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"So können die DRGs nicht bleiben"

"So können die DRGs nicht bleiben"

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  • 18.10.2017

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Ausgabe 10/2017

Seite 884

Prof. Dr. Stephan Dettmers, 1. Vorsitzender der DVSG, ist Dekan des Fachbereichs Soziale Arbeit und Gesundheit an der Fachhochschule Kiel.

Mit dem Bundesteilhabegesetz besitzen die Leistungserbringer einen bis dato unterschätzten Hebel, um Pflege in den Entgeltsystemen besser zu bepreisen. Prof. Dr. Stephan Dettmers, Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen (DVSG), wagt vor dem Bundeskongress am 19. und 20. Oktober seines Verbandes einen Ausblick auf sich anbahnende Veränderungen.

Herr Prof. Dettmers, das Bundesteilhabegesetz (BTHG) ist das überragende Thema des anstehenden DVSG-Bundeskongresses am 19. und 20. Oktober in Kassel. Warum?

Heute sind in unserer Versorgungsstruktur Gesundheitssystem und Sozialsystem noch stark getrennt. Eingliederungshilfen etwa werden gesondert finanziert über das SGB XII. Denn die funktionale Gesundheit kommt im Akutbereich kaum und im Reha-Bereich nur in Maßen vor. Das BTHG will nun alle Regeln bündeln, die notwendig sind, um die Eingliederungshilfe eindeutig zu definieren, und es orientiert sich dabei an der ICF-Klassifikation der WHO: Was also ist funktionale Gesundheit?

Was heißt das für die Beteiligten?

Das biopsychosoziale Verständnis von Krankheit im Gesundheitssystem wird stärker ausgeprägt. Akuteinrichtungen müssen sich künftig intensiver der Frage widmen, wie sie zum Beispiel die Versorgung chronischer Erkrankungen besser steuern können. Das ist nicht nur eine Frage des Entlassmanagements. In Kooperation mit Nachsorgeeinrichtungen und teilhabeorientierten Einrichtungen müssen neue Beratungsangebote auf den Weg gebracht werden, um den Betroffenen Teilhabe am Leben in der Gesellschaft zu ermöglichen. In den ersten drei Reformstufen geht es vornehmlich um Geld. Denn über 50 Prozent der Ausgaben im Sozialbudget entfallen auf die Eingliederungshilfen. Ans Eingemachte aber geht es spätestens mit Stufe vier der Reform: Die Änderung der Eingliederungshilfe wird ab 2023 auch die leistungsberechtigte Person neu definieren.

2023? Es bleibt also noch Zeit?

Nein, wir müssen sofort beginnen, die Bedeutung des BTHG zu durchdringen. Dazu gehört zum Beispiel, sich mit Inhalten und Wirkungen der ICF in der Tiefe zu befassen. Mit der ICF bekommt zum Beispiel das Pflegemanagement die große Chance, eigene Leistungen und Bedarfe deutlicher zu beschreiben, was im Kontext eines biomedizinischen Verständnisses über die Klassifikation ICD-10 nicht möglich ist.

Das könnte der neuen Bundesregierung bei der Frage helfen, wie Gelder aus dem DRG-System tatsächlich bei der Pflege ankommen ...

In der Tat. Pflegerische Leistungen sind im DRG-System nicht vernünftig klassifiziert. Die ICF bietet die Chance, Aktivitäten- und Teilhabe-Level-Leistungen im Pflegekontext deutlicher herauszustellen. Das betrifft aber auch andere Professionen wie soziale Arbeit und therapeutische Berufe. Wenn die Pflege sich in der kommenden Legislatur gut aufstellt, kann sie der Debatte um neue Vergütungsregeln noch mal einen neuen Impuls geben. Mit Blick auf das BTHG können die DRGs nicht so bleiben, wie sie sind.

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