die Einführung einer qualitätsorientierten Kostenerstattung ist das Kernstück des Gesetzes. Die Selbstverwaltung hat die Aufgabe bekommen, dafür messbare Kriterien zu entwickeln. Die Umsetzung dieses Prozesses zu begleiten, bleibt eine Aufgabe in der neuen Legislaturperiode. Ähnlich verhält es sich mit der Einführung von Personaluntergrenzen in pflegeintensiven Bereichen. Und ebenfalls abzuwarten bleibt, welche Auswirkungen die Einführung und Nutzung des Strukturfonds in Höhe von 500 Millionen Euro zeigt.

Das Spannungsverhältnis, einerseits eine gezielte Patientenversorgung unter Nutzung aller Ressourcen zu gewährleisten und andererseits für alle, die in medizinischen und pflegerischen Berufen arbeiten, den Lebensunterhalt zu sichern, bleibt eine Herausforderung für die Zukunft. Allein die Mengenausweitung durch Steuerung der Nachfragen und Krankenhauseinweisungen ist keine Antwort.

Die Reform des Medizinstudiums und auch die Reform der Pflegekräfteausbildung sind wichtige Weichenstellungen für die Arbeit der Krankenhäuser. Auch die Sicherstellungszuschläge für Krankenhäuser im ländlichen Raum zeigen Wirkung. Gesetzlich etabliert ist das gestufte Notfallstruktursystem mit Portalpraxen an den Krankenhäusern. Es soll der Überforderung in Notfallambulanzen entgegenwirken. Das aber funktioniert leider in der Fläche noch nicht. Um den Infektionsschutz in der Krankenhauslandschaft besser in den Griff zu bekommen, wurde das Krankenhaushygieneprogramm um drei Jahre bis 2019 verlängert. Die Neuausrichtung des Psych-Entgeltsystems hin zu einem Bugdetsystem darf in dieser Aufzählung nicht fehlen, weil ab sofort viel genauer auf den jeweiligen augenblicklichen Leistungsbedarf vor Ort reagiert werden kann. Die psychiatrische Versorgung kann jetzt sektorenübergreifend organisiert und durchgeführt werden.

Obwohl eine Vielzahl an Maßnahmen Antwort auf die Herausforderungen in den Krankenhäusern gibt, bestehen komplexe Herausforderungen. Für planbare Operationen wird ein gutes Qualitätsmanagement gebraucht. In vielen Krankenhäusern ist es eingerichtet, aber nicht immer transparent. Die bekannten Qualitätsberichte sind dazu nicht aussagestark.

Erhebliche Potenziale sehen wir in der Telemedizin. Sie ist in den Versorgungszentren und an Uni-Kliniken Alltag, nicht aber in der Fläche. Die Folgen sind vermeidbare Mehrkosten. Wir brauchen die konsequente Vernetzung von Ärzten vor Ort mit Experten in den Kliniken. Die Digitalisierung ist unbedingt voranzutreiben. Der elektronische Arzt- beziehungsweise Entlassungsbrief sowie ein individualisiertes Entlassmanagement sind im sonst digitalisierten Zeitalter ein Muss. Ohne Digitalisierung werden wir im Gesundheitsbereich die hohe Wirkungskraft verlieren.

Um die freie Krankenhauswahl und die Therapiefreiheit zu erhalten, muss in Zukunft die Bedarfsplanung sektorenübergreifend organisiert werden. Die Versorgungsbedarfe ändern sich ständig. Deshalb sind vernetzte Einheiten zu betrachten, weil aus ihnen heraus viel flexibler reagiert werden kann. Hierzu erhoffen wir uns neue Erkenntnisse aus den Modellprojekten, die über den Innovationsfonds gefördert werden. Unser Anspruch ist, diese in die Regelversorgung zu überführen.

Die sektorenübergreifende Planung führt also direkt in eine bessere Zusammenarbeit zwischen ambulantem und stationärem Sektor. Konsequenterweise ist dann auch die Angleichung der Vergütung zu diskutieren, denn machen wir uns nichts vor: Ärzteschaft und alle im Gesundheitsbereich tätigen Berufsgruppen vergleichen sich untereinander, nicht nur strukturell, sondern auch finanziell.

Uns leitet das Interesse der Patientinnen und Patienten. Deshalb bilden für uns Qualität und Menge der erbrachten Leistungen im Krankenhaus einen kausalen Zusammenhang. Die Einführung der Mindestmengenregelung für planbare und hochkomplexe Leistungen war richtig. Wir wollen nämlich sicherstellen, dass die Qualität der Behandlungsergebnisse durch Erfahrungskompetenz gewährleistet wird. Deshalb brauchen wir einen Katalog von planbaren Leistungen. Die Selbstverwaltung wurde beauftragt, diesen zu erstellen. Künftig werden Krankenhäuser, die sich an diesem Katalog nicht orientieren, Leistungskürzungen in Kauf nehmen müssen. Immer wieder ist zu hören, dass Krankenhäuser um den Ausgleich ihrer Rechnungen durch die Krankenkassen ringen. Gute Leistungserbringung muss einer zeitnahen Bezahlung gegenüberstehen. Die Rechnungsprüfungen durch den MDK müssen darauf ausgerichtet sein, notfalls durch personelle Aufstockung.

Neben diesen versorgungs- und strukturrelevanten Zukunftsthemen hat das Krankenhaus als oftmals größter Arbeitgeber vor Ort weitere Aufgaben zu erfüllen. Es unterstützt zum Beispiel die Gesundheitsaufklärung durch Vorträge, Förderung von Selbsthilfegruppen, Messen und andere Veranstaltungen. Gleichzeitig trägt das Krankenhaus für die Mitarbeiterschaft Verantwortung im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Das ist eine Vorreiterrolle für gesundheitsrelevante Angebote in kleinen Unternehmen. Hier ist vernetzte und kooperative Zusammenarbeit gefragt.

Die Rechte der Versicherten zu stärken, die durch präventive Leistungen hoffentlich erst sehr spät Patientinnen und Patienten werden, erfordert transparente Information in verständlicher Sprache. Ein neues „Nationales Gesundheitsportal“ ist die richtige Antwort, weil alle Aussagen wissenschaftlich abgesichert sein werden. Mehr als in der Vergangenheit ist die medizinische Versorgung auf objektive und verlässliche Informationen angewiesen. Verlässlichkeit schafft Vertrauen. Auf Vertrauen zwischen Patientin/Patient und Leistungserbringer ist unser solidarisches Gesundheitswesen als Daseinsvorsorge bei allem medizinischen Fortschritt und technischen Unterstützungen in Zukunft noch mehr als bisher angewiesen.

 

 

Bisher erschienen:

 

Weitere Autoren der Serie in den kommenden Wochen:

  • Hilde Mattheis, SPD-Bundestagfraktion
  • Harald Weinberg, Bundestagsfraktion Die Linke

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