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Nachruf

Weitblick und Menschennähe

Weitblick und Menschennähe

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  • Szene
  • 21.09.2018

f&w

Ausgabe 10/2018

Seite 872

Nachruf auf den verstorbenen f&w-Gründungsautor Prof. Dr. Michael Philippi

Biersdorf ohne Michael Philippi – Prof. Dr. Michael Philippi, um korrekt zu sein. Aber der Schein, der von solchen Titeln ausgeht, war Philippis Sache nicht. Eher schon die Werte im Inneren. Die Krankenhaustage am Bitburger Stausee jedenfalls haben eine besondere Seele – nicht zuletzt auch deshalb, weil diese in den vergangenen beiden Jahrzehnten von einem Mann eingehaucht worden war, der von Menschen beseelt war. Im September 2018 fehlte Michael Philippi, dieser Menschenfreund, in Biersdorf.

An dem Tag, als die Redaktion die Nachricht vom plötzlichen Tod des gerade erst „inthronisierten“ Paracelsus-Chefs im Newsletter meldete, gingen etliche Mails und Anrufe bei mir ein. Freunde, Geschäftspartner, Wettbewerber und Kollegen suchten nach Worten, um ihrem Unglauben Ausdruck zu verleihen, und sie lieferten Anekdoten, die sie Philippi verdanken. Sie wussten scheinbar alle um die Bedeutung der Bande zwischen Michael Philippi und dem Bibliomed-Verlag, zwischen dem Konzernlenker mit Sendungsbewusstsein und dem Herausgeber von Krankenhausmagazinen sowie dem Veranstalter des Nationalen DRG-Forums.

Meiner Vorgängerin als Bibliomed-Geschäftsführer(in), Uta Meurer, begegnete Philippi zum ersten Mal 1983 bei Professor Günter Sieben an der Universität zu Köln. Er war damals Assistent und Mitglied im Arbeitskreis Gesundheitsökonomie – in einem Gebiet, das in jener Zeit nahezu revolutionär anmutete. Krankenhäuser sollten nach dem Vorbild von Unternehmen nicht mehr verwaltet, sondern geführt werden. Philippi war eine Art Nachwuchs-Spin-Doktor. Meurer konzipierte damals eine neue Zeitschrift, die wenig später unter dem Titel f&w führen und wirtschaften im Krankenhaus erscheinen sollte. Michael Philippi brachte sich ein. „Sachkundig, kompetent, zielorientiert und kollegial teilte er sein Wissen gern mit anderen“, wie sich Meurer heute erinnert. „Er lebte seine Werte. Bei allem Engagement nannte er mir gegenüber stets die Familie an erster Stelle.“ Philippi selbst erinnerte sich vor einiger Zeit gegenüber der Redaktion ebenso gerne an die f&w-Gründungszeit. „Es war die Premiere der neuen Fachzeitschrift im Jahr 1984. Wer nervöser war, Frau Meurer oder der gerade frischgebackene Dipl.-Kaufmann der Universität Köln …?“

Dass Michael Philippi während seiner Berater-Jahre und auch über die Zeit an der Sana-Spitze hinaus unserem Fachmagazin bis zu seinem Tod die Treue hielt, hat die Redaktion über Jahrzehnte geprägt und befruchtet. Vor allem aber ist er sich selbst treu geblieben. Sein gesundheitsökonomisches Detailverständnis versperrte nie den Blick für das große Ganze. Symptomatisch war sein lakonisches Statement, als er mich zu einer gerade durchlebten medizinischen Odyssee befragte, was ich mit dramatischem Vokabular auszuschmücken wusste: „Mit etwas Abstand werden Sie das als Episödchen betrachten.“

Weitsicht bescheinigen Philippi fast alle, die intensiver mit ihm zusammenarbeiteten. Schon sein erster f&w-Artikel zeugte davon. „Diagnoses Related Groups – ein Modell für Deutschland?“, hieß das Premierenstück anno 1984, mit dem der innovative Geist Philippi seiner Zeit weit voraus war. So sollte es in den folgenden Jahren noch oft sein. Als das DRG-System Anfang der 2000er-Jahre dann tatsächlich eingeführt wurde, warnte Philippi als Erster vor „überbordender Bürokratie“ – als habe er schon damals geahnt, dass sich ein Prüfsystem entwickeln würde, das inzwischen 1,7 Milliarden Euro jährlich verschlingt.

Sein letztes Interview vor dem Ausscheiden bei Sana gab er dem Autor dieser Zeilen Ende 2016. Damals merkte er zum Krankenhausstrukturgesetz beinahe Prophetisches an: „Erstmals wird unmittelbar Hand an dieses System gelegt – sei es bei den abgestuften Bewertungsrelationen oder bei der Bereinigung um vermeintlich zu hohe Sachkostenanteile in den DRG. Wer das einmal macht, wird es immer wieder tun. Ab jetzt wird es bei jedem Problem heißen: Uns passt etwas an dieser oder jener Vergütung nicht, also müssen wir wieder Hand anlegen. Ich befürchte, wir werden ein munteres politisches Gestalten erleben.“

Wer schmückte sich nicht gerne mit der Anwesenheit Michael Philippis? Für den Relaunch der f&w Mitte 2015 gewannen wir ihn als ersten Kolumnisten der neuen „Vorstandsvorlage“. Und zum Abschied aus dem Sana-Vorstand schenkte ich ihm eine lebenslange Ehrenkarte für das Nationale DRG-Forum – nicht ahnend, dass er bald schon wieder auf der Kommandobrücke eines Klinikkonzerns stehen würde. Als die Paracelsus-Kliniken unmittelbar vor Weihnachten 2017 Antrag auf Insolvenz in Eigenverantwortung stellten, sprach die Szene von einer undenkbaren Herkulesaufgabe. Als aber mit dem neuen Eigentümer auch Philippi als neuer Kapitän verkündet wurde, änderte sich der Tonfall ad hoc. Philippi, der Mutmacher. Mit Philippi werde Paracelsus sehr bald wieder seetauglich sein, hieß es plötzlich.

Zu den Heimspielen des FC Bayern München besuchte Philippi zuweilen mit Kollegen und Freunden die Sana-Box in der Münchener Allianz-Arena. Seinen Stammplatz in der Loge hatte er mit einem dezenten roten Kölner Wimpel markiert. Hier sitzt Michael Philippi, der Rheinländer, De Kölsche Jung in der bajuwarischen Enklave. Nun bleibt der Platz leer. „Et bliev nix wie et wor“, heißt es im kölschen Grundgesetz. Das klingt zunächst profan. Doch eigentlich ist es das große Ganze.

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