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Pflegelobby

Gut gebrüllt Löwe!

Gut gebrüllt Löwe!

  • News des Tages
  • 23.03.2018

Prof. Dr. Andreas Beivers Studiendekan für Gesundheitsökonomie an der Hochschule Fresenius in München

Nicht nur der aktuelle Koalitionsvertrag betont die große Bedeutung der Pflege im deutschen Gesundheitswesen, auch der neue Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat im Rahmen der Eröffnung des 17. Nationalen DRG-Forums und des Deutschen Pflegetages deren Wert unterstrichen und verspricht eine ganze Reihe von Maßnahmen (siehe auch neue Themenseite "Pflege"). Zu nennen sind hierbei u.a. die 8.000 neuen Pflegestellen, die Personaluntergrenzen in Krankenhäusern und der Plan, die Pflegepersonalkosten künftig unabhängig von Fallpauschalen zu vergüten. Zur Relativierung dieser Versprechungen bleibt jedoch zu erwähnen, dass 8.000 neue Stellen – die nach sehr viel klingen – bei rund 14.000 Pflegeheimen und rund 13.0000 ambulanten Pflegediensten wohl nicht wirklich helfen, die Personalknappheit zu bewältigen. Am Ende bedeutet diese teure Aktion dann doch bloß knapp eine Drittel-Pflegekraft pro Einrichtung – und dabei sind die Krankenhäuser noch gar nicht berücksichtigt. Auch wie die Pflegepersonalkosten künftig finanziert werden, ist gänzlich ungelöst.

Sicherlich besteht ein gesellschaftlicher Konsens darüber, dass die Pflege mehr Anerkennung und eine bessere Vergütung bekommen muss. Auch ist es wichtig, mehr Menschen für diesen so wichtigen Beruf zu begeistern. Die Vertreter der Pflegeberufe haben es scheinbar gut vermocht, die Politik davon zu überzeugen. Dieses Phänomen bezeichnet man in der Ökonomie als sogenanntes „Rent Seeking“, welches auf die bekannte US-Amerikanische Ökonomin Anne O. Krueger aus dem Jahr 1974 zurückgeht. Sie hat sehr detailliert dargestellt, wie Interessengruppen u.a. nach der Verteidigung oder Verbesserung von Einkommenserzielungschancen mithilfe von politisch erwirkter Privilegien streben. 

Dennoch ist fraglich, warum wenig an die anderen – auch sehr wichtigen – Gesundheitsberufe gedacht wurde und diese nicht explizit genannt werden. Gerade vor dem Hintergrund, dass sich immer mehr Prozesse in den Kliniken verändern und neue Berufsgruppen entstehen, die neue Aufgaben übernehmen - wie z.B. die Physician Assistants – ist es verwunderlich, warum dem nicht Rechnung getragen wird. Auch die große Anzahl der anderen Gesundheitsberufe wie die der Therapeuten, der Medizinischen Fachangestellten etc. finden keine spezifische Berücksichtigung. Dies wirf die Frage auf, warum es vor allem eine Gruppe geschafft hat, die Politik zu erreichen.

Ein Ausspielen der einzelnen Gesundheitsberufe kann aber kaum zielführend sein. Vielmehr sollte sich der Gesetzgeber nicht alleine an tradierten, im Status quo vorzufindenden Berufsbildern und Prozessen orientieren, sondern mehr Ansätze finden, wie die Prozess- und Strukturqualität der Versorgung – von welcher Berufsgruppe auch immer diese erreicht wird – verbessert wird. So können alle profitieren und nicht nur die, die am lautesten brüllen.

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