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Orientierungswert von Bernadette Rümmelin, kkvd

Megathema Pflege – politische Sofortmaßnahmen notwendig

Megathema Pflege – politische Sofortmaßnahmen notwendig

  • Orientierungswerte
  • 12.01.2018

Bernadette Rümmelin

Der GKV-Spitzenverband hat den Jahresreigen zum Thema Pflege eröffnet und in der ersten Januarwoche ein Qualifizierungsprogramm für Arbeitslose durch die Agentur für Arbeit in der Altenpflege gefordert. Es ist zweifelsohne denkbar, dass mit solchen Qualifizierungsprogrammen auch zusätzliche Hilfs- und Fachkräfte etwa im Assistenzbereich für die Krankenpflege gewonnen werden können. Dies kann ein Mosaikstein in einer großen politischen Offensive zur Behebung des Fachkräftemangels in der Pflege sein, welche die neue Bundesregierung möglichst schnell auf den Weg bringen will. Erste Anzeichen dafür entnehmen wir den Erkenntnissen der heutigen Sondierungsergebnisse. 

In dem Punkt, dass es nicht damit getan sei, „zusätzliche Milliardenbeträge ins System zu schütten“ ist dem GKV-Spitzenverband in seiner Argumentation jedoch  zu widersprechen. Ohne ergänzende finanzielle Maßnahmen werden die Pflegeausbildung und die Pflegeprofession nicht attraktiver werden.

Gute Pflege muss gut ausgebildet und gute Pflege muss auch gut bezahlt werden. Damit sich künftig möglichst viele junge Menschen für den Pflegeberuf begeistern und diesen auch mit anhaltender Motivation dauerhaft und fachkompetent ausüben können. Dabei geht es nicht nur um die Begleichung von Tarifsteigerungen, die die Unionsparteien in ihrem Wahlprogramm in Aussicht gestellt haben, sondern auch um die grundsätzliche Refinanzierung der tariflich vereinbarten Vergütungen. Ein von vielen Seiten von der neuen Bundesregierung gefordertes Sofortprogramm für die Pflege muss unbedingt die Rahmenbedingungen für diese umfängliche Refinanzierung schaffen.

Ein weiteres Handlungsfeld, das schnelle politische Maßnahmen erfordert, ist die Ausgestaltung des Pflegeberufereformgesetzes. Mit dem Beschluss aus dem vergangenen Jahr, einen Pflegefonds einzurichten, soll die Umsetzung der Zusammenführung der drei einzelnen Pflegeausbildungen in einen generalistischen Zweig realisiert werden. Dabei gilt es zu beachten, dass auf die Pflegeschulen in erheblichem Maße Neuland zukommt: die Entwicklung neuer Curricula, die Steuerung neuer Ausbildungsprozesse, die Einstellung zusätzlicher Lehrkräfte und der Aufbau tragfähiger Kooperationsbeziehungen zu den Trägern der praktischen Ausbildung. Letztere wiederum müssen Fortbildungsmaßnahmen etablieren, um ihre Praxisanleiter zur Umstellung auf diese neue Systemperspektive zu schulen. Die Pflegeschulen, wie die Träger der praktischen Ausbildung, müssen darin bestärkt werden, die neuen Anforderungen in der Umsetzung des Pflegeberufereformgesetzes aktiv zu gestalten. Eine einmalige Anschubfinanzierung aus Mitteln des Bundes ist hierfür dringend geboten.

Hoffen wir, dass die Koalitionäre möglichst zeitnah an einem „runden Tisch“, auf einem „Pflegegipfel“, wie auch immer wir es nennen wollen, dafür sorgen, dass die Akteure der Gesundheitsversorgung zur Behebung des Fachkräftemangels in der Pflege miteinander in Austausch kommen und die zweifelsohne guten Vorschläge – Weiterqualifizierung von Arbeitslosen, Anerkennung und Qualifizierung von ausländischen Pflegekräften, bessere Finanzierung der Pflegeschulen, Vorantreiben der Generalistik – zusammengeführt werden. Wir müssen den Herausforderungen der Zukunft in der Pflege begegnen und den Pflegeberuf weiter nach vorne bringen. Die personellen Engpässe, mit denen wir angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland zu kämpfen haben, machen sich schon jetzt in der Versorgungspraxis bemerkbar.

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