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Private Klinikkonzerne bilden Ärzte aus

Private Klinikkonzerne bilden Ärzte aus

  • Strategie
  • Titel: Arzt im Krankenhaus
  • 01.01.2008

Asklepios kooperiert mit ungarischer Uniklinik, Rhön baut in Leipzig bewährte Kooperation aus und setzt weiteren Schwerpunkt in Hessen

Private Klinikkonzerne engagieren sich in der Ausbildung von Ärzten. Die Uniklinik Budapest eröffnet zusammen mit Asklepios eine Zweigstelle in Hamburg. Die Rhön- Klinikum AG, Miteigentümerin der Uniklinika Gießen und Marburg, betreibt mit dem Herzzentrum Leipzig ein weiteres, bereits seit Jahren bewährtes Ausbildungssystem. f&w sprach mit Dr. Jörg Weidenhammer, Geschäftsführer im Asklepios-Konzern, und mit Professor Dr. Friedrich-Wilhelm Mohr, Ärztlicher Direktor des Herzklinikums Leipzig.

Vom Herbst dieses Jahres an werden 42 Medizinstudenten in Hamburg an der „Asklepios Campus Hamburg / Fakultät der Humanmedizin der Semmelweis Universität Budapest“ ausgebildet. „Asklepios und die Universität Semmelweis Budapest haben den Gründungsvertrag für einen entsprechenden deutschen Medizin-Campus unterzeichnet“, sagt Asklepios- Geschäftsführer Dr. Jörg Weidenhammer. Der Ausbildungszweig zum klinischen Medizinstudium stehe zunächst den 42 Studenten offen, die ihr Physikum in diesem Herbst in Budapest absolvierten.

Der Gründung seien Verhandlungen von zwei Jahren vorausgegangen. Weidenhammer legt Wert darauf, dass die neue Ausbildungsstätte keine private Gründung sei. Vielmehr errichte die Semmelweis-Uni in Hamburg eine zweite Ausbildungsstätte. Die ungarische Hochschule nutze das neue Europarecht, Dependancen in anderen Ländern eröffnen zu dürfen. Asklepios stelle Personal und Räumlichkeiten. Derzeit durchliefen die Hamburger Kliniken das Akkreditierungsverfahren. Dessen Erfolg sei Voraussetzung für den pünktlichen Studienbeginn.

80 habilitierte Ärzte arbeiten bei Asklepios in Hamburg

„Wir haben in den Hamburger Asklepios- Kliniken rund 130 Chefärzte, von denen ungefähr 80 habilitiert sind. Es dürfte also nicht schwer werden, die Lehre für die Studenten und gleichzeitig den Betrieb in den Krankenhäusern zu sichern“, sagt der Asklepios-Manager. Durch diese Ausbildung steigere das Unternehmen langfristig die Qualität aller seiner Standorte. „Denn wer sich in der Lehre betätigt, verfügt über einen hohen Reflexionsgrad“, weiß Weidenhammer. Die Semmelweis-Universität bildet bereits seit dem Jahr 1983 westdeutsche Studenten gegen Entgelt aus.

Wie vielen anderen ehemaligen Ostblockstaaten auch, bescherte es dem zunächst kommunistischen und später freiheitlichen Ungarn die unendlich begehrten West-Devisen. Die Qualität der Ausbildung gilt der deutschen als mindestens ebenbürtig. Die Vorlesungen laufen in deutscher Sprache. Auch üben heute viele in Rumänien gut ausgebildete deutsche Mediziner hierzulande ihren Beruf aus, dessen Grundstudium sie in der Ceausescu-Ära abgelegt haben. Auch dieser Diktator brauchte D-Mark und US-Dollar.

Auf die Persönlichkeit, nicht allein die Noten kommt es an

Für die Immatrikulation in den neuen Hamburger Studiengang ist nach Angaben von Asklepios „ein richtiges Studienentgelt“ vorgesehen. Die genaue Summe sei noch nicht kalkuliert, könnte aber etwa 14 000 Euro pro Semester betragen, sagt Weidenhammer. Die Partner Asklepios und Semmelweis- Uni wollen auch Stipendien anbieten. Als größten Unterschied zur staatlichen Ausbildung nennt der deutsche Projektchef „den wesentlich engeren Kontakt zu den Dozenten“. Am Ende jeder Lehrveranstaltung sei Zeit, noch individuelle Gespräche mit den Lehrenden führen zu können.

Die Ausbildung sei nicht verschulter als die herkömmliche. Dass ein intensiver Kontakt unter Studenten und Lehrenden zustande kommen könne, garantierten die Studentengruppen, die wesentlich kleiner sein sollen als an deutschen staatlichen Unis. Asklepios ist es auch wichtig, dass nicht nur junge Menschen mit hervorragenden Abiturnoten Arzt werden dürfen. Vielmehr erfordere der Beruf neben großer Leistungsbereitschaft auch eine „Gesamtpersönlichkeit“. Über Letztere geben die Schulnoten keine Auskunft.

Engagement wider den Ärztemangel

Der Geschäftsführer sieht den ungarischen Ausbildungsableger auch als Ausweis des Engagements seiner Klinikkette gegen den drohenden Ärztemangel. Besonders in der allgemeinen Medizin, aber auch in den internistischen Abteilungen beginne der Facharztmangel sich auszuwirken. Dies gelte leider auch für Chirurgie und insbesondere Anästhesie. „Wir sind überzeugt, dass man als privates Unternehmen gut staatliche Aufgaben, wie die Ausbildung von Medizinern, übernehmen kann“, sagt Weidenhammer. Darüber hinaus haben Vertreter der Budapester Universität immer wieder über Sprachbarrieren unter den deutschen Studenten berichtet: Der Studiengang Humanmedizin in Budapest werde zwar auf Deutsch unterrichtet, aber in der Begegnung mit den ungarischen Patienten gebe es Probleme. Ungarisch sei neben Finnisch und Türkisch die am schwierigsten erlernbare Sprache aus dem europäischen Kulturkreis.

Jetzt könnten die deutschen Studenten ihr Wissen mit deutschen Vorgesetzten, Kollegen und Patienten in Hamburg vertiefen. Asklepios engagiert sich aber auch, um sich im Markt der akademischen Kliniken zu behaupten. Dieser sei „hoch umkämpft“, ist aus dem Konzern zu hören. Der neue Hamburger Studien-Ableger bietet nach Weidenhammers Ansicht „geballtes Expertenwissen“. Chefin auf der ungarischen Seite ist die deutschsprachige Medizin-Professorin Dr. Erzsewet Ligety. Den deutschen Part übernimmt Weidenf hammer selbst und unterstreicht damit, wie wichtig seinem Krankenhaus- Verbund das Projekt ist

UKE kritisiert Zeit und Ort der deutschen Campus-Gründung

Das Universitätsklinikum Hamburg- Eppendorf (UKE) sieht der Gründung des Asklepios-Campus’ eigenen Angaben zufolge mit Interesse entgegen. „Wettbewerb belebt bekanntlich das Geschäft“, sagt der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Uwe Koch-Gromus, in Hamburg. „Aufgrund unserer umfangreichen und erfolgreich umgesetzten Reformen fühlen wir uns für die Zukunft gut gerüstet.“ Im Gegensatz zum Asklepios-Campus, der auf zahlungskräftige Studierende angewiesen sei, werde das UKE auch in Zukunft seine Studierenden ausschließlich aufgrund von Leistungskriterien aussuchen.

Der Ärztliche Direktor des UKE, Prof. Jörg Debatin, wird deutlicher: „Um den Wettbewerb nicht zu verzerren, müssen wir aufpassen, dass die staatliche Finanzierung des Medizinstudiums an öffentlichen Hochschulen in Deutschland mit den teilweise sehr hohen Studiengebühren privater Anbieter Schritt hält.“ Vor dem „Hintergrund der Turbulenzen in ehemaligen Landesbetriebskrankenhäusern Hamburg (LBK), den jetzigen Asklepios Kliniken, stellt sich zudem die Frage, ob die Verantwortlichen der Budapester Semmelweis-Fakultät Zeitpunkt und Ort der Gründung eines deutschen Campus wirklich gut gewählt haben“, sagt Debatin. Derlei Kritik kann der Bundesverband Deutscher Privatkliniken nicht verstehen. Dass sich die Privaten ander Aus- und Weiterbildung beteiligten, sei schließlich nichts Neues. Wenn jetzt eine private Klinikkette erstmals auch ein Medizin-Grundstudium anbiete, dann zeige das deren Potenzial, sagt eine Sprecherin auf Anfrage. Alle Klinikbetreiber müssten sich schließlich engagieren, um guten ärztlichen Nachwuchs zu sichern. Zunehmend kauften sich die großen Ketten Kliniken der Maximalversorgung und auch Uniklinika.

Rhön führt

Die Nase vorn in diesem Bereich haben nach einhelliger Expertenmeinung die Rhön-Klinika. Sie führen seit eineinhalb Jahren die Unikliniken Marburg und Gießen. Dort ist auch ein großes Fortund Weiterbildungszentrum in Planung. Jeder junge Arzt im Konzern, der sich in der Facharztausbildung befindet, soll hier ein regelmäßiges Training erhalten. „Im Rahmen des lebenslangen Lernens werden an diesem Zentrum in Marburg auch die Fach-, Ober- und Chefärzte die Möglichkeit haben, neueste medizinische Entwicklungen ihres Fachgebietes kennenzulernen, aber auch das Rhön-spezifische Prozess- und Führungswissen vermittelt zu bekommen“, sagt Wolfgang Pföhler, Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG.

Um insbesondere junge Ärzte für den Konzern zu gewinnen, will Pföhler leistungswilligen Medizinern zusätzlich die Möglichkeit geben, in kürzestmöglicher Zeit – in der Regel sind es etwa fünf Jahre – über ein klinikübergreifendes Rotationsverfahren eine qualifizierte Facharztausbildung zu absolvieren. Im nunmehr 14. Jahr läuft mit der Herzklinik Leipzig „das erste, wahre Modell eines privaten Trägers und einer Uniklinik“, sagt deren Ärztlicher Direktor, Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm Mohr, im f&w-Gespräch. Die Rhön-Klinikum AG sei davon überzeugt, Forschung und Lehre müssten in öffentlicher Hand betrieben werden, um deren Unabhängigkeit zu gewährleisten. Das Herzklinikum Leipzig, hundertprozentige Tochter von Rhön, ist Teil der Universität Leipzig.

Die Universität beruft die Professoren, die jedoch – anders als ihre Kollegen in den anderen Abteilungen – ein eigenes Budget haben. Deswegen könne man die Lehrstuhlinhaber am Herzzentrum mit Fug und Recht als „Freie Kaufleute in Forschung und Lehre“ bezeichnen, sagt Mohr. rof. Dr. Friedrich Wilhelm Mohr Während die Professoren anderer Abteilungen seitenlange Anträge stellen müssten, die Monate dauernde Entscheidungsverfahren durchliefen, existierten im Herzzentrum Leipzig kurze Entscheidungswege. Teures Großgerät könne auch über die Leasing- Abteilung von Rhön finanziert werden. Verbrauchsmaterialen kaufe mitunter die Einkaufsabteilung des Klinikkonzerns als Großabnehmer günstiger ein.

Die Herz-Mediziner haben aber summa summarum nicht mehr Geld als die Kollegen anderer Disziplinen. „Sie sind nur freier und flexibler“, sagt Mohr. Das Herzzentrum sei in die Studentenausbildung vom ersten Semester an voll integriert, lehre Notfall- wie Innere Medizin und engagiere sich in der integrierten Berufsförderung der Studenten.

Leipziger Modell von Rhön in Forschung „europaweit führend“

Das Leipziger Modell habe sich in Forschung und Lehre „an vorderster Stelle“ bewährt. „In der kardiovaskulären Medizin sind wir europaweit führend“, sagt Mohr, der dies mit der Qualität und der Zahl wichtiger Veröffentlichungen belegen kann. Aus seiner Abteilung seien fünf Chefärzte anderer Kliniken hervorgegangen. Der Professor aus Leipzig begrüßt „jeden Ansatz, die Ausbildung zu verbessern“. Deswegen freut er sich nach eigenem Bekunden auch über die Hamburger Bemühungen des Wettbewerbers Asklepios.

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