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Orientierungswert von Andreas Beivers

Gesundheitsverhalten digital steuern

Gesundheitsverhalten digital steuern

  • News des Tages
  • 02.11.2017

Prof. Dr. Andreas Beivers

Derzeit befassen sich viele Akteure im Gesundheitswesen mit der Digitalisierung und diskutieren dabei intensiv über die sich ergebenden Chancen und Risiken. Den großen Chancen unter anderem bei der Neudefinition von digitalen Prozessen und der Unterstützung von Ärzten und Pflegekräften stehen Ängste gegenüber, nicht nur die der Datensicherheit, sondern vor allem systemischer Natur – nämlich wie sich unsere Sozialversicherung im digitalen Zeitalter noch finanzieren kann. Übernehmen künftig Maschinen und künstliche Intelligenz unsere Jobs, so kann eine noch nie dagewesene Substitution von
Humankapital – quer über alle Bildungsschichten – durch den Produktionsfaktor „Realkapital“ erfolgen. Dies hätte schwerwiegende Folgen für die Finanzierungsgrundlage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), der Grundlohnsumme.

In diesem Kontext erscheint der seit Jahren diskutierte demografische Wandel direkt vertraut und handelbar. Die bis dato bestehende Finanzierungslogik der GKV war eine Antwort auf die industrielle Revolution 1.0, die der Gesellschaft eine Beantwortung sozialpolitischer Fragen aufzwang. Sicherlich stehen wir auch jetzt vor einer Zeitenwende. Industrie 4.0 und Digitalisierung werden uns dazu zwingen, über den Umbau unserer sozialen Sicherungssysteme nachzudenken zu müssen. Begriffe wie „Maschinensteuer“ sind dabei keineswegs neu und sicherlich keine abschließende Lösung.

Vielleicht sollten wir in diesem Kontext auch viel visionärer denken. Heute haben wir aufgrund guter Konjunktur Überschüsse im Gesundheitsfonds, geben immer mehr Geld für Gesundheit beziehungsweise wegen Krankheit aus. Fraglich ist, ob dies nicht auf Dauer eine Sackgasse ist. Vielmehr sollten wir darüber nachdenken, wie wir mithilfe der Digitalisierung das Gesundheitsverhalten gänzlich neu steuern können.

Helfen könnten hier unter anderem die Ergebnisse des kürzlich mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichneten Verhaltensökonomen Richard Thaler. Die Nudging-Appelle Thalers könnten eine Chance bieten, uns aus einer Sackgassendebatte zu befreien und durch gänzlich neue, digital unterstützte, „smarte“ Anreize, die weit über den Werkzeugkasten der heutigen Gesundheitsökonomen hinausgehen, das Gesundheitsverhalten der Bevölkerung als auch die Patienten so effizient zu steuern, dass wir es sogar schaffen – trotz neu zu definierender Finanzierungsgrundlage – das System umzukrempeln, effizienter, kostengünstiger und damit  zukunftsfähig zu machen.  

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