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Orientierungswert

Bessere Arbeitsbedingungen für die Pflege

Bessere Arbeitsbedingungen für die Pflege

  • Orientierungswerte
  • 19.04.2018

Thomas Bublitz

Keine Frage, die Arbeitsbelastung in unseren Krankenhäusern hat sich spürbar erhöht. Davon ist besonders die Pflege betroffen. Trotzdem ein Blick auf die Fakten: Die Zahl der Pflegekräfte ist nicht wie behauptet mit der DRG-Einführung gesunken.  Sie hat sich von 2007 bis 2016 um acht Prozent auf rund 328.000 erhöht. Noch viel stärker ist die Zahl der Ärzte im Krankenhaus gestiegen. Im gleichen Zeitraum wuchs die Zahl der stationär behandelten Patienten: von rund 16 auf 19 Millionen. Die Behandlung dieser Patienten erfolgt in immer weniger Krankenhausbetten und vollzieht sich immer schneller. Das heißt, Patienten werden heute nach knapp sieben Tagen wieder entlassen. Der rasante medizinische Fortschritt und das steigende Lebensalter der Bevölkerung stellen neue Anforderungen an die Pflege.

Was lässt sich  daraus schließen? Offen gesagt, ich weiß es auch nicht so genau. Allgemein aber herrscht das ungute Gefühl, dass etwas in unseren Krankenhäusern aus dem Gleichgewicht geraten ist. Die Pflegekräfte sind unzufrieden – so viel steht fest.  Sie beklagen zunehmenden Arbeitsdruck und einen permanenten Mangel an Zeit. Diese fehlt ihnen für die Patienten, für Pausen, ja sogar für den Gang zur Toilette. Darüber hinaus bemängeln Pflegekräfte die fehlende Unterstützung und Wertschätzung ihrer Arbeit vonseiten der Ärztinnen und Ärzte auf Station. Stattdessen wächst die Bürokratie: Sie füllt rund ein Drittel der gesamten Arbeitszeit der Pflegekräfte aus. Das alles macht unzufrieden.

Wie lässt sich dieses Problem beheben, dass mehr als eine Ursache zu haben scheint? Vermutlich nicht mit einer einfachen Lösung, wie es die Einführung von Personaluntergrenzen zu suggerieren versucht.  Sie werden nicht automatisch zu mehr Kolleginnen und Kollegen auf den Stationen führen. Auch die anderen Probleme werden damit nicht verschwinden.

Was könnte helfen? Vermutlich mehr examinierte Krankenpflegerinnen und -pfleger in den Krankenhäusern. Dieses Vorhaben ist nicht von heute auf morgen umsetzbar: Drei Jahre dauert die Ausbildung im Pflegeberuf. Dazu müssen zusätzliche Ausbildungskapazitäten in den Krankenpflegeschulen geschaffen werden. Klar ist auch: Mehr Personal braucht eben auch mehr Geld. Dafür kommt meines Erachtens nur ein dauerhaft kalkulierbarer Pflegezuschlag unabhängig von der krankenhausindividuellen Pflegelast in Betracht. Zusätzlich brauchen wir endlich eine bedarfsgerechte Finanzierung von Investitions- und Betriebskosten. Es kann nicht angehen, dass sich die Bundesländer um ihre Finanzierungsverantwortung bei den Investitionskosten drücken und somit das Pflegepersonal indirekt zwingen, die Krankenhausinvestitionen noch zusätzlich erarbeiten zu müssen. Die Länder tragen die Hauptverantwortung an der Pflegemisere. Es ist an ihnen, endlich die notwenigen sechs Milliarden Euro Investitionsmittel zur Verfügung zu stellen. Und auch der Bund trägt seinen Anteil zu der Misere bei: Bei den Betriebskosten muss er die volle Finanzierung der Kosten der Tarifabschlüsse sicherstellen. Ein Tarifabschluss – so wie in der Vergangenheit – nur zur Hälfte finanziert, führt zu weiteren Personalkürzungen. Zurückgenommen werden müssen auch die Eingriffe in das Preissystem, wie der Fixkostendegressionsabschlag. Wenn wir Leistungskonzentrationen in den Krankenhäusern wollen, müssen wir auch das dafür notwendige Personal zahlen. Es passt nicht, für diese Leistungen die Preise um mindestens 35 Prozent zu reduzieren. Denn das bedeutet mehr Arbeit für die Pflege, ohne neue Kolleginnen und Kollegen!  

Und wir als Krankenhausbetreiber müssen uns um schlanke, personalentlastende Prozesse und ein Arbeitsklima von Respekt und Wertschätzung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern. Das ist eine mehr als sportliche Herausforderung. Neue Führungskompetenzen sowie neue Wege der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Berufsgruppen im Krankenhaus zu entwickeln und einzuführen, sind überfällig! Und auch die Krankenkassen sind in der Verantwortung. Permanente Kontrolle der bürokratischen Vorgaben mit dem Ziel, die Rechnung zu kürzen, hält die Pflege von der Patientenversorgung ab. Das schafft Frust und vergeudet knappe Personalressourcen.

Wir sind auch als Patienten gefordert. Einige von uns haben eine sehr hohe Erwartungshaltung. Es nervt Pflegekräfte, wenn wir klingeln, um uns das Kopfkissen richten oder uns die Weintrauben vom Nachttisch reichen zu lassen. Das geht zu weit, auch wenn wir eine Zusatzversicherung haben! Wir Patienten und Patientenangehörige müssen wieder mehr Respekt und Dankbarkeit für die menschliche Hilfe zeigen!

Besser wird es nur, wenn alle wirklich alles dafür tun.

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