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Mammazentrum Hamburg setzt auf das Konzept „Betreuung aus einer Hand"

Von der Fachpraxis zum Organzentrum

Von der Fachpraxis zum Organzentrum

  • Strategie
  • Strategie und Organisation
  • 01.01.2008

Der Trend zur Spezialisierung bei gleichzeitigem Kostendruck in der Kliniklandschaft macht ungewöhnliche Schritte notwendig: In Hamburg haben Ärzte des Mammazentrums und ein hanseatischer Kaufmann das Krankenhaus Jerusalem gekauft und mit diesem Deal vor dem sicheren Aus gerettet. Während das Krankenhaus bis dato das eher beschauliche Dasein einer klassischen Belegklinik führte, ist jetzt die weitere fachliche Schärfung des medizinischen Profils vorgesehen. In den kommenden 15 Monaten wird das Programm für die Neuausrichtung der Klinik zum modernen Kompetenzzentrum konsequent umgesetzt

Das vor elf Jahren gegründete Mammazentrum Hamburg steht für eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte auf dem deutschen Gesundheitsmarkt. Die damalige Überlegung einer interdisziplinären Zusammenarbeit, in deren Mittelpunkt ein medizinisch bedeutsames und gesundheitspolitisch relevantes Krankheitsbild steht, ist dabei so neu nicht: Bereits in den 70er Jahren strukturierte Professor Klaus Thomssen, der Direktor der damaligen Universitäts- Frauenklinik Hamburg-Eppendorf, eine auf die Therapie des Brustkrebses spezialisierte Einheit, an der die Gynäkologie, die Radiologie, die Pathologie und Strahlentherapie beteiligt waren.

Mit dem zunehmenden Einsatz der medikamentösen Krebstherapie erweiterte sich dieses Spezialistenteam um die gynäkologische und internistische Onkologie. Die beispielhafte Entwicklung einer Fachabteilung für die Behandlung von Brusterkrankungen war überaus erfolgreich und über zwei Jahrzehnte ein medizinisches Kompetenzzentrum mit Modellcharakter. Die Grundidee war einfach und bestechend: Um optimale Behandlungsergebnisse zu erreichen und diese möglichst vielen Frauen mit Brustkrebs zugänglich zu machen, wurden kurze Entscheidungswege und spezialisiertes Wissen in der Universitätsklinik gebündelt. Das Konzept fand schnell Anklang bei Patientinnen und Kollegen in der Praxis, die Klinik wurde durch dieses Modell überregional bekannt und frequentiert. In dieser Zeit absolvierten die späteren Partner der gynäkologischen Gemeinschaftspraxis Frauenthal und Gründer des Mammazentrums Hamburg, Dr. Timm Schlotfeldt und Professor Eckhard Goepel, ihre Ausbildung zum Fach- und Oberarzt.

Mammazentrum Hamburg bundesweit auf Platz zwei

Das Mammazentrum Hamburg versteht sich als Spin-off der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE), da die Mehrheit der beteiligten Ärzte dort ihre Ausbildung durchlief. Mit der Gründung der Praxis Frauenthal im Jahr 1993 reifte der Gedanke einer extrauniversitären Einheit zur Therapie von Brusterkrankungen weiter. Anstelle der Kooperation unter einem Dach (Modell UKE bis 1996) trat ein Verbund von eigenverantwortlichen Schwerpunktpraxen, die – verglichen mit dem Universitätsklinikum – ein Mehrfaches des Volumens leisteten.

Das Mammazentrum Hamburg ist mittlerweile Marktführer in der Behandlung des Brustkrebses in Hamburg und liegt bundesweit mit 1 100 Eingriffen von gutartigen und bösartigen Brusterkrankungen jährlich auf dem zweiten Platz (Benchmarking-Analyse des Westdeutschen Brust-Centrums 2006). Die Kernleistungen werden im Krankenhaus Jerusalem, einer belegärztlichen Klinik, erbracht. Das Mammazentrum ist dort seit seiner Gründung vor elf Jahren in einem Seitenflügel untergebracht. Auch die systemische Therapie nach der Operation erfolgt dort, jedoch im ambulanten Setting. Der besondere Einsatz aller an der Patientenbetreuung Beteiligten, besonders der Pflege, wird als Erfolgsfaktor betrachtet.

Jede Patientin wird als Privatpatientin angesehen

Auch auf ärztlicher Seite wird jede Patientin als „Privatpatientin“ angesehen und die Anzahl der Arztwechsel in der Behandlungskette auf ein Minimum reduziert. Dieses Konzept der Betreuung aus einer Hand wird von den Patientinnen, die sonst vielfach die hierarchischen Strukturen des deutschen Krankenhauswesens gewohnt sind, als besonders angenehm empfunden. Als einziger Leistungserbringer in Hamburg ist das Mammazentrum durch die europäische Gesellschaft für Brustkrebs (EUSOMA) akkreditiert und erstellt seit 1996 eine lückenlose Outcome-Analyse (Überlebensdaten) für alle behandelten Patientinnen.

Die Reputation und das Potenzial dieses Behandlungsansatzes sind durch eine jährliche Steigerungsrate von durchschnittlich zehn Prozent dokumentiert. Diese Entwicklung spielt sich im Verdrängungswettbewerb ab. In der ersten Hälfte des Jahres 2007 wurden erstmals mehr als 300 Patientinnen mit einer Brustkrebserkrankung behandelt. Die weitere Behandlung erfolgt regelhaft, aber nicht zwingend in den Praxen/Einheiten der Kooperationspartner. Die günstige Baserate (2006 rund 1 450 Euro) des Krankenhauses führt dazu, dass die Krankenkassen etwa 30 bis 40 Prozent der Behandlungskosten pro Fall, verglichen mit einer Hauptabteilung, einsparen.

Die Zukunft in der medizinischen Versorgung wird von der Forderung nach Kooperation der einzelnen Partner (Krankenhaussystem und ambulante Medizin) dominiert. Die weitere Verzahnung dieser Leistungserbringer wird von der Politik und den medizinischen Fachgesellschaften gefordert. Für die Therapie von Tumorerkrankungen hat die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) eine bindende Struktur und Hierarchie der Versorgung vorgegeben. Die Primärversorgung der einzelnen Tumorerkrankungen hat in Organzentren zu erfolgen, die eigene Organisations- und Entscheidungskonzepte für die Diagnostik und Therapie besitzen. eigenständig und unabhängig geführt werden. finanziell autonom sind.

die Therapie durch Leitlinien und Qualitätssicherungsmaßnahmen absichern. die Patientenaufnahme in eigener Regie organisieren. Die Trägerschaft – privat, gemeinnützig oder öffentlich – ist nicht vorgeschrieben. Auf der Basis dieser bundesweit anerkannten Forderungen war die Übernahme der Trägerschaft des Krankenhauses Jerusalem aus der Hand des Diakoniewerkes zum 1. September 2007 ein weiterer logischer Schritt zur inhaltlichen Neuordnung. Neben den ärztlichen Partnern Dr. Timm Schlotfeldt, Professor Eckhard Goepel und Privatdozent Dr. Kay Friedrichs des Mammazentrums Hamburg ist in der Trägergesellschaft mit dem Hamburger Kaufmann Dr. Harald Berninghaus ein merkantiler Kopf vertreten. Der Geschäftsführer der Unternehmensberatung Haarmann Hemmelrath Management Consultants ist ebenso wie die drei Ärzte von dem neuen Konzept überzeugt: Das Mammazentrum als Hauptertragsbringer verbleibt in der traditionsreichen Belegklinik – ein Konstrukt, für das Kooperationspartner von außen kein attraktives Angebot vorlegen konnten. „Also lieber selber machen“, lautete daher die Devise des befreundeten Quartetts.

Begleitung von der Diagnose bis zum Therapieende

Die Investitionssumme von etwa elf Millionen Euro wird in einem mehrstufigen Plan in die Renovierung und Erweiterung des Krankenhausbaus fließen. Künftig sollen neben den drei Ärzten des Mammazentrums nur noch fünf bis sechs Belegärzte ihre Leistungen anbieten. Erhalten bleiben die Kinder-HNO und die Orthopädie. Aus- und aufgebaut wird das medizinische Zentrum für Brust-, Bronchial- und Darmkrebs. Mit der Integration einer leistungsfähigen Radiologie, einer Pathologie und eines interdisziplinären Konzeptes für themenverwandte Fachpraxen bietet dann das Mammazentrum eine Begleitung ihrer Patientinnen von der Diagnose bis zum Therapieende unter einem Dach.

Am Ende des aus etwa zehn Modulen bestehenden Investitionsplanes steht eine leistungsstarke Spezialklinik mit etwa 50 Betten, die das operative Spektrum weiter in die Senologie verlagert, ohne die bisherigen Leistungsträger zu verdrängen. Ziel ist es, das Krankenhaus Jerusalem wieder zu einer starken Marke zu machen. Zugleich wird durch ein abgestimmtes Vorgehen mit lokalen Mitbewerbern die Überschneidung von Leistungsangeboten vermieden und das Netzwerk an strategischen Allianzen ausgebaut.

Anschrift des Verfassers:

PD Dr. Kay Friedrichs, Ärztliche Leitung Mammazentrum Hamburg, Moorkamp 2–8, 20357 Hamburg

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