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Heilbäder und Kurorte

Prädikat „wertvoll“

Prädikat „wertvoll“

  • f&w
  • Reha
  • 19.12.2018

f&w

Ausgabe 1/2019

Seite 82

Die deutschlandweit über 350 Heilbäder und Kurorte sind bereits heute Gesundheitskompetenzzentren, weil sie durch die an sie gestellten strukturellen Anforderungen ambulante und stationäre Versorgung sowie präventive Angebote für Patienten und Arbeitnehmer vor Ort gezielt miteinander verbinden – und das in ländlicher Region. Davon können die in diesen Orten ansässigen Reha-Kliniken nur profitieren.

Auch das deutsche Gesundheitssystem steht vor Herausforderungen und dem Erfordernis, sich zumindest in Teilen neu strukturieren zu müssen. Medizinischer Fortschritt ermöglicht es, zunehmend mehr Erkrankungen zunehmend differenzierter diagnostizieren und behandeln zu können. Das steigende Lebensalter der Menschen bringt unter anderem längere Krankheitszeiträume und mehr multimorbide Patienten und zunehmend mehr gleichzeitig auftretende Erkrankungen mit sich. Zugleich ändern sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Menschen zieht es in die Stadt, ländliche Räume dünnen aus. Arbeitnehmer wollen anders arbeiten als Menschen vor 50 oder 100 Jahren. Bereits heute deutlich spürbar sind der Fachkräftemangel, Versorgungslücken im ländlichen Raum und die Frage, wie die zunehmenden Möglichkeiten guter medizinischer Versorgung bei durch das steigende Lebensalter längeren Versorgungszeiträumen und einer Verschiebung hin zu nicht übertragbaren und zu chronischen Erkrankungen finanziert werden sollen beziehungsweise können.

In zahlreichen Reformen ringen Gesundheitspolitik, Selbstverwaltung, Leistungserbringer wie auch Industrie (zum Beispiel Pharma, Medizintechnik, IT-Unternehmen) und Kommunen um den Erhalt des hohen Versorgungsstandards und den weiteren Erhalt beziehungsweise die weitere Verbesserung der (flächendeckenden) Versorgung. Dabei steht immer wieder auch das Bemühen um integrierte Versorgung und die Verbindung der Sektoren im Fokus. Ziel ist die Vermeidung von Versorgungsbrüchen. Heilbäder und Kurorte sind bereits heute Gesundheitskompetenzzentren, die ambulante und stationäre Versorgung gezielt miteinander verbinden.

Verknüpfung von Prävention und Rehabilitation

Die deutschlandweit mehr als 350 Heilbäder und Kurorte sind überwiegend kleine und mittelgroße Orte in zumeist ländlichen Regionen. Jährlich werden hier über drei Millionen Patienten und Kurgäste versorgt. Reha-Kliniken nutzen das Angebot der Heilbäder und Kurorte alleine dadurch, dass sie diese vielfach als Standorte wählen. Diese Einschätzung wird durch die (nicht repräsentative) Umfrage des Focus Gesundheit gestützt. 77 Prozent der Reha-Kliniken, in denen Patienten mit der Diagnose Krebs behandelt werden, befinden sich in einem Heilbad oder Kurort. Orthopädische Reha-Kliniken wählen zu knapp 66 Prozent ein Heilbad oder einen Kurort als Standort, kardiologische Reha-Kliniken zu nahezu 65 Prozent und Reha-Kliniken zur Behandlung psychischer Leiden zu knapp 65 Prozent. Die Patienten profitieren von dieser Verknüpfung. Exemplarisch sei das Statement eines Patienten vorgetragen: „Eigentlich hatte ich mir eine andere Klinik ausgesucht. Dann wurde ich aber in diese Klinik in einem Kurort ‚geschickt‘. Im Nachhinein hat sich das für mich als Glücksfall herausgestellt. Der angenehme Ort und besonders der ansprechend gestaltete Kurpark haben mich nach meiner Hüft-OP schnell mobilisiert. Ich hatte einen Ansporn, mich zu bewegen und die schöne Umgebung zu erkunden.“

Mit den Begriffsbestimmungen legen Heilbäder und Kurorte einen medizinisch hinterlegten Standard für die Qualitätsanforderungen in den Orten fest. Diese umfassen unter anderem Umweltbedingungen (Luftreinheit, Lärm), Anforderungen an die Infrastruktur, den Leistungsumfang und -standard der Kurbehandlungen (sowohl die Struktur- als auch die Prozessqualität), die Anforderungen an die Zusammensetzung der ortsgebundenen Heilmittel. Die Definition der Qualitätsanforderungen bezieht sich jeweils auf eine oder mehrere Indikationen (unter anderem dermatologische Erkrankungen, Depressionen und andere psychische Erkrankungen, Herz-Kreislauf- und Gefäßerkrankungen, neurologische Erkrankungen und Erkrankungen der Atemwege). Darüber hinaus sind Anforderungen an die Ausstattung des Orts beispielsweise bezüglich eines Kurarztes, eines Kurparks, Übungs- und Ruheräumen, Haus des Gastes und Terrainkurwegen zu erfüllen.

Auch für die Bevölkerung des Kurorts und seiner Umgebung haben die Heilbäder und Kurorte eine wichtige Funktion. Die strukturellen Anforderungen an die Orte wie Parkanlagen, Terrainkurwege und Salinen dienen der Bevölkerung als Naherholungsgebiete, sportliche beziehungsweise aktive Freizeitgelegenheiten und damit als individuelle Präventionsmöglichkeiten. Darüber hinaus bieten die Orte eine gute therapeutische und medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Die für den Kurbetrieb vorgehaltenen Therapie-, Beratungs-, Schulungs-, Trainings- und Freizeitange­bote sind auch der Bevölkerung uneingeschränkt zugänglich.

„Bündnis Gesunde Mitarbeiter“ gegründet

Heilbäder und Kurorte vernetzen präventive Angebote für Patienten mit Präventionsangeboten für die Menschen vor Ort, zum Beispiel für Arbeitnehmer. Davon profitieren auch die im Ort ansässigen Kliniken. In Niedersachsen ist, um nur ein Beispiel zu nennen, unter Beteiligung des Heilbäderverbands das „Bündnis Gesunde Mitarbeiter“ gegründet worden. Gemeinsam mit der AOK Niedersachsen und dem Unternehmerverband Niedersachsen e.V. sowie dem Deutschen Gewerkschaftsbund werden sowohl ambulante als auch Kompaktangebote mit Übernachtungen in Pilotkurorten entwickelt und umgesetzt. Professionalisiert werden die Bestrebungen durch die neu entwickelte Weiterbildung zum „Zertifizierten Fachberater für Prävention und Betriebliches Gesundheitsmanagement“.

Setting-Ansatz verbindet Orts- und Milieuwechsel

Die indikationsspezifische Differential­therapie (Kur) macht sich den Orts- und Milieuwechsel mit einer temporären Änderung der „Lebens-Ordnung“ zunutze. Sie hat einen ganzheitlichen Ansatz, der körperliche, seelische und soziale Aspekte miteinander verbindet. Durch gruppendynamische Prozesse werden individuelle Umstellungsprozesse erleichtert. Die ambulante Vorsorge fernab des Alltagsgeschehens umfasst viele Elemente der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion. Ein Element ist das Gesundheitswissen beziehungsweise die Gesundheitskompetenz (Health Literacy). Deren Steigerung ist Element jeder Kur. Informationen und Schulungen zu gesundheitsgerechtem Verhalten, den eigenen Fähigkeiten angemessenen körperlichen Ertüchtigungen und zu einer gesunden Ernährung gehören zu jedem Kuraufenthalt. Besonders ausgeprägt sind sie bei Kompaktkuren. Mit einem umfassenden Angebot präventiver Maßnahmen nicht nur für Kurpatienten, sondern auch für die Bevölkerung vor Ort, greifen Heilbäder und Kurorte ein weiteres Element der aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion auf: das des Setting-Ansatzes.

Die Herausforderungen der Integration von Versorgung beantworten Heilbäder und Kurorte also auf mehreren Ebenen. Sie sind damit gute Beispiele und zugleich gute Anknüpfungspunkte zur Fortsetzung der Integration von Versorgung und Verknüpfung der Versorgungselemente Gesundheitsförderung, Prävention, Kuration, Therapie und Rehabilitation.

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