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Personalmangel in der Reha

Pflexit könnte die Verweildauer erhöhen

Pflexit könnte die Verweildauer erhöhen

  • Reha-News
  • 20.02.2019

Die Reha ist vom Pflexit ausgeschlossen und fürchtet, dass sich der Personalmangel in der Reha so drastisch verschärfen wird. Auf dem 3. Nationalen Reha-Forum wird dies ein Schwerpunkt der politischen Auftaktdiskussion sein. Durch den Mangel in der Reha könnte sich die Verweildauer in den Kliniken erhöhen, warnt Ulf Ludwig, Vorstand des Reha-Betreibers Mediclin, im Interview mit dem BibliomedManager.

Wie hoch sind die Pflegesätze in der Reha und im Vergleich dazu im Akutbereich?

Ein aktuelles Gutachten der activa benennt 164 Euro Kosten pro Pflegetag für orthopädische und 157 Euro pro Pflegetag für kardiologische Reha in der GKV. Üblich sind jedoch Sätze pro Tag von 95 bis 115 Euro. Daraus resultiert eine deutlich niedrigere Vergütung der Mitarbeiter von Reha-Kliniken als in anderen Sektoren des Gesundheitswesens, beispielsweise ist die Vergütung im Akutsektor fast flächendeckend nahe am Tarifniveau des öffentlichen Dienstes und darüber. Aber auch in anderen Sektoren des Gesundheitswesens, wie der stationären und ambulanten Pflege werden die tatsächlichen Kostensteigerungen der Vergütung der Pflegekräfte refinanziert.

Pflegesatzerhöhungen sind aufgrund des Wirtschaftlichkeitsgebots auf die Veränderungsrate als Obergrenze beschränkt – was bedeutet das genau für Reha-Kliniken?

Das bedeutet für die Reha-Kliniken, dass bei den jährlichen Pflegesatzverhandlungen in der Regel eine Steigerung der Pflegesätze in Höhe der Veränderungsrate das maximale Verhandlungsergebnis darstellt. Viele Krankenkassen versuchen, selbst diese Preissteigerungen zu unterbieten. In der Folge können reelle Kostensteigerungen nicht refinanziert werden. Die Personalkosten steigen aber übertariflich. Einerseits weil das Personal auf dem bestehenden Vergütungsniveau auf dem Markt nicht mehr verfügbar ist oder das vorhandene Personal mit übertariflichen Steigerungen (Nachholeffekt) an die Einrichtung gebunden werden muss. Andererseits müssen Lücken in der Stellenbesetzung regelmäßig mit Fachkräften in der Arbeitnehmerüberlassung gefüllt werden, um den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten zu können. Für besondere Stellen kommen noch hohe Personalbeschaffungskosten etwa für Personalberater oder die Anwerbung und Ausbildung von ausländischen Pflegekräften hinzu. Die Beschränkung der Vergütungssatzsteigerungen auf die Veränderungsrate erhöht daher die Differenz zur Tarifvergütung von Jahr zu Jahr.

Im akutstationären Bereich wird in der Pflege die Selbstkostendeckung eingeführt, in der Reha nicht. Was bedeutet das für die Reha-Kliniken?

Da im Akut-Sektor die Kosten der Pflege vollständig refinanziert werden, den Reha-Kliniken aber Preissteigerungen verwehrt werden, die eine Vergütung auf ähnlichem Niveau ermöglichen würden, rechnen wir mit einer deutlichen Abwanderungsbewegung von Pflegekräften aus der Reha in den Akutbereich. Dieses Szenario betrifft vor allem die Bereiche der Anschluss-Heilbehandlung, weil dort die Arbeitsbelastung mit der im Akut-Sektor vergleichbar ist oder sogar darüber liegt und es betrifft vor allem die Ballungsräume, weil dort eine Abwanderung leichter ist als im ländlichen Bereich.
 
Mit welchem Szenario rechnen Sie, wie viele Pflegekräfte könnten abwandern?

So eine Situation hatten wir in Deutschland noch nicht. Daher fehlen uns die Erfahrungen dazu. Wir rechnen aber schon mit einem deutlichen Abwanderungsdruck. Insbesondere im Pflegebereich ist ja zum einen eine 24-Stunden-Dienstbesetzung zu gewährleisten, andererseits auch bestimmte Mindestbesetzungen entsprechend den Stellenplanvorgaben der Kostenträger einzuhalten. Wenn die Kliniken ohnehin schon nahe an den Mindestbesetzungen sind, kann schon die Abwanderung von 1 bis 2 Pflegekräften pro Klinik zur Schließung von Stationen führen. Wir arbeiten bei Mediclin schon seit Monaten an Lösungen, um die Abwanderung zu verhindern oder zu minimieren. Dazu gehören für uns vor allem sehr gute Arbeitsbedingungen in unseren Kliniken als auch eine Vielzahl von Arbeitszeitmodellen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, aber auch Vergütungsanpassungen im Rahmen dessen, was finanzierbar ist. Hier haben Rehakliniken aufgrund der geringen Organisationskomplexität Vorteile gegenüber dem Akutsektor.

Wie sind die Reha-Kliniken derzeit ausgelastet?

Die Auslastung in den meisten Rehakliniken ist zwischenzeitlich so hoch, dass jetzt schon nicht alle Patienten zeitnah aufgenommen werden können. Die AHB-Patienten müssen damit oft weitere Wege in die Reha auf sich nehmen, bei den Heilverfahren steigt die Wartezeit. 

Rechnen Sie damit, dass sich die Verweildauer der Patienten in den Akutkliniken durch den Pflexit erhöhen wird?

Ja. Entweder erhöht sich die Verweildauer im Krankenhaus oder die Patienten werden ins Pflegeheim verlegt, obwohl sie ein Reha-Potenzial haben und damit einen Rechtsanspruch auf eine Rehabilitation. In jedem Fall wird dadurch die Versorgung der Patienten nicht besser, da viel dafür spricht, möglichst frühzeitig nach einem Akuteingriff mit der Rehabilitation zu beginnen. Sollte sich dann die Verweildauer im Krankenhaus erhöhen, braucht man dort noch mehr Pflegekräfte, um die Personaluntergrenzen einzuhalten, ein Teufelskreislauf, der für die Patienten nur Nachteile bringt. Volkswirtschaftlich ist das auch nicht sinnvoll, den Akutsektor besser zu stellen auf Kosten des Reha-Sektors, der einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, Fachkräfte wieder für den Beruf fit zu machen und damit dem Arbeitsmarkt zu erhalten oder Pflegebedürftigkeit zu verhindern oder zu verzögern. Wenn mit 3 Wochen Reha mehrere Jahre Pflegebedürftigkeit verhindert werden können, wird die Lebensqualität des Betroffenen deutlich verbessert und der Pflegekräftemarkt gleichzeitig entlastet.

Der Personalmangel in der Reha ist Top-Thema auf dem 3. Nationalen Reha-Forum am 21. und 22. März 2019 in Berlin. Es diskutieren:

  • Ulf Ludwig (Medclin)
  • Heike Baehrens MdB (SPD)
  • Cordula Schulz-Asche MdB (Bündnis90/Die Grünen)
  • Dr. Thomas Gebhardt MdB (CDU)
  • Susanne Leciejewski (Celenus)

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